29. November 2017, 18:00 Uhr

Beim Papst

Grünberger tritt im Petersdom in Rom auf

Welche Ehre für Schlagzeuger Oliver Müller – der Grünberger musizierte jüngst bei der heiligen Messe in Rom. Zur »Franziskusmesse« fehlte jedoch etwas Entscheidendes.
29. November 2017, 18:00 Uhr
Für alle ein beeindruckendes Erlebnis: Projektorchester und Chor spielen im Petersdom. (Foto: pm)

Nur wenige Menschen werden einmal zu einer heiligen Messe mit dem Papst im Petersdom in Rom eingeladen. Solch eine Messe gar mitgestaltet zu haben, können noch weniger von sich behaupten. Oliver Müller aus Göbelnrod aber hat genau das erlebt. Als Teil eines Projektorchesters hat er Mitte November bei der heiligen Messe im Petersdom das Schlagzeug gespielt. Musikalisch ging es um die Komposition »Franziskusmesse« von Dirigent und Komponist Sven Hellinghausen. Der hatte sie als Geburtstagsgeschenk für Papst Franziskus geschrieben. Dass nun ausgerechnet der Papst an jenem besagten Tag nicht da war, ist ein Part der Geschichte. Doch dazu später mehr.

»Musik ist schon immer Teil meines Lebens«, sagt Müller. Seit seinem fünften Lebensjahr spielt er im Musikverein Stangenrod, später dann in diversen Bands. Vor einigen Jahren gründete Müller gar sein eigenes Orchester, die »Egerländer Schmankerl«. Kirchenmusik war ihm bis vor kurzem allerdings noch vollkommen fremd. Das änderte sich Ende 2016 mit der Bewerbung auf eine Ausschreibung des Landesmusikverbands Rheinland-Pfalz. Gesucht waren 65 Musiker und 110 Sänger für die Umsetzung der Komposition von Hellinghausen.

isa_pm_OlliMüller2_291117
Der Grünberger Schlagzeuger Oliver Müller vor dem Petersplatz in Rom. (Foto: pm)

»Ich kenne Hellinghausen persönlich. Das war vielleicht auch ein Grund dafür, warum ich, trotz, dass ich Hesse bin, zur Auswahlprobe im Februar eingeladen wurde«, erzählt Müller. Neben ihm nahmen noch 120 weitere Musiker an dem Auswahlverfahren teil. Manche von ihnen waren Berufsmusiker, andere im Heeresmusikcorps. »Da dachte ich mir schon, dass ich eh keine Chance habe.« Doch ganz im Gegenteil. Müller konnte Hellinghausen, der auch das Orchester leitete, überzeugen.

Nur eine gemeinsame Probe

In den folgenden Wochen und Monaten übten Orchester und Chor unabhängig voneinander, bis Anfang November die erste gemeinsame Probe in Neuwied stattfand, die gleichzeitig auch die Generalprobe war. »Als wir das erste Mal zusammen mit dem Chor spielten, hatte ich Gänsehaut«, erzählt Müller. Einen Tag später fand die Ur-Aufführung der Messe in der Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus in Vallendar bei Koblenz statt. Und bereits die war ein voller Erfolg. »Vor dem Auftritt habe ich meine Frau noch gefragt: Meinst du, es kommt überhaupt jemand?«, so Müller, »und dann waren auf einmal 700 Leute da, die Kirche ist aus allen Nähten geplatzt«.

Die Chance, das zu sehen, bekommt man nur einmal im Leben

Musiker Oliver Müller

Doch das war nur ein Vorgeschmack für das, was ein paar Tage später in Rom folgen sollte. Freitagnachmittag, 15 Uhr, war die Messe mit Papst Franziskus terminiert. Nur einer fehlte: Der Papst selbst. Ein Grund für sein Fernbleiben wurde den Musikern nicht mitgeteilt, »Wahrscheinlich war er krank«, vermutet Müller. Das eigentliche Ziel war aber ohnehin der Auftritt im Petersdom, sagt er: »Der Papst wäre nur das i-Tüpfelchen gewesen.« Hellinghausen hatte bereits im Vorfeld eine Audienz beim Papst, in der er ihm die Partitur überreichte.

Die Messe fand hinter dem Hochaltar im Petersdom statt. Ein Ort, der Besuchern normalerweise nicht zugänglich ist. »Als wir das erste Mal im Dom standen, war ich sprachlos. Das war ein unglaubliches Gefühl«. Müller wirkt auch Tage später noch immer ergriffen. »Es ist alles noch viel größer als im Fernsehen«, erzählt er. »Die Chance, das zu sehen, bekommt man nur einmal im Leben«.

Grünberger musste schon Autogramme geben

Insgesamt zwei Stunden dauerte die Messe, die das Projektorchester mitgestaltete. »Schön war, dass ein deutscher Priester die Messe gehalten hat.«, sagt der Schlagzeuger. Dem Priester gefiel der Auftritt so gut, dass er die zweite Aufführung der Messe am nächsten Tag in der St. Ignatius-Kirche, einer der größten Kirchen in Rom, ebenfalls besuchte.

Mittlerweile hat sich sein Engagement rumgesprochen. Doch wenn Leute Autogramme von ihm wollen, fühlt sich das für den Grünberger noch immer befremdlich an: »Ich bin doch nur ein ganz normaler Schreiner, der Spaß an Musik hat, keine Berühmtheit.« Manch einer mag das als Kokettieren abtun, Müller wirkt dabei aber durchaus authentisch.

Das gesamte Rom-Projekt jedenfalls sei »pures Abenteuer« gewesen, resümiert er. Gemeinsam mit den anderen Musikern habe man viel Spaß gehabt, obwohl man sich zunächst völlig fremd gewesen sei. Die Eindrücke aus Rom zu verarbeiten dauere noch einige Zeit, da ist sich Müller sicher. »Solch ein Erlebnis vergisst man nie mehr.«

Info

Egerländer Schmankerln

Die Egerländer Schmankerln unter der Leitung von Oliver Müller sind ein Blasorchester, das sich der böhmischen Blasmusik widmet. Dieses Jahr pausierte Müller mit seinem Orchester. Am 7. April 2018 geht es aber mit einem Auftritt in der Gallushalle in Grünberg weiter.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Heiligtümer
  • Messen
  • Musizieren
  • Orchester
  • Papst Franziskus I.
  • Petersdom
  • Päpste
  • Schlagzeuger
  • Schmankerln
  • Grünberg
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos