14. März 2018, 21:42 Uhr

Gegen den demografischen Wandel

14. März 2018, 21:42 Uhr
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Von Thomas Brückner
Staatsminister Axel Wintermeyer mit Bürgermeister Peter Klug (r.) und dem städtischen Sozialkoordinator Jochen Bantz (l.).

Mit einer kleinen Feier in Neustadt ist das Modellvorhaben der Hessischen Staatskanzlei zur »Integration von Flüchtlingen im ländlichen Raum« zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt der mit insgesamt 300 000 Euro dotierten Initiative stand die Förderung ländlicher Kommunen, die in der Zuwanderung eine Chance sehen, dem demografischen Wandel zu begegnen. Zu den sieben Preisträgern zählt auch Laubach, das sich mit dem Projekt »Angekommen« beworben hatte. Laubachs Bürgermeister Peter Klug und der städtische Sozialkoordinator Jochen Bantz nahmen die Auszeichnung und das »potenzielle Preisgeld« von 53 800 Euro entgegen.

Alle beteiligten Kommunen hätten in den vergangenen zwei Jahren mit innovativen Projekten gezeigt, wie sie eine langfristige Bindung von Flüchtlingen an ihren Ort sicherstellen wollten, hob Axel Wintermeyer, Staatsminister und zugleich Demografiebeauftragter und Flüchtlingskoordinator der Landesregierung, in seiner Laudatio hervor. Mit Patenschaften, Sprach- und Bildungskursen oder einem Gründerzentrum seien Flüchtlinge integriert worden.

»Die Projekte stehen beispielhaft für die Idee, dem demografischen Wandel mit der Integration von Zuwanderern zu begegnen. Flüchtlinge mit dauerhaftem Bleiberecht können durchaus einen Beitrag leisten, um die daraus resultierenden Probleme wie leer stehenden Wohnraum, die Schließung von Schulen oder die Verschlechterung des ÖPNV, abzumildern.« Von dem Modellvorhaben profitieren nach Wintermeyer viele: die Gemeinden, die Ortsgemeinschaften und die Flüchtlinge mit Bleibeperspektive.« Mit der Förderung habe das Land die notwendige Starthilfe und Betreuung gegeben und hoffe jetzt, dass diese Beispiele Nachahmer finden.

Bei der Abschlussveranstaltung präsentierten die Modellkommunen ihre Arbeit auf einem »Ideen-Marktplatz«.

Zur Teilnahme waren Kommunen mit 5000 bis 10 000 Einwohnern aufgerufen, die vor Herausforderungen des demografischen Wandels stehen. Dazu zählt auch Laubach, dessen Einwohnerzahl laut einer Prognose des Landes bis 2030 um 2,3 Prozent abnehmen soll. Überdies soll in zwölf Jahren das Durchschnittsalter mit 50,7 rund vier Jahre über dem landesweiten Wert liegen. Noch eine Zahl: Ende 2016 lebten 279 Flüchtlinge in Stadt, ein Jahr darauf nurmehr 151.

Unter dem Titel »Angekommen« hat die Kommune im Osten des Landkreises Gießen die Standortvorteile des ländlichen Raumes für den Zuzug von Zuwanderern zu verdeutlichen gesucht. Partner des Netzwerks waren der Freundeskreis Asyl, das Laubach-Kolleg, die Friedensinitiative Laubach, Schulen und Kitas, das Jobcenter, die Firmen Römheld und Oemler, das Oberhessische Diakoniezentrum sowie das Büro »Denkstrukturen«.

Eingesetzt für das Projekt wurden 35 000 Euro, sodass die Differenz von 18 800 Euro zum »potenziellen Preisgeld« zurückzuerstatten ist. Dass die vielen ehrenamtlichen Stunden nicht in die Rechnung eingingen, ward denn auch kritisch angemerkt.

Übergeordnetes Ziel des Projektes war es, Geflüchteten die Attraktivität des ländlichen Raums zu vermitteln und sie in die Gemeinschaft zu integrieren. Zum Maßnahmenpaket gehörten der Ausbau des Betreuungs- und Schulstandorts (Realschulabschluss für Flüchtlinge am Kolleg), Workshops zu Fragen der Integration, Infos zu Kita- und Bildungsangeboten, Akquirierung von Wohnraum, Förderung der Integration in Vereinen sowie von Ausbildung und Beschäftigung, Umsetzung einer Willkommenskultur (Stadtführungen oder »Tag der Kulturen«). (Foto: pm)



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