22. Mai 2018, 22:43 Uhr

Glänzender Saisonauftakt

22. Mai 2018, 22:43 Uhr
Samuel Selle, Lion Hinnrichs und Christoph Callies überraschen mit einer Uraufführung.

Ein bezauberndes Musikerlebnis genossen die Besucher der Reihe »Musik und Sprache« am Sonntag auf der Hessenbrückenmühle. Das Trio Adorno sorgt mit seiner prickelnden, hochengagierten Wiedergabe der Werke von Haydn, Schumann und Arensky für einen glänzenden Saisonauftakt im ehemaligen Pferdestall.

Wie immer herrschte fröhliche Spannung, als Veranstalterin Dr. Evelyn Sachsenberg das Publikum zur 16. Saison im voll besetzten Saal begrüßte. Sie gab zunächst eine Vorschau auf kommende Genüsse.

Haydn hinreißend interpretiert

Das Publikum scharrte schon etwas mit den Füßen, als das Trio Adorno die Bühne betrat, zuvor hatte Pianist Lion Hinnrichs (»Der Name unseres Trios bezieht sich auf das Wirken Adornos in der modernen Musik«) noch sehr charmant eine wissenswerte Einführung ins Repertoire gegeben. Allerdings ließen Samuel Selle (Violine), Hinrichs und Christoph Callies am Cello sämtliche ungeduldigen Stirnfalten sogleich verschwinden. Ihre hinreißend schwungvolle Wiedergabe von Haydns Trio e-Moll für Klavier, Violine und Violoncello in drei Sätzen nahm das Publikum sofort für sich ein. Es zeigte sich ein Charakteristikum des Ensembles – eine persönlich engagierte, vollkommen geschlossene Ausführung. Ebenso auffällig war die Spielfreude der jungen Musiker. Mit himmlischem Wehen und intensiver Spielweise zu Beginn, einer fröhlichen Abwechslung musizierten sie den ersten Satz. Später ruhiger, mit wunderbarem Schmelz, gefolgt von kraftvollen Akzenten, kam man schließlich im dritten Satz zum ersten Höhepunkt: prickelnd und mitreißend tänzerisch.

Robert Schumanns Trio Nr. 3 g-Moll für Klavier, Violine und Violoncello, op. 110 erweiterte das emotionale Spektrum. Nach kurzem träumerischen Auftakt brachen sogleich wuchtige Anklänge von Zerrissenheit an, gefolgt von betörenden, intensiv emotionalen Klängen des attraktiven Werks. Schnell fliegende Stimmungswolken, dann folgte ein Gewitter. Höhepunkt war der zweite Satz mit seiner plötzlichen Intensivierung. Sodann druckvolle dramatische Elemente und Zwischenapplaus nach dem Dritten. Am Ende ein vielfarbiges Aufschwingen, diffizile tanzbare Elemente, großes harmonische Feuer und Schmachten.

Auch Anton Arenskys Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 d-Moll in drei Sätzen mit seinem wunderbar traurigen Thema ließ keinerlei nachlassende Intensität und Hingabe spüren. Auch hier standen sich eine liebliche Violine, weitere solistische Passagen und ein massiver Trioeinsatz dramaturgisch klug gegenüber. Insgesamt eine fast wehmütige Dramatik; zwischendurch elegantes Schwingen mit echtem Schmäh. Höhepunkt war der Dritte mit einer Violine von himmlischer Süße und Zartheit und ein wunderbar sensibel gestalteter Ausklang. Zum Schluss feurige Tutti, wenn die Gefühle sich wuchtig Bahn brechen und wahre Klanggebirge sich auftürmen. Dafür gab’s den stärksten Applaus. »Nach all dem Kampf und der Leidenschaft« (Hinnrichs) folgte als Zugabe eine selbst geschriebene Variante für Klaviertrio von J. S. Bachs »Schafe können sicher weiden«. Uraufführung! Noch mehr Beifall. Die jungen Gäste strahlten. (Foto: kdw)

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