16. Januar 2018, 10:17 Uhr

Altes Handwerk

Hausschuhe aus Garn

Mit 90 Jahren hat der Besenbinder Erhard Schäfer aus Daubringen seinen Beruf aufgegeben. Nun hat er ein altes Handwerk wiederenteckt und flechtet Schuhe, die zum Fanartikel werden könnten.
16. Januar 2018, 10:17 Uhr
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Von Volker Heller
Die Besenbinderei hat Erhard Schäfer aufgegeben. Nun widmet er sich dem Flechten von Hausschuhen. Zur Dekoration kann man sie auch an die Wand hängen. (Foto: vh)

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Schäfer bereits Schuhe aus Roggenstroh hergestellt. Hierzu wurde das Getreide zunächst eingeweicht und dann verflochten. Diese Schuhe aus reinem Naturmaterial sorgten zusammen mit dicken Socken für warme Füße, taugten aber wegen fehlender Besohlung nur als Hausschuhe. Moderne Flechtstrohschuhe kommen heutzutage etwa aus dem Schwarzwald und haben eine Sohle aus Leder oder Gummi.

Schäfer verwendet mittlerweile Pressengarne, die man aus der Landwirtschaft zum Binden von Heu-, Stroh- und Silageballen kennt. Die gelblichen Garne sind aus dem Naturprodukt Sisal, die farbigen aus Synthetik. Schwarz und Blau verwendet Schäfer bisher. Damit sind etwa die Vereinsfarben von Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig darstellbar. Die Garnfarben Rot und Weiß würden das Vereinsspektrum um ein Vielfaches erweitern. Schäfer ist deshalb zurzeit auf Garnsuche.

In der nun besenreinen Garage liegen neue Arbeitsutensilien: Garne am Stück, Garnrollen und Bindekordel. Das genügt. Um der Schuhsohle ausreichend Stärke zu geben, flechtet Schäfer aus sieben Strängen ein Seil – fertig ist das Baumaterial. Für den Schaft reichen fünf Fäden pro Seil.

Schäfer stellt die Garnschuhe einzeln oder paarweise her sowie in verschiedenen Größen. Aufgrund der vorhandenen und künftigen Farbkombinationen eignen sich die originellen Teile zunächst wohl besonders für Fußballfans und Fanklubs.

Doch es muss ja nicht nur die Bundesliga sein. In einem größeren Schuh lässt sich etwa auch ein kleiner Blumentopf mit Pflanze drin verstauen. Andere Schuhe hängen an der Wand, entweder zur Dekoration oder mit Kleiderbürste, Haarbürste oder Kamm. Im Auto könnte der Garnschuh gar die Stelle der umhäkelten Klopapierrolle einnehmen. Der kleinste Schuh kostet fünf Euro.

Ein Besuch bei Erhard Schäfer lohnt sich auf jeden Fall. Kontakt über die Telefonnummer 0 64 06/39 25.



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