24. Oktober 2018, 20:33 Uhr

Gießener Ruderermarsch ertönt in Lollar

24. Oktober 2018, 20:33 Uhr
Oberstleutnant Tobias Terhardt dirigiert das Heeresmusikkorps Kassel im ausverkauften Bürgerhaus Lollar. (Foto: vh)

Selten hat das Bürgerhaus in Lollar so viele Besucher gesehen wie beim Wohltätigkeitskonzert des Heeresmusikkorps Kassel. Oberstleutnant Tobias Terhardt moderierte charmant und zuverlässig. Die Militärmusiker sind Profis, sie haben mindestens vier Jahre im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr gelernt. Mit der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf gibt es eine Kooperation. Mit dabei war übrigens ein junger Mann aus Oberhessen: Marius Müller, der Schlagwerker und Xylofon-Spezialist vom Blasorchester des Musikvereins Reiskirchen. Er dient zurzeit in Kassel.

Die riesengroße Publikumsbeteiligung hat den Veranstalter überrascht. Dabei sollte die langjährige Reihe der Benefizkonzerte für die Jugendarbeit der Lollarer Vereine ab 2018 ursprünglich für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt werden. Horst Watz wollte sich aber mit dem schon angekündigten Ende nicht abfinden und organisierte quasi als Geheimtipp die Heeresmusiker. Diese kamen mit einem Mannschaftsbus und Material-Lkw, legten los, nahmen die »Hürde« Lollar locker mit Bravour, übertrafen sich beinah selbst und erhielten ohne Zögern stehenden Schlussapplaus. Ein musikalisches Großereignis, das es fast nicht gegeben hätte: undenkbar.

Hinzu kommt, dass man den Gießener Ruderermarsch vortrug. Den hatte Carl Krause Ende des 19. Jahrhunderts für die Gießener Rudergesellschaft komponiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Partitur zerstört. Ernst Krause hatte die Noten aus der Erinnerung heraus neu arrangiert. Das Blasorchester Reiskirchen hatte den wieder entdeckten Marsch schon zu Gehör gebracht. Die Gießener hatten aber den Wunsch geäußert, das Musikkorps möge mal in Gießen damit loslegen. Nun erklang dieser Herzenswunsch ersatzweise in Lollar.

Schmissiges Werk

Tobias Terhardt wusste, das sei ja nicht weit weg von Gießen. Seinerzeit habe jeder Gießener Junge den Ruderermarsch gekannt. Auch das erzählte er. Kurz und schmissig machte sich das Werk auf der Bühne breit. Svenja Borgstädt an der Querflöte verschönerte die »Carmen-Fantasie« von Francois Borne über Themen aus Bizets Oper »Carmen«. Sie erntete Bravo-Rufe und Sonderbeifall. Ähnlich den heimischen Blasorchestern aus Lollar und Staufenberg bedienen die Profis ein breites Spektrum, Marschmusik ist dabei der Grundstock.

Das Orchester hatte auch die Ouvertüre zur Operette »Die Fledermaus« mitgebracht, außerdem eine sinfonische Blasmusik: »Hymn to the Sun« des japanischen Komponisten Satoshi Yagisawa und Popularmusik: »Highlights from Riverdance« sowie eine musikalische Glückwunschadresse nach Bochum mit Melodien aus »Starlight Express«. In der Ruhrgebietsstadt läuft das Musical bereits 30 Jahre lang. Mit der Zugabe »Alte Kameraden« kann jedes Orchester die Lollarer um den Finger wickeln. Einfach fantastisch.

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