14. Oktober 2019, 21:23 Uhr

»Gott, ich nemm dich aach uff«

14. Oktober 2019, 21:23 Uhr
Für ökumenische Vielfalt treten Pfarrer Hampel, Pastor Zymna, Martina Philipp, Pfarrer Wunderle und Ulrike Sgodda-Theiß (v. l.) mit Chor ein. (Foto: ab)

Was man mit dem Grünberger Gallusmarkt vor allem verbindet, hängt bestimmt vom Alter ab, in dem man erstmals mit diesem Ereignis konfrontiert wurde. Vielleicht war es das Kinderkarussell, die »Bobbekist«, der Laternenumzug oder die Disconacht und der Bockbierabend? Vielleicht aber auch die Tierschau, der Krämermarkt und der Kneipenrundgang. Für Björn Zymna, Pastor der Ev. Stadtmission Grünberg, entstand der erste Eindruck aus dem Bericht seines Vorgängers vor acht Jahren.

Dieser erzählte u. a. vom Brauch des Bürstens im Rahmen des Frühschoppens. Nachdem Zymna zunächst eine hygienische Maßnahme für die »Grimmicher« vermutet hatte, wurde ihm bald klar, dass es sich um ein Aufnahmeritual für verdiente Zugezogene handelt. Die Frage, ob Gott so ähnlich handelt und zu den Menschen »Ich nemm dich uff!« sagt, stand im Mittelpunkt des ökumenischen Gottesdienstes am ersten Gallusmarktsonntag in der Stadtkirche.

Was Ökumene in Grünberg bedeutet, erläutert Zymna: eine Zusammenarbeit der katholischen Kirchengemeinde, vertreten durch Pfarrer Clemens Wunderle, die evangelische Kirchengemeinde (Pfarrer Eberhard Hampel), die Selbstständige Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), aufgrund der Vakanz der Predigerstelle vertreten durch Martina Philipp, und eben der Evangelischen Stadtmission. Auch im Chor, der den Gottesdienst unter der Leitung von Ulrike Sgodda-Theiß mitgestaltete, spiegelte sich die ökumenische Vielfalt wieder. In seiner Predigt stellte der katholische Pfarrer Wunderle zunächst dar, wie wichtig es für Menschen ist, zu einer Gemeinschaft zu gehören und wie kleine Zeichen oder Symbole dies bestätigen können.

Als Gegenpart zur »Grimmicher« Bürste hatte er einen großen Schlüssel dabei. Das ist im Neuen Testament das Symbol dafür, dass Gott den Menschen Türen öffnet und sie willkommen heißt. So weit auseinander liegen diese himmlische Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich am Gallusmarkt ausdrückt, nicht, so Wunderle. In beiden Fällen sei es nötig, das Angebot anzunehmen. Wenn der Schlüssel im biblischen Sinne zur »Waffe« der Christen werde, wenn Freundlichkeit, Vergebung, Dank und Offenheit die Begegnungen prägten, dann könnten sie zur Heimat werden. »Und so, wie ein Grünberger seine Heimat auch nach außen hin vertritt, tut dies auch ein Kind Gottes«, so Wunderle weiter. Zum Abschluss hob er hervor, dass es wichtig sei, auf das Angebot zu antworten, in Grünberg vielleicht mit »Gott, ich nemm dich aach uff!«

Ein Solo von Arndt Roswag (»You’ll never walk alone«), ökumenische Fürbitten, ein gesungener Segenswunsch und schließlich die Begegnungsmöglichkeiten im Anschluss gehörten ebenfalls zum ökumenischen Gottesdienst für »Gallmärtsdäppeler«.

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