21. Januar 2019, 21:41 Uhr

Hessischer Freiheitskämpfer wuchs in Cleeberg auf

21. Januar 2019, 21:41 Uhr

Gerade einmal 46 Jahre alt wurde Friedrich Ludwig Weidig. Dennoch ist er in Langgöns und Butzbach noch heute unvergessen, tragen eine Schule und eine Turnhalle seinen Namen. Aufgrund seines revolutionären Gedankens eines vereinigten Deutschlands als demokratischer Nationalstaat gilt er als einer der Wegbereiter der Revolution von 1848. Sein Geburtsort Oberkleen – hier erblickte Weidig am 15. Februar 1791 das Licht der Welt – ist stolz auf den berühmten Sohn. Aufgewachsen ist Weidig jedoch im Nachbarort Cleeberg.

Hier erfuhr man erst vor Kurzem davon: Mitglieder des Ortsbeirats hatten an einer Führung in Butzbach teilgenommen und dabei erfahren, dass Friedrich Ludwig Weidig über ein Jahrzehnt in Cleeberg gelebt hatte. »Das wusste in Cleeberg niemand so wirklich«, sagte Ortsvorsteherin Heidi Tonhäuser im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Eltern waren Nachbarskinder

Der Ortsbeirat beschloss, aus seinen Verfügungsmitteln eine Tafel zu kaufen, die am ehemaligen Wohnhaus der Familie Weidig in der »Unteren Pforte« nahe dem Judenbrunnen angebracht werden sollte. Der Butzbacher Museumsdirektor, Dieter Wolf, unterstützte das Gremium mit detaillierten Informationen zur Lebensgeschichte Friedrich Ludwig Weidigs.

Weidigs Eltern hatten sich einst in Cleeberg kennengelernt, waren Nachbarskinder. Weidigs Vater wurde ebenso wie der Großvater Förster. Er arbeitete zunächst in Oberkleen. Nach dem Tod des Großvaters Johann Ludwig Jacob Weidig wurde er in Cleeberg zum Oberförster in hessischen Diensten ernannt. Sein Sohn Friedrich Ludwig Weidig wuchs in dem Dorf im Schatten der Burg auf, ging hier zur Schule, spielte mit den Nachbarskindern.

1803 zog die Familie aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses aus dem nun nassauischen Cleeberg ins hessische Butzbach um, kann man auf der Tafel lesen. Hier besuchte Friedrich Ludwig Weidig die Schule, wechselte dann ins Gymnasium nach Gießen. 1808 begann er ein Theologiestudium, bestand das Examen und wurde 1812 zum Konrektor der zweiten Butzbacher Knabenschule, 1825 wurde er Rektor.

Bald begann Friedrich Ludwig Weidig, sich für einen Systemwechsel zu engagieren. Er half bei den Vorbereitungen des Hambacher Festes, arbeitete Georg Büchners Manuskript des »Hessischen Landboten« in eine Druckfassung um und verteilte sie zusammen mit seinen Schülern. Bereits seit 1818 stand er wegen politischer Betätigung im Schulunterricht unter Beobachtung der Behörden.

1833 wurde Friedrich Ludwig Weidig erstmals inhaftiert, ein Jahr später als Rektor abgesetzt und nach Ober-Gleen strafversetzt, wo er als Pfarrer weiterhin revolutionäre Reden hielt. Kurze Zeit später wurde er verhaftet und zunächst in Friedberg, später dann in Darmstadt inhaftiert, wo er am 23. Februar 1837 verstarb.

»Friedrich Ludwig Weidig ist als hessischer Freiheitskämpfer ein Begriff«, sagt Ortsvorsteherin Tonhäuser. »Das macht einen schon stolz, dass es solche Leute gegeben hat, die sich dafür stark gemacht haben und Cleeberg nun auch mit dem Namen Weidig verknüpft wird.«

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