27. Mai 2008, 22:16 Uhr

Güttler sieht Alleinstellungsmerkmal für Arnsburg-Konzert

Gießen/Lich (no). Mittelhessische Freunde klassischer Bläsermusik halten sich, selbst wenn sie weit jenseits der Kreisgrenzen wohnen, den Termin des seit 1994 (fast) alljährlichen Güttler-Gastspiels in Kloster Arnsburg unbedingt frei. Heuer ist es der kommende Sonntag, 3. Juni, 17 Uhr.
27. Mai 2008, 22:16 Uhr
Ludwig Güttler kommt erneut nach Arnsburg.

Gießen/Lich (no). Mittelhessische Freunde klassischer Bläsermusik halten sich, selbst wenn sie weit jenseits der Kreisgrenzen wohnen, den Termin des seit 1994 (fast) alljährlichen Güttler-Gastspiels in Kloster Arnsburg unbedingt frei. Heuer ist es der kommende Sonntag, 3. Juni, 17 Uhr. Der Meister kommt mit seinem Blechbläserensemble, gibt ein populäres Programm mit Kompositionen unter anderem von Purcell, Bach und Händel bei Regen im Dormitorium, bei angenehmem Wetter in der Basilika-Ruine. Der Erlös der Veranstaltung ist der Finanzierung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche zugedacht und- aus immer noch aktuellem Anlass - dem Freundeskreis Kloster Arnsburg zur weiteren Renovierung der historischen Bausubstanz. Karten zum Preis von 21 bis 41 Euro gibt es im Dürerhaus in Gießen und bei Tabak-Kreuter in Lich.

Im Gespräch mit der »Allgemeinen Zeitung« sagte der 64-jährige Musiker gestern, dass »die kleineren Spielorte wie Arnsburg zu mir gehören«. Sie hätten oft faszinierende Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen. Im Fall der Lokalität im Herzen der Natur sei es eben »das Zeugnis früherer Kulturleistungen«, das ihm zusage: die Klosteranlage.

In früheren Jahren hätten die Menschen oft nicht den nötigen Respekt davor gehabt, hätten Ruinen geplündert und aus den Steinen im Bedarfsfall auch Kuhställe gebaut. Hier in Arnsburg sei das anders, so wie er es kennengelernt und wie er durch die Geschichte des Freundeskreises erfahren habe. »Hier wird gerettet, was zu retten ist, wird nichts dem weiteren Verfall überlassen.« Kloster Arnsburg sei für ihn, Güttler, ein Ort, den es zu bewahren gelte.

Im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Kultur- cultura (lat.) im Sinne von (Land-)Bau interpretiert- sehe er in Kloster Arnsburg »eine Stätte, an der Menschen gemeinsam denken, fühlen und handeln; an der sie nicht einfach etwas hinnehmen«. Dieser Stimmung habe er sich immer schon verwandt gefühlt, unterstrich Güttler: auch der Nachhaltigkeit des bewahrenden Schaffens wegen.

Er habe eine solche Haltung von anderen benötigt, als es um »seine« Frauenkirche in Dresden und deren Wiederaufbau gegangen sei. Und so pflege er sie auch anderen gegenüber. »Arnsburg - das ist etwas Besonderes in einer abgelenkten, zerstreuten Welt.«

Musik (be-)nutze diesen Raum, der sich einem nicht nur im früheren Schlafsaal der Mönche auftue, sondern auch draußen in der Ruine: »Die musizierenden und die zuhörenden Menschen bekommen das Gefühl, zu einem einmaligen Ganzen zu gehören. Der Klang zerfließt nicht, er wird vielmehr reflektiert.« Er und sein Ensemble teilten sich mit und die vor Jahrhunderten in Noten gefassten Motive der Komponisten. »So kommt es zu einem echten Dialog« - der dann am besten gelinge, wenn der Zuhörende bereit sei, in den Klangbildern aufzugehen und sich einer Definition durch Worte zu entziehen. »Der Raum schwingt - selbst dann, wenn er nicht von einer Decke begrenzt wird, sondern offen ist bis zum Himmel.« Besonders habe er, Güttler, dies in den antiken Amphitheatern erlebt, selbst wenn diesen oft schon wichtige Bauteile wie etwa die Bühnenrückwände fehlten. »Es bleibt immer eine Geometrie, ein imaginärer Raum.« Vielerorts - und so auch in Kloster Arnsburg, wo am Sonntag 700 Konzert-Besucher erwartet werden.

Veranstalter ist der gastgebende Freundeskreis. Schirmherr der Güttler-Konzerte ist Rüdiger Veit; früher als Gießener Landrat, seit 1998 als SPD-Bundestagsabgeordneter. Nur einmal seit 1994 hatte Güttler nicht kommen können - wegen Ischiasschmerzen. Und 2006 war wegen fehlender »Manpower« hier vor Ort pausiert worden. Dafür war Güttler 1999 gleich zweimal im Licher Einsatz für Dresden gewesen. Für den Wiederaufbau der Frauenkirche konnten bislang knapp 90 000 Euro überwiesen werden. Das »Gießener Fenster« neben der Turmkuppel, ganz konkret die beim Bau verwendeten Steine, hatten rund 75 000 Euro gekostet.

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