23. April 2017, 21:43 Uhr

Gutes Gespür für die leichte Muse

23. April 2017, 21:43 Uhr
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Von Gerhard Gerbig
Konzertabend in Leihgestern: Der Projektchor Linden (»ProchoLi«) bei der Eröffnung des Programms . (Fotos: gge)

Beim Konzert von »ProchoLi« und »Salto Vocale«, Abkömmlinge der Gesangvereine Eintracht Leihgestern und Harmonie Großen-Linden, verrieten schon die Namen Gefühl für Originalität.

Das zeigte sich auch im abwechslungsreichen Programm, das der Eintracht als Veranstalterin – wie schon vor Jahresfrist – ein gutes Gespür für die Klaviatur der leichten Muse attestierte. Da war Musik drin: Rhythmen, die in die Beine gingen, die Stimmbänder animierten und letztlich in Herz und Seele ankerten.

Musikalische Wundertüte

Nicht nur die Auftritte von »ProchoLi« (Projektchor Linden), »Salto Vocale« und der an der Autoharp meisterhaft agierenden Solistin Ulrike Schlein sorgten für Hochstimmung in der Sängerhalle am Leihgesterner Festplatz. Es war auch das noch relativ neue Phänomen des gemeinsamen Singens: Jede/r sein/e eigene/r Joan Baez, Udo Jürgens oder – im Kollektiv – Mitglied der Les Humphries. Zu den auf die Leinwand projizierten Texten und von der »ProchoLive-Band« begleiteten Evergreens sang das Publikum mit, klatschte, stampfte und wiegte sich in seliger Nostalgie. Mal galt es »rote Lippen zu küssen«, mal ging es mit der »Yellow Submarine« auf Tauchstation, bevor am Ende alle sangen: »We shall overcome« – inbrünstig und hingebungsvoll.

Der Auftakt dieser in jeder Hinsicht gelungenen Veranstaltung war dem »ProchoLi vorbehalten gewesen. Dieser setzte sich unter der bewährten Leitung von Werner Jung gleich eindrucksvoll in Szene. Abweichend von allzu oft gehörten Programmen servierte der Chor einen »Insalata Piccante« und versah diese musikalische Wundertüte mit einem mittelalterlichen Gewand.

Überhaupt mangelte es dem Ensemble nicht an originellen Einfällen. Das wurde auch am Vortrag des jiddischen Klassikers »Bei mir bist du schön« deutlich. Beim sprachlich (bewusst) missgestalteten »Adiemus« aus der Feder des Walisers Karl Jenkins konnte, wer wollte, den Wohlklang auf die Anhäufung der willkürlich aufgestapelten Vokale zurückführen. Aber Sprache und Musik kommen sich ohnehin selten in die Quere (deutsche Neuschlager ausgenommen). Bei ihrem zweiten Auftritt hielten sich die Sängerinnen und Sänger etwas strenger an die Vorgaben des »Establishments« und unterstrichen dennoch ihre vielseitige Qualität. Etwa bei einem Les Humphries-Potpourri oder dem von Simon & Garfunkel kreierten Ohrwurm »Sound of Silence«.

Seine Verbundenheit mit den Leihgesterner Gastgebern unterstrich die Gruppe »Salto Vocale« aus Großen-Linden. Unter Regie von Arndt Roswag boten acht Frauen- und zwei Männerstimmen Gesang vom Feinsten. Beste Akzentuierung, disziplinierter Vortrag und eine auf viel Melodik zielende Liedauswahl erhielten langen Beifall. Waren ja auch ein paar richtige »Hämmer« dabei: die Weltnummer »Halleluja« von Leonard Cohen oder das eingängige »Weit, weit weg« des österreichischen Liedermachers Hubert von Goisern.

Weitere Höhepunkte bescherte die aus Waldgirmes angereiste Solistin Ulrike Schlein mit stimmlichem Tempre und virtuoser Handhabung ihrer Autoharp. Dieses, der Zither ähnliche Instrument findet vorwiegend in der Bluegrass-, Folk- und Country-Musik Verwendung. Anna-Lena Liebermann führte kompetent durchs Programm.



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