28. Februar 2018, 21:26 Uhr

Grundbedarf decken

28. Februar 2018, 21:26 Uhr
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Aus der Redaktion

Weniger Menschen in Deutschland sind auf Gelder aus den Sozialtöpfen des Bundes angewiesen. Das geht aus den jetzt vorliegenden, aktuellsten Zahlen hervor. Und wie sieht es im Landkreis Gießen aus? Hier bekamen zum Stichtag Ende 2016 insgesamt 1108 Menschen »laufende Hilfe zum Lebensunterhalt«, 136 weniger als ein Jahr zuvor.

Die soziale Mindestsicherung umfasst neben dem Arbeitslosengeld II (Hartz IV) für Arbeitssuchende verschiedene Hilfearten der Sozialhilfe nach SGB XII: unter anderem auch die »laufende Hilfe zum Lebensunterhalt« (HzL), sprich die Sozialhilfe im engeren Sinne.

Wie die amtliche Statistik verrät, erhielten in Hessen zum 31. Dezember 2016 insgesamt 29 424 Männer, Frauen und Kinder diese spezielle Unterstützung (Vorjahr: 31 277), bundesweit waren es 374 310 Empfänger (Vorjahr: 397.577). Die Hilfe zum Lebensunterhalt unterstützt Menschen, die weder Anspruch auf Arbeitslosengeld II (Hartz IV) noch auf Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung haben.

Auch Minderjährige unter 15 Jahren, die nicht im Haushalt der Eltern, sondern bei Verwandten leben, sind anspruchsberechtigt, wenn Einkünfte fehlen. Ebenso Bewohner in stationären Einrichtungen der Pflege, der Altenhilfe oder der Eingliederungshilfe für Behinderte, deren eigenes Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, die Kosten der Unterkunft zu zahlen. Im Kreis Gießen lebten 749 aller 1108 HzL-Empfänger in einem Alten- oder Pflegeheim, also ein Anteil von rund 68 Prozent (Bundeswert: 64).

77 Minderjährige

Die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt soll den Grundbedarf decken, mehr nicht. Dazu zählt laut Sozialgesetzbuch »insbesondere Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens sowie Unterkunft und Heizung«. Zu den persönlichen Bedürfnissen des täglichen Lebens gehört in vertretbarem Umfang auch eine Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche. Für Schüler umfasst der notwendige Lebensunterhalt auch »die erforderlichen Hilfen für den Schulbesuch«. Somit leistet die HzL nicht nur ein physisches Existenzminimum, sondern strebt einen soziokulturellen Mindeststandard an, der eine angemessene Teilnahme am gesellschaftlichen Leben einschließt.

Zwar spielen die 374 310 HzL-Empfänger gemessen an bundesweit insgesamt rund 7,9 Millionen Beziehern von Mindestsicherungsleistungen im Jahr 2016 (darunter 6 Millionen Hartz-IV-Empfänger) eine vergleichsweise kleine Rolle. Doch stehen sie für jene Hilfsbedürftigen, die sonst bundes- und landesweit durch die Maschen des sozialen Netzes fallen.

Und wie entwickelte sich deren Zahl im Landkreis? Gegenüber dem Vorjahr mit 1244 sank hier die gesamte Empfängerzahl um 136 oder 10,9 Prozent. Geht man ein weiteres Jahr zurück, lag die Empfängerzahl damals bei 1269 (Dezember 2014) und weitere zwölf Monate zuvor bei 1228 (Dezember 2013).

Blickt man auf das Alter, waren im Landkreis zum Stichtag 77 HzL-Empfänger jünger als 18 Jahre. Weitere 740 waren im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren und 291 hatten den 65. Geburtstag bereits hinter sich. Insgesamt 54 ausländische Empfänger bezogen laufende Hilfe zum Lebensunterhalt, ein Anteil von rund 4,9 Prozent (Bund: 7,6 Prozent). Nicht nach Pass, sondern nach Geschlechtern betrachtet, sagen die Zahlen, dass die Bedürftigkeit eher männlich als weiblich ist. Die 505 Empfängerinnen im Landkreis Gießen entsprechen 45,6 Prozent der Gesamtzahl. (Foto: dpa)



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