04. Januar 2017, 19:34 Uhr

Geschichten ohne Verfallsdatum

Hüttenberg (bf). Ein Team von fünf historisch Interessierten hat die Geschichte der Heimatvertriebenen in Hüttenberg aufgearbeitet. Das Buch »Neuanfang in Hüttenberg« wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt und ist ein weiterer Bestandteil der Reihe »Unterwegs in der Geschichte«. Als Hauptautorin hatte Gemeindearchivarin Christiane Schmidt, die in der Präsentation auch auf die Entstehung des Buches einging, die umfassende Dokumentation erarbeitet. Darin geht es um das Schicksal von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, wie sie diesen dramatischen Wendepunkt in ihrem Leben bewältigt und wie die Menschen in Hüttenberg diese Zeit erlebt haben.
04. Januar 2017, 19:34 Uhr
Die Autoren (v. l.) Dieter Willert, Johannes Weil, Michael Breuer und Christiane Schmidt mit Bürgermeister Heller. (Foto: bf)
Hüttenberg (bf). Ein Team von fünf historisch Interessierten hat die Geschichte der Heimatvertriebenen in Hüttenberg aufgearbeitet. Das Buch »Neuanfang in Hüttenberg« wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt und ist ein weiterer Bestandteil der Reihe »Unterwegs in der Geschichte«. Als Hauptautorin hatte Gemeindearchivarin Christiane Schmidt, die in der Präsentation auch auf die Entstehung des Buches einging, die umfassende Dokumentation erarbeitet. Darin geht es um das Schicksal von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, wie sie diesen dramatischen Wendepunkt in ihrem Leben bewältigt und wie die Menschen in Hüttenberg diese Zeit erlebt haben.
Bürgermeister Christof Heller erinnerte daran, dass in den damals acht Dörfer zusammen mehr als 2200 Menschen aufgenommen wurden. Die Geschichten beschrieben, was Männer, Frauen, Kinder, Familien hätten aufgeben, erleiden und leisten müssen, um ihr Leben hier weiterführen zu können, wenn es auch ganz anders war als das, was sie hinter sich ließen. Es sind Geschichten von Toleranz und Miteinander, die das Autorenteam uns mit ihrem Buch erzählt. Diese Geschichten haben kein Verfallsdatum, sie haben heute denselben Stellenwert wie vor 70 Jahren«, betonte Heller. Die Voraussetzungen seien 1946 denkbar schwierig gewesen: Selbst vom Krieg ausgezehrt und oftmals Mangel leidend, waren die Hüttenberger gezwungen, ihren Wohnraum fortan mit den Neuankömmlingen zu teilen. Auf engstem Raum gemeinsam zu leben und dabei die Unterschiede in Kultur, Dialekt, Religion und Wesensart respektieren zu lernen, war eine Herausforderung, von der man sich heute kaum vorstellen können, wie die Menschen sie damals bewältigten. Und dennoch sei es in den allermeisten Fällen auf beiden Seiten gelungen, Toleranz zu üben, mit den Anfangsschwierigkeiten fertig zu werden und gemeinsam Neues aufzubauen.
»Sie haben sich integriert, und die einheimische Bevölkerung hat ihrerseits in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung erfahren«, betonte Heller. Er dankte den Autoren Christiane Schmidt, Michael Breuer, Christa Schleifenbaum, Dr. Johannes Weil und Dieter Willert für die monatelange Arbeit an diesem Projekt. Diese Arbeit sei ein Ausdruck des Respekts für die Menschen, die damals selbst im Mittelpunkt des schicksalhaften Geschehens standen, und eine Anregung für die nachfolgenden Generationen. »Dieses Buch erinnert uns an unsere Verantwortung für die Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft und an unsere Fähigkeit, voneinander zu lernen. Es stimmt uns gleichzeitig zuversichtlich, denn wir erkennen, dass ein Neuanfang immer möglich ist.«
Christiane Schmidt war es wichtig, mit dem Buch komplexe Fakten verständlich zu erklären. Sehr hilfreich sei die Zusammenarbeit mit einer 10. Klasse der Gesamtschule Schwingbach gewesen, die einen wichtigen Beitrag zur Recherchearbeit beigetragen hätten. Umrahmt wurde der Abend vom Musikverein Reiskirchen, der auch von vielen Heimatvertriebenen mitgegründet worden war. Weil und Max vom Stein hatten mit Willi Stingl, Hanneliese Heller, Edeltraud Timmermann, Herbert Althen und Stefan Skorvan Zeitzeugen befragt. Michael Breuer hatte einige Passagen aus einem Briefwechsel von 1946 vorgelesen, der einen handfesten Eindruck weitergab, wie sich damals die Geschichte ereignete. Zudem hatte er eine Bilderschau erarbeitet mit Aufnahmen zwischen 1946 und den frühen 50er Jahren.

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