21. Januar 2019, 05:00 Uhr

Grube Fernie

Grube Fernie in Linden: Immer wieder blitzt der Streit auf

Noch in diesem Monat soll die Entscheidung fallen, ob gut 100 Meter des Spazierwegs an der Grube Fernie zum Schutz der Natur wegfallen. Sollte es dazu kommen, bietet sich vor allem ein Zeitpunkt an.
21. Januar 2019, 05:00 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
Ein 110 Meter langes Teilstück an der Grube Fernie soll zum Schutz der Natur wegfallen. Am 30. Januar könnte in dieser Frage die Entscheidung im Lindener Bauausschuss fallen. (Foto: srs)

Gerade einmal 20 Meter waren zurückgelegt, da wurde es hitzig. Der ehemalige Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz hob die Hand – und hielt fest: »Was hier passieren soll, wäre ein Eingriff in die Natur.« Wie wolle man das rechtfertigen? »Das ist kein Eingriff«, hielt Holger Brusius von Hessen Forst entgegen. »Das sagen Sie«, sagte Lenz – woraufhin Brusius widersprach: »Nein, das sagt das hessische Naturschutzrecht. Es geht um eine Pflegemaßnahme, die Natur wird dadurch nicht nachhaltig gestört.«

 

Arbeiten außerhalb der Brutzeit

Der Streit um die Pläne an der Grube Fernie geht in die entscheidende Runde. Am 30. Januar diskutieren die Lindener Fraktionen im Bauausschuss über das geplante Vorhaben, die Oase mitten in Linden stärker zu schützen. Spaziergänger, Radfahrer und Jogger sollen zukünftig von einem gut 100 Meter langen Bereich des Naturschutzgebiets ferngehalten werden. Am Samstag informierten sich die Abgeordneten und Bürger vor Ort über die Pläne. »Es soll keine Diskussionsveranstaltung werden«, appellierte Bürgermeister Jörg König zu Beginn. Doch der Zoff, der auch den Bürgermeisterwahlkampf prägte, blitzte immer wieder auf. Der Blick auf die Grube Fernie durch Büsche und Bäume solle doch auch trotz einer Verlegung des Teilstücks weiterhin möglich sein, merkte Lenz (CDU) einmal an. Ziel sei, den Tieren Ruhezonen zu gewähren, antwortete Brusius von Hessen Forst – und die SPD-Abgeordnete Silva Lübbers rief aus: »Mensch Uli. Es geht doch um das Viehzeug, das geschützt werden soll.«

Bekannt wurde am Samstag auch der mögliche Zeitpunkt der Verlegung des Wegs, sollte sich das Stadtparlament dafür entscheiden. August und September dieses Jahres kämen in Frage, sagte Ulrike Brockerhoff vom Regierungspräsidium. »Das wäre außerhalb der Brutzeit, und in der Zeit ist es weitgehend trocken.«

 

Kosten liegen bei maximal 10.000 Euro

Die Neuverlegung des Wegs würde 6000 bis 8000 Euro kosten, die Einrichtung von maximal drei zusätzlichen Flachwasserzonen würde 1500 bis 2000 Euro in Anspruch nehmen. Die Stadt müsste die Maßnahme nicht bezahlen. »Es kann zu 100 Prozent vom Regierungspräsidium gefördert werden«, sagte Brockerhoff.

Bei den Plänen, betonte Brusius, handle es sich um eine »freiwillige Maßnahme«. Denn die Gewässerqualität der Grube Fernie sei gut, die Vegetation unter Wasser gar außergewöhnlich. »Es wurden Proben entnommen und seltene Pflanzen mit besonderem Wert entdeckt.« Dies sei insbesondere den Anglern des ASV Großen-Linden zu verdanken, die die Grube Fernie »zurückhaltend« nutzten.

Die Population der Vögel, Insekten und Amphibien über Wasser allerdings sei »unterrepräsentiert«, erklärte Brusius, »um es vorsichtig zu sagen.« Hier schöpfe die Grube Fernie ihr Potenzial noch nicht aus. Daher wolle man auf dem gut 100 Meter langen Teilstück Ruhezonen einrichten, um die Tiere vor Spaziergängern zu schützen.

 

Frage um Wasserentnahmestelle

Im Jahr 2017 habe hessenweit das einzige Pärchen an Rothalstauchern am Ufer der Grube Fernie gebrütet, sei dann aber gestört worden und habe die Brut abgebrochen. »Man muss ergänzen, dass es damals keine gewöhnlichen Spaziergänger waren, sondern Vogelbeobachter.«

30 bis 40 kleinere Bäume würden durch die Maßnahme wegfallen. Auch eine Aussichtsplattorm soll eingerichtet werden. »Da wird aber keine Hütte stehen. Das wird ein kleines Podest«, sagte Brusius. An der Grube Fernie gibt es eine Wasserentnahmestelle für die Feuerwehr, die in dem Bereich liegt, der verlegt werden soll. Ob diese Entnahmestelle zukünftig gebraucht wird, sei noch zu klären, sagte Bürgermeister König.

Im Juni hatte die Koalition aus SPD, Freien Wählern, Grünen und FDP für die Planung der neuen Wegführung gestimmt. Die CDU hatte sich der Stimme enthalten.



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