01. April 2019, 09:00 Uhr

Altbausanierung

Geplantes Beratungszentrum bleibt keine Bauruine

In einem von Grünbergs ältesten Häusern soll ein Altbauberatungszentrum entstehen. Das Projekt geriet wegen ungeklärter Fragen ins Stocken. Nun geht es voran.
01. April 2019, 09:00 Uhr
Baustelle Barfüßergasse in Grünberg: Bald vier Jahre nach Vorstellung der Pläne des Kreises, hier ein Altbauinformationszentrum (»Albiz«) zu schaffen, ist etwas zu sehen, wurden erste Arbeiten ausgeführt. Richtig los mit der Sanierung geht es aber erst nächstes Jahr. (Foto: tb)

Das Altbauinformationszentrum, kurz Albiz, ist seit 2015 im Gespräch. Damals entwickelte der Kreis die Idee einer Anlaufstelle für all jene, die ihr altes Haus sanieren möchten. Ein Beitrag wider die Leerstände in den Ortskernen, auch wider die Zersiedlung der Landschaft. Als »Anschauungsmaterial« wurde man in Grünberg fündig. Die Wahl fiel auf eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt, anno 1440 hatten es fleißige Zimmerer aufgeschlagen. Nur stand das Anwesen Barfüßergasse 3-5 seit Jahren leer, hat an ihm der Zahn der Zeit genagt.

Kreis und Kommune vereinbarten damals eine Kooperation: Grünberg erwarb Ende 2015 für 25 000 Euro die Liegenschaft, stellte es als Sitz des Albiz zur Verfügung. Sorgte auch für die Aufnahme ins Sanierungsgebiet, winkte so doch eine im Idealfall 75-prozentige Förderung.

Wesentlicher Punkt der Vereinbarung war, dass Denkmalschutz, Bund und Land die damals auf gut 500 000 Euro geschätzte Instandsetzung fördern. Um zusätzlich benötigte Mittel zu generieren, wurde ein Verein gegründet, der um Spenden und Sponsoren werben und als Betreiber fungieren soll. Vor gut einem Jahr jedoch tat sich eine hohe Hürde auf: Das Finanzamt verweigerte ob des gewerblichen Charakters der Bauherrenberatung die Gemeinnützigkeit. Doch konnte die Hürde genommen werden, blieb die Stadt Grünberg nicht – wie Skeptiker anfangs befürchtet hatten – auf einer Bauruine sitzen. Die Steuerfrage, verlautete im März 2018 aus dem Kreishaus, habe geklärt werden können, der Abschluss der Verträge mit der Stadt stehe an.

Ein Jahr ist seither ins Land gegangen, jetzt aber tut sich endlich was, sind Handwerker in der Barfüßergasse zu sehen, die Arbeiten zur Sicherung des Gebäudes ausgeführt haben.

Wie es auf Nachfrage aus dem Kreishaus hieß, hat das im Herbst beauftragte Architekturbüro Jungherr die Planungen übernommen. Im Dezember und Januar hätten dann zunächst Ortstermine mit Fachleuten stattgefunden. Dabei sei es insbesondere um die Standsicherheit gegangen, um das Gebäude für weitere Voruntersuchungen gefahrlos begehbar zu machen.

 

Auch Baubiologie im Fokus

 

In den letzten Wochen wurden so Abstützungen vom Keller- bis Dachgeschoss eingerichtet. Ebenso habe man die historische Bausubstanz freigelegt, um diese näher unter die Lupe zu nehmen. Nach Pressesprecher Dirk Wingender geht es nun vor allem um restauratorische Untersuchungen, Baubiologie und die Prüfung der Grundleitungen. Parallel dazu würden Angebote eingeholt und die Vergabe der Fachplanungen vorbereitet, die im weiteren Fortschritt der Sanierung notwendig werden: Statik, Brandschutz und Haustechnik.

Einen detaillierten Zeitplan konnte der Kreis, dessen Denkmalschutzbehörde hier die Federführung hat, nicht liefern, da noch Vorplanungen liefen und weitere Untersuchungen der Bausubstanz nötig seien. Mit der eigentlichen Sanierung solle es aber in jedem Fall 2020 losgehen. Der Kreis macht somit die Erfahrung fast aller Altbausanierer: Seine ursprüngliche, etwas optimistische Planung, schon dieses Jahr fertig zu werden, geht nicht auf.

Der Förderverein plant derweil verschiedene Aktionen, um die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Regelmäßig soll bei Veranstaltungen über das Vorhaben wie die Beratungsangebote informieren werden. Wingender: »Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Käufer, Kaufinteressierte und interessierte Eigentümer historischer Gebäude zu allen Themen rund um Restauration, Sanierung und Nutzung zu beraten. Dazu zählen auch Finanzierung und Energetik.« Entsprechende Flyer bekommen Interessierte in allen Rathäusern sowie bei der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Kreis.

Der Verein wirbt im Übrigen weiter um neue Mitglieder, denen es ebenso ein Anliegen ist, »die Bewahrung und Neubelebung alter Ortskerne zu unterstützen«.

Info-Kasten

Der Auftrag des "Albiz"

Der Informationsspektrum des Altbau-Beratungs- und Informationszentrums (Albiz) in Grünbergs Barfüßergasse wird breit gefächert sein: Interessierte sollen hier »grundlegendes Wissen zur Bauweise alter Häuser« erhalten, sie sollen sensibilisiert werden für die »besonderen baulichen Bedingungen, die richtigen Methoden und Materialien für Renovierungs- und Ausbaumaßnahmen«. Im Albiz soll es Führungen, Vorträge und Ausstellungen geben, mögliche Themen: »Sachgemäßer Wandaufbau«, »Bauphysik«, »Energetische Sanierung«. Nicht zu vergessen Fragen der Finanzierung und Förderung, unter anderem wenn es um Barrierefreiheit geht.

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