02. April 2019, 22:03 Uhr

Gelebter Traum von Afrika

02. April 2019, 22:03 Uhr

Unterschiedlicher könnten die Motive von Lena Wendt und Ulrich Stirnat kaum sein, im Oktober 2014 mit einem Land Rover zu einer knapp zweijährigen Tour durch Westafrika aufzubrechen: Während Lena schon seit langem reisefreudig und von dem Kontinent begeistert ist, steckt ihr Freund nach einem Burnout in einer Sinnkrise und erhofft sich davon, wieder die innere Mitte zu finden. Ihre Dokumentation »Reiß aus«, die sie am Montag im Kino Traumstern persönlich vorstellten, stieß bei den zahlreichen Besuchern auf überaus positive Resonanz.

Der hohe Aufwand bei der Nachproduktion hat sich gelohnt: Die Aufnahmen bestechen durch Farbfreudigkeit und Kontrastreichtum, für eine authentische Note sorgt Hintergrundmusik lokaler Musiker. Zudem erzeugt der raffinierte Schnitt Tempo und Spannung.

Dabei war zunächst gar nicht klar, dass aus dem umfangreichen Material einmal eine Dokumentation werden sollte – der Entschluss reifte erst nach der Rückkehr: Auf einer Fotoausstellung, mit der sie, wie Wendt in Lich äußerte, dazu beitragen wollten, »dass alle ein bisschen näher zusammenrücken«, erkannte ein Regisseur die künstlerische Qualität der Bilder und gab den Anstoß, einen Film zu produzieren. Damit wollen sie Vorurteile gegenüber dem Kontinent, mit denen sie selbst konfrontiert worden seien, entkräften und den Menschen für ihre Gastfreundschaft auch etwas zurückgeben.

So sammeln Wendt und Stirnat Spenden für Mame Sy, die in Mauretanien den Kinderhort »La Porte de l’Espoire« betreibt und Frauen unterstützt, die von ihren Männern verlassen wurden, dadurch in eine finanzielle Notlage geraten sind. Neben Mauretanien entdeckten die Filmemacher Marokko, Senegal, Guinea Bissau, Gambia und neun weitere Länder. Dabei entstanden freundschaftliche Kontakte, die sie bis heute über Facebook pflegen.

Heikle Situation

Zu den intensiven Begegnungen trug gewiss Wendts unbefangene, natürliche Art bei; ihr Freund wirkt reservierter. Oft drohte ihre Beziehung auseinanderzubrechen, zweifelten sie an der Sinnhaftigkeit ihres Unternehmens. Gut getan habe ihnen eine sechswöchige Trennung, betonte Wendt; wichtig sei das Gefühl gewesen, auch allein klarzukommen.

Während sich manche Reisedokumentationen allzu sehr auf den Aspekt der Selbstfindung konzentrieren, sticht hier hervor, mit welch wachen Augen die Protagonisten politische wie wirtschaftliche Probleme Westafrikas sehen. Als Beispiel führte Wendt die Monokulturen in der Elfenbeinkünste an, für die ein Großteil des Regenwaldes unwiederbringlich abgeholzt worden sei. Hinzu treten Terror und Epidemien – manche Länder mussten sie deshalb gar umfahren.

Zu einer besonders heiklen Situation kommt es in Sierra Leone, dort wird ihnen Geld aus dem Auto gestohlen. Ein Magier erkennt in einer Marktfrau die vermeintliche Diebin. Der Umgang der Einheimischen mit dem Vorfall zeige, wie tief dort traditionelle Kulte verwurzelt seien, bemerkte Stirnat, überdies sei ihm bewusst geworden, was man als Tourist mit kleinen Dingen anrichten könne. Letztlich sei die Sache glimpflich ausgegangen, die Frau musste nichts zurückzahlen.

Wendt und Stirnat wollen mit dem Film Mut machen, eigenen Träumen nachzugehen, »auch wenn man mal auf die Schnauze fallen kann«. Als Kernbotschaft erweist sich die Aufforderung, bewusster zu leben. Er sei »dankbar für alle guten und schlechten Erfahrungen«, die ihm Selbstvertrauen gegeben hätten, resümierte Ulrich Stirnat. Losgefahren sei er mit vielen Ängsten und habe unterwegs gelernt, richtig damit umzugehen.

»Reiß aus« ist vom 4. bis 7. April jeweils um 17 Uhr und vom 8. bis 10. April um 15 Uhr im Kino Traumstern zu sehen.

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