08. Mai 2018, 22:22 Uhr

Grenzen überwinden

08. Mai 2018, 22:22 Uhr
Vielfach prämiert: Die weißrussische Folkloregruppe Brestschanka hat viele internationale Preise gewonnen. Am 19. und 21. Mai treten die Musiker und Tänzer in Hungen und Kloster Arnsburg auf. (Archivfoto: tr)

In die neue Schäferwagen-Herberge in Nonnenroth werden am Donnerstag vor Pfingsten ganz besondere Gäste einziehen: die Sänger und Tänzer der weißrussischen Folkloregruppe Brestschanka. Sie kommen vom 18. bis zum 22. Mai für zwei Auftritte nach Oberhessen. Zu erleben sind sie im Rahmen der Hungener Europawoche und beim Pfingstgottesdienst des ev. Dekanats Hungen in Kloster Arnsburg.

Die Freundschaft zwischen der Folklore-Formation und der Weißrusslandhilfe der ev. Kirchengemeinden Nonnenroth und Villingen reicht zurück bis ins Jahr 1992. Damals organisierte die Weißrusslandhilfe ihren ersten Hilfstransport in die von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schwer getroffenen Region Pinsk an der Grenze zur Ukraine. Erst im Jahr zuvor hatte sich die einstige Sowjetrepublik Weißrussland für unabhängig erklärt. »Wir waren mit die ersten Deutschen, die dorthin reisten«, erinnert sich Pfarrer Hartmut Lemp. Entsprechend groß sei der Empfang ausgefallen. Zum Programm gehörte auch ein Auftritt von Brestschanka. Anschließend habe man die Mitglieder einfach angesprochen, erzählt Lemp. Und man verstand sich. »Es war Liebe auf den erste Blick.«

Die Gruppe wollte den Einsatz für strahlenkranke Kinder gerne unterstützen. So kam es zur ersten Reise von Brestschanka nach Nonnenroth und Villingen, der viele weitere folgten. Zehnmal sei die Formation mittlerweile in Deutschland aufgetreten. »Ihre Musik berührt die Menschen«, weiß der Pfarrer. Auch außerhalb Hungens habe Brestschanka viele Freunde gefunden. In Treis/Lumda und in Schotten gebe es regelrechte Dependancen der Weißrusslandhilfe.

Doch es sei schwieriger geworden, den Austausch mit einer so großen Gruppe zu organisieren. Die Grenzen sind höher geworden«, bedauert der Pfarrer. Die innenpolitische Lage und die strengen Abkommen der Schengener Staaten ließen es lang fraglich erscheinen, ob Brestschanka überhaupt ausreisen kann. Erst Anfang Mai kam die ersehnte Nachricht: »Wir dürfen kommen!«

Die Gruppe will nun mit ihrem Auftritt all jenen danken, die nach der Tschernobyl-Katastrophe geholfen haben und ihrem Land trotz aller politischen Spannungen die Treue halten. »Besonders in Anbetracht der schwierigen politischen Verhältnisse in Weißrussland brauchen wir die Volksdiplomatie«, sagt Lemp. »Und wir sind mit Theodor Heuss überzeugt: ›Man kann mit Politik keine Kultur machen, aber mit Kultur Politik‹.«

Besonders freut sich der Pfarrer über die Teilnahme der Gruppe am Pfingstgottesdienst in Kloster Arnsburg. Lemp will über die Überwindung von Grenzen predigen. Und anschließend werden die Mitglieder von Brestschanka als leibhaftige Pfingstbotschafter auf der Bühne des Dormitoriums stehen.

Termine – Auftreten wird Brestschanka im Rahmen der Europawoche am Freitag, dem 18. Mai, um 19 Uhr in der Europawoche in der Hungener Stadthalle und am Pfingstmontag, dem 21. Mai, um 11 Uhr in der Stiftsruine von Kloster Arnsburg. Der Eintritt ist kostenlos und daher besonders auch für Familien mit Kindern geeignet.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Klöster
  • Pfarrer und Pastoren
  • Pfingsten
  • Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
  • Sänger
  • Theodor Heuss
  • Tänzer
  • Hungen
  • Ursula Sommerlad
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos