27. September 2017, 21:35 Uhr

Gute Prognose für »DorfSchmiede«

27. September 2017, 21:35 Uhr
»Wo wollt ihr alt werden?« – mit einer eher rhetorischen Frage empfangen Mitarbeiter der Tagespflege mit Sitz in der »DorfSchmiede« Laubachs Stadtverordnete. Später dann stimmte das Plenum für den Sanierungsplan, der das Begegnungszentrum retten soll. (Foto: tb)

Laubach (tb). Nach erneuten Schuldzuweisungen, samt Erwiderungen, aber auch nach dem Eingestehen eigener Fehler rief Stadtverordnetenvorsteher Kühn am Dienstagabend endlich zur Abstimmung auf: Mit 14 Jastimmen von FW, CDU und Grünen, bei fünf Neinstimmen von CDU, FDP, FBLL, SPD, BfL sowie sechs Enthaltungen konnte er den Beschluss des jüngsten Sanierungskonzeptes für die »DorfSchmiede« gGmbH zu Protokoll geben.

Auf FW-Antrag ward die Magistratsvorlage um zwei Punkte ergänzt: Zum ersten sind dem Haupt- und Finanzausschuss halbjährlich frische Geschäftszahlen vorzulegen, zum zweiten wird dem ehrenamtlichen Geschäftsführer ein kaufmännischer Berater zur Seite gestellt.

Geschäftszahlen vorzulegen

Mit dem Beschluss vom Dienstag dürften Insolvenz, drohende Abwicklung und Verkauf des Objektes zum Verkehrswert (laut Insolvenzverwalter ein Fünftel des 2,4-Millionen-Invests), dürften noch höhere Verluste für die Stadt abgewendet sein. Der Erhalt der Dorfschmiede ist fürs Erste gesichert.

Das erste Sanierungskonzept von Bürgermeister Klug, es war bekanntlich im Juni knapp gescheitert. Der Geschäftsführung der gGmbH blieb nur der Gang zum Insolvenzgericht. Ob der drohenden Belastung des Stadtsäckels von bis zu 1,3 Mio. Euro (Rückzahlung von Landesdarlehen und -zuschuss) legte Klug Widerspruch ein. Positiver Effekt: Der vorläufige Insolvenzverwalter Ralf Diehl gab den Anstoß, und am Ende lag ein verbessertes, tragfähiges und von den Fachanwälten dringend angeratenes Konzept auf dem Tisch (die GAZ berichtete).

Klug eröffnete die über zweistündige Debatte mit einem Appell, dem sich später auch Axel Düringer geb. Kröll (CDU) und Joachim M. Kühn (FW) anschlossen: »Lassen Sie uns nach vorn schauen.«Viel besser sei es doch, die Sanierung anzugehen, als am Ende die Kosten eines Scheiterns der Dorfschmiede auf alle Bürger zu verteilen.

Schuldzuweisungen seien nicht zielführend, mahnte zunächst Dirk Hofmann (FBLL). Und verwies sodann auf die Satzung der Stadtwaldstiftung, wonach die Förderung »generationenübergreifender Wohnprojekte« Vorrang habe. Warum, so Hofmann mit Blick auf Stiftungsvorstand Klug, sei nicht mit einer Finanzspritze von 300 000 Euro die Finanzklemme beseitigt worden. So wäre der städtische Etat nicht belastet worden (»hätte doch nicht gereicht«, Klug). Im Übrigen kritisierte er die EKHN: Bei Rücklagen von 1,3 Milliarden wäre es für die doch ein Leichtes, ein Leuchtturmprojekt zu retten, bei dem die ev. Kirche rund 95 Prozent der Anteile hält. Alternativlos sei vorgelegtes Konzept nicht, ihn erinnere das alles eher an die »Rettung Griechenlands«.

Hartmut Roeschen (SPD) betonte aufs Neue: »geniales Projekt«, aber nicht finanzierbar. Bedenken, was die Risiken angehen, seien mit Fehlinformationen und Halbwahrheiten »abgespeist worden«. Dabei habe es der Risiken gar nicht bedurft: Für alle Module hätte es in Freienseen räumliche Alternativen gegeben. Jetzt versuchten FW und Grüne, schnell zur Tagesordnung überzugehen, um die Blamage unsichtbar zu halten. Eine Insolvenz müsse nicht zwangsläufig das Aus für die Dorfschmiede und einen Millionenverlust für die Stadt bedeuten, ein neuer Eigner könnte sich auch zum Weiterbetrieb entschließen. Roeschen kritisierte im Übrigen Fehlannahmen im Konzept, warnte vor einem dauerhaften Zuschussbetrieb, den sich Laubach nicht leisten könne. Dennoch sage er nicht Nein zum Konzept, enthalte sich – wegen der Gefahr für Arbeitsplätze, Betriebe. Vorhaltungen, dies geschehe auf Druck von oben, wies er zurück.

»Es ist alles gut« – so habe es des Öfteren geheißen, kritisierte auch Axel Düringer die damalige Mehrheit (FW, Grüne, BfL). »Ein Vertrauensverlust«. Jetzt aber gelte es, die hinter all den Streitereien verborgene gute Idee nach vorn zu holen, ihr die letzte Chancen zu geben. Beim Abwägen des Für und Wider des Konzepts überwögen für ihn die Vorteile. Einer davon: »Nicht so viel zu verlieren wie bei der Insolvenz.«

Michael Köhler (Grüne) räumte Fehler, vor allem mangelndes Controlling ein. Kritik sei okay, nicht aber Beschimpfungen der ehrenamtlichen Akteure in Freienseen, etwa als »Dilettanten«. Es gebe wenige so gute Dinge, für die Laubach so viel Geld ausgegeben habe. »Soziale Projekte haben es bei uns leider schwer«, meinte Kühn (FW). Man sollte der positiven Prognose der Experten vertrauen, somit ein vorbildhaftes Projekt zu erhalten. Dass das Konzept auch die Rückzahlung der Darlehen umfasse, bat er nicht zu vergessen: »Keiner geht leer aus.«

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