03. September 2019, 21:38 Uhr

Geldkunst aus Zeiten der Not

03. September 2019, 21:38 Uhr

Das Lübecker Holstentor zierte den alten 50-Mark-Schein in den Vor-Euro-Zeiten. Das dürfte vielen noch gut in Erinnerung sein. Aber das Burgenpanorama mit Gleiberg und Vetzberg auf einer Banknote? Oder das (im Krieg zerstörte) Liebig-Denkmal oder das Liebig’sche Laboratorium aus Gießen auf Geldscheinen? Gab es auch!

Vor fast 100 Jahren, in den frühen 1920ern, raste die Inflation in der wenige Jahre jungen Weimarer Republik. Städte und Länder versuchten gegenzuhalten, gaben eigenes Notgeld heraus - so auch Gießen und Wetzlar. Und sie verzierten die Rückseiten der Scheine mit repräsentativen heimischen Motiven.

Der Heuchelheimer Werner Kröck hat eine umfangreiche Sammlung von Notgeld der Inflationszeit zusammengetragen. Die Scheine zeigen unter anderem aus Gießen auch das Alte Rathaus und das alte Schloss, aus der Region zudem Schloss Braunfels, die Ruine Greifenstein am Rande des Westerwaldes, Kloster Altenberg bei Oberbiel, das Renaissanceschloss zu Weilburg, den »Zeppelinfelsen nahe Weilburg an der Lahn oder auch Burg Runkel.

Ein Ei für 70 Milliarden Mark

Der 89-Jährige übergibt jetzt seine Sammlung dem örtlichen Heimatmuseum. Gerhard Kreiling, der neue Vorsitzende des Arbeitskreises Heimatmuseum im Kulturring Heuchelheim, freut sich sehr über die Schenkung, die die Sammlung im ehemaligen Kinzenbacher Bahnhofsgebäude bereichern wird.

Wie war das eigentlich mit dem Notgeld? Das wurde von Städten und Ländern, in manchen Regionen auch von Unternehmen ausgegeben, um die durch Inflation entwertete (oder auch nicht verfügbare) staatliche Währung. Die Inflation in den frühen 1920ern führte zu solch kuriosen Entwicklungen wie Scheinen mit nominellem Millionen-Wert. Kröck nennt noch ganz andere Zahlen: Etwa, dass ein Ei 70 Milliarden Mark kostete und der Stundenlohn eines gelernten Arbeiters 530 Milliarden Mark betrug. Mit der Einführung der Rentenmark Ende November 1923 und dem Umtausch von einer Billion Mark in eine Rentenmark wurde der Hyperinflation Einhalt geboten.

Ehrensache, dass die Schautafeln mit den Banknoten, die Burgen und Denkmäler aus dem mittelhessischen Raum zeigen, am kommenden Sonntag beim Tag des offenen Denkmals ausgestellt werden.

Das gesamte Programm, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für kommenden Sonntag bundesweit koordiniert, findet sich auf www.tag-des-offenen-denkmals.de

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