26. April 2018, 22:16 Uhr

Gräueltaten im Gleiberger Land

26. April 2018, 22:16 Uhr
Epitaph von Georg Dietrich Holzapfel in der Rodheimer Kirche. (Foto: ws)

Zur Eröffnung der Sonderausstellung »Der Dreißigjährige Krieg« lädt der Heimatverein Rodheim-Bieber am Sonntag, 6. Mai, um 17 Uhr ins Heimatmuseum Rodheim ein. Der Schwerpunkt liegt auf dem Geschehen im Gleiberger Land. Mit dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 begann vor 400 Jahren der bis dahin schrecklichste Krieg auf deutschem Boden. Der kriegerische Konflikt von 1618 bis 1648 wurde größtenteils auf deutschem Gebiet ausgetragen. Seine Brutalität, die lange Dauer, das unsägliche Leid der Zivilbevölkerung, die Hungersnöte und Seuchen stellten alles bis zu diesem Zeitpunkt dagewesene in den Schatten. Ganze Landstriche wurden entvölkert. Die 1635 ausgebrochene Pestepidemie forderte wohl mehr Todesopfer als die kriegerischen Auseinandersetzungen.

Angst vor marodierenden Soldaten

Da der Dreißigjährige Krieg aufgrund der Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht mehr den Stellenwert wie einst im öffentlichen Bewusstsein einnimmt, ist es ein wichtiges Anliegen der Veranstaltungsmacher, das Wissen über die Gräueltaten zu bewahren. Gerade in den letzten Kriegsjahren im sogenannten »Hessenkrieg« hatte das Gleiberger Land, insbesondere die Orte Königsberg und auch Gleiberg, besonders unter den Kriegswirren zu leiden. Der Heimatforscher Ernst Schmidt weist in seinem Buch »Rodheim an der Bieber« auf die Situation in Rodheim hin: »In dieser schweren Zeit mussten die Einwohner in den Dörfern des Gleiberger Landes des Öfteren flüchten. Die Männer trieben ihr Vieh in die Wälder zum Schutz vor den marodierenden Soldaten. Die Frauen und Kinder flohen hinter sichere Burgmauern.« Schmidt berichtet auch von den finanziellen Schäden der Rodheimer Einwohner während des Krieges.

Erinnerungen an das alte Rodheim

Interessant ist auch, dass der Besitzer des Vetzberger Hofes, Justus Sinhold, genannt Schütz, als Gesandter von Georg II. von Hessen-Darmstadt an den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden teilnahm. Ein weiterer Biebertaler ist zu erwähnen: Der Vetzberger Ganerbe Georg Dietrich Holzapfel, der sein Familien-Epitaph schon zum Tode seiner Frau Walburga Zeitlosa von Büches 1620 in der Rodheimer Kirche auch mit seinem Konterfei errichten ließ. 1635 flüchtete er vor der Pest (der schlechten Luft) nach Marburg und starb dann an der Pest. Er wurde in der Elisabethkirche beigesetzt. Die Sonderausstellung zeigt auch Gebäude in Rodheim und Bieber, die bereits vor oder während des Dreißigjährigen Krieges gebaut wurden.

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