07. Juni 2017, 21:55 Uhr

»Große Klappe und nichts dahinter«

07. Juni 2017, 21:55 Uhr

Wenn Angeklagte sich vor Gericht äußern, klingt das erst mal positiv. Es kann aber auch die Verwirrung vergrößern. Der 35-Jährige, der sich wegen schweren Raubes vor der Neunten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts verantworten muss, erzählt zwar jede Menge, bestreitet jedoch die Tat. Stattdessen schiebt er den brutalen Überfall auf ein studentisches Pärchen in Heuchelheim im vergangenen September zwei erst 19-jährigen Bekannten in die Schuhe. Die in seiner Wohnung gefundenen Beutestücke erklärt er mit dem »Fehler«, später etwas von dem Diebesgut gekauft zu haben (die GAZ berichtete). Die Jugendlichen behaupten, von dem Angeklagten mit diesem Verbrechen beauftragt worden zu sein. Und eine ominöse Facebook-Nachricht an das Opfer erweckt den Verdacht, dass Drogengeschäfte der Auslöser für die Tat gewesen sein könnten. Allerdings wurde in der Wohnung des 22-Jährigen und seiner Freundin kein Rauschgift gefunden. Der Student hatte auch bestritten, in Drogengeschäfte verwickelt zu sein.

Am Mittwoch unterbrach Vorsitzender Richter Dr. Klaus Bergmann den Redefluss des Angeklagten gleich zu Verhandlungsbeginn. »Sie reden viel zu schnell, man kann kaum zuhören.« Das musste die Kammer aber auch nicht – zumindest nicht ausschließlich. Es waren noch andere Zeugen geladen. Unter ihnen die Ex-Verlobte des sehr klein gewachsenen 35-Jährigen. Die war eigenen Angaben zufolge überrascht von den großen Mengen Bargeld – mehrere Tausend Euro – und Drogen, die Ermittler in der Wohnung des Heuchelheimers gefunden hatten. Sie, die nie im Verdacht stand, etwas mit dem Überfall zu tun zu haben, bescheinigte ihrem früheren Partner, zwar eine »große Klappe«, aber es sei »nichts dahinter«. Möglicherweise auch beruhigend für sie selbst. Denn: Seit der Heuchelheimer sich in Untersuchungshaft befinde, erhalte sie von ihm »Terrorbriefe«. Der Vorsitzende ermahnte den Angeklagten, der solle aufpassen, sonst riskiere er eine weitere Straftat.

Ein anderer Zeuge schilderte, der Angeklagte habe vor der Tat angekündigt, ein »großes Ding« zu machen. Ermittler kamen dem 35-Jährigen auf die Spur, weil er mit dem gestohlenen Personalausweis des Opfers ein Auto gemietet haben soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

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