05. November 2018, 22:12 Uhr

»Gleichberechtigte Teilhabe«

05. November 2018, 22:12 Uhr
Sie feiern 25 Jahre Kreisausländerbeirat im Landkreis Gießen: (v. l.) Markéta Roska, Anita Schneider, Werner Döring, Françoise Hönle, Enis Gülegen und Tim van Slobbe.

»25 Jahre Kreisausländerbeirat – 25 Jahre gleichberechtigte Teilhabe«, so umriss Landrätin Anita Schneider die Bedeutung des Gremiums bei der Jubiläumsfeier am Sonntag in Lich. Freunde und Wegbegleiter hatten sich in der Kinokneipe »Statt Gießen« versammelt, um die Geschichte des Kreisausländerbeirats Revue passieren zu lassen. Zuvor hatte Kabarettist Muhsin Omurca die Gäste im Kino »Traumstern« auf die Jubiläumsfeier eingestimmt.

Die Landrätin bezeichnete den Ausländerbeirat als wichtigen Aktivposten kommunaler Demokratie. Ihn 1993 zu gründen, sei politischer Wille gewesen, und dieser Wille trage ihn bis heute. Schneider erinnerte an 25 Jahre Mitbestimmung und Mitgestaltung. Der Ausländerbeirat sei gut vernetzt. Er habe sich gegen Rassismus und Diskriminierung klar positioniert, betonte die Landrätin. Sie rief dazu auf, sich weiterhin für ein kommunales Wahlrecht für Drittstaatler einzusetzen.

Istayfo Turgay (Dezernent für Integration, Antidiskriminierung und Teilhabe) erinnerte an die Bestrebungen, eine Antidiskriminierungsstelle zu schaffen. Enis Gülegen (Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen/AGAH) benannte die generell schwierigen Arbeitsbedingungen der Ausländerbeiräte. Er warnte davor, dem Aufkommen des Rechtspopulismus nicht genügend Beachtung zu schenken. Von alleine werde sich das Problem nicht lösen, sagte Gülegen. Er betonte den Kampfeswillen der Ausländerbeiräte. Sie seien tragende Säule bei der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung.

Werner Döring (ehemaliger Ausländerbeauftragter) kann sich gut an die Gründung des Gießener Beirats erinnern. 1993 lebten 21 000 Ausländer im Landkreis Gießen – Menschen aus 137 Staaten. Ungefähr die Hälfte von ihnen war bereits seit mehr als zehn Jahren hier, viele sogar mehr als 20 Jahre. Erster Vorsitzender des Gremiums war damals Dr. Ali Alavi. Seine Nachfolgerin Françoise Hönle sah ihren Schwerpunkt in der Bildungsarbeit und in der Betreuung von Flüchtlingen. »Integration darf keine Einbahnstraße sein,« sagte Hönle.

Seit 2010 ist Tim van Slobbe Vorsitzender des Ausländerbeirats. Er lobte die überparteiliche Arbeit des Gremiums und die Bestrebung, stets zu einer Lösung zu kommen. »Wenn wir das schaffen, müsste die Weltgemeinschaft das eigentlich doch auch schaffen können,« meinte van Slobbe.

Kabarettist Omurca eröffnete die Jubiläumsfeier mit einem witzigen und tiefgründigen Programm. Bei seinem Sprachkurs vor 30 Jahren in Frankfurt haderte er – inzwischen »staatlich geprüfter Deutscher« – vor allem mit den deutschen Artikeln »der, die, das«. In der türkischen Sprache gibt es nichts Vergleichbares. Mit einem Augenzwinkern beschrieb er die Oper als einen Rückzugsort für Bio-Deutsche. Sein Resümee aus dem mit »Integration à la Ikea« überschriebenen Programm: »Wir brauchen Vielfalt!« Gleichmacherei habe es mit den bekannten Folgen ja schon einmal gegeben.

Für Lacher sorgte sein Vorschlag, den deutschen Kindern als Kuscheltier einen »Kuscheltürken« zu geben. Ginge man darauf ein, könnte das Problem der Integration in zehn Jahren gelöst sein, meinte der Kabarettist. (Foto: hin)

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