28. Juli 2018, 08:40 Uhr

Die Filmkritik

Geistliche im Stripclub – »Ein Lied in Gottes Ohr« begeistert

Ein Priester, ein Rabbi und ein Imam – was wie der Anfang eines politisch unkorrekten Witzes klingt, sind die Hauptfiguren der bissigen Komödie von Regisseur Fabrice Eboue.
28. Juli 2018, 08:40 Uhr
Gründen die Band Koexistenz (v. l.): Ramzy Bedia als Moncef, Guillaume de Tonquedecin als Benoit und Jonathan Cohen als Samuel. (Foto: - (Neue Visionen Filmverleih))

Es sind eigentlich vier Religionen, die Regisseur Fabrice Eboue in der Komödie »Ein Lied in Gottes Ohr« aufs Korn nimmt: Neben dem Judentum, dem Islam und dem christlichen Glauben zielen auch viele Witze auf den Kommerz, den Glauben an wirtschaftlichen Erfolg ab. Nur um seine Chefin zu beeindrucken, kommt Musikproduzent Nicolas (Fabrice Eboue) auf eine verrückte Idee: Er will eine Band aus einem Rabbi, einem Priester und einem Imam zusammenzustellen. Er spekuliert darauf, dass die Medien auf die explosive Mischung anspringen, die Band quasi von selbst berühmt wird.

Zunächst muss er jedoch erst einmal drei Sänger für dieses Projekt finden. Rabbi Samuel (Jonathan Cohen) war einst Star einer jüdischen Band. Nach einem Unglück bei einer Beschneidung will er jedoch nie wieder auftreten.

 

»Imam« kauft Alkohol

 

Priester Benoit (Guillaume de Tonquedec) fühlt sich in seiner Kirchengemeinde recht wohl. Nur um die Sanierung des maroden Kirchendachs zu finanzieren, stimmt er dem Projekt zu. Einen echten Imam kann Nicolas nicht auftreiben. Also überredet er den erfolglosen Musiker Moncef (Ramzy Bedia) dazu, diese Rolle zu spielen.

Das Trio stolpert von Beginn an von einer skurrilen Situation in die nächste. Als beispielsweise Benoit vorschlägt, die Zusammenarbeit mit einem Gebet aus allen drei Religionen zu beginnen, kennt Moncef die korrekten Worte nicht. Also sagt er »Happy Birthday« auf Arabisch auf. Obwohl er beeindruckt ist, welch enormen Einfluss er auf arabische Jugendliche hat, sobald er sich als Imam ausgibt, fällt er immer wieder in seine alte Art zurück. So wird er beispielsweise von Gläubigen verwundert und entsetzt angestarrt, als er Schweinefleisch und Alkohol in einem Geschäft kauft.

Die Band Koexistenz tritt zunächst aber auf der Stelle. Erst als es zwischen den drei Mitgliedern richtig kracht und Nicolas als Manager genervt das Handtuch werfen möchte, raufen sich die drei Musiker zusammen. Nun wollen sie ihre eigene Leidenschaft, ihre eigenen Ideen in das Projekt einbringen – der Durchbruch. Um ihren ehemaligen Manager zurückzugewinnen, scheuen sie sich nicht einmal davor, in voller Montur in einen Stripclub einzumarschieren...

 

Leichte, bissige Komik

 

Vordergründig reiht Regisseur Eboue eine Vielzahl von politisch unkorrekten oder skurrilen Szenen aneinander. »Gehen ein Rabbi, ein Imam und ein Priester in den Stripclub« könnte schließlich auch der Beginn eines Witzes sein. Der Film hat jedoch auch eine zweite Ebene zu bieten. Diese wird beispielsweise deutlich, als die drei Sänger in eine Talkshow eingeladen sind: Denn während Benoit und Samuel großen Beifall für ihren Wunsch erhalten, ein Gotteshaus für ihre jeweilige Religion zu bauen, verstummt das Publikum bei Moncef sofort. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die drei Religionen in der Öffentlichkeit angesehen werden.

Der Film wird in seiner Gesamtheit nie zu schwer, nie zu trübsinnig, nie zu tief greifend. Er bleibt der Linie der leichten, bissigen französischen Komik treu. Da mag man auch zwischen den vielen Lachern die leichten Schwächen der Story verzeihen.

 

Die Komödie läuft in Lich und Nidda im Kino.

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