Kreis Gießen

Gegen den Trend

In den letzten Jahren berichtete diese Zeitung mehrfach darüber, dass Bankfilialen geschlossen wurden. In Hüttenberg wird nun eine Neue gebaut: Im Gewerbegebiet »Im Dollenstück« direkt neben dem Rewe-Markt wurde nun der erste Spatenstich für eine neue Geschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen gesetzt.
14. November 2018, 21:08 Uhr
Patrick Dehnhardt
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Ein ungewöhnliches Szenario: Spatenstich für eine neue Bankfiliale. (Foto: pad)

In den letzten Jahren berichtete diese Zeitung mehrfach darüber, dass Bankfilialen geschlossen wurden. In Hüttenberg wird nun eine Neue gebaut: Im Gewerbegebiet »Im Dollenstück« direkt neben dem Rewe-Markt wurde nun der erste Spatenstich für eine neue Geschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen gesetzt.

Die Weber Immobilienverwaltungs GbR lässt hier für rund 350 000 Euro in Massivbauweise ein 210 Quadratmeter großes Bankgebäude errichten. Im August 2019 will die Volksbank als Mieter hier ihre Türen öffnen. Dann zieht die Filiale aus dem Zentrum von Rechtenbach hierher um.

Eine Filiale – ist so etwas in Zeiten von Online-Banking noch zeitgemäß? Regionaldirektor Thomas Cornelius sieht die Zweigstellen keinesfalls als Auslaufmodell. »Wir wollen das Filialnetz dauerhaft erhalten.« Gerade ältere Menschen würden lieber »auf die Bank gehen« als sich an den Computer zu setzen. Im permanenten Prozess der Digitalisierung dürfe man dies nicht aus den Augen verlieren. »Wir müssen sowohl persönlich als auch digital da sein.«

Auch Jüngere würden das Angebot weiterhin nutzen, sagte Bereichsleiter Gebäude und Logistik Jan Christoph Pfeiffer. Bei großen Lebensentscheidungen, etwa wenn es um Baufinanzierungen, Lebensversicherungen oder Erbschaftsangelegenheiten ginge, würde sich die jüngere Generation zwar über das Internet zunächst informieren. Letztlich würde der Großteil dann jedoch mit einem Menschen vor Ort persönlich sprechen. »Das machen wir mit der Filiale möglich.« Fünf Mitarbeiter werden hier zu den Öffnungszeiten im Einsatz sein.

Damit sich das Ganze lohnt, sei jedoch auch der Standort der Filiale entscheidend. Im Gewerbegebiet mit Nahversorger habe man eine hohe Zahl an Laufkundschaft, zudem sei die A 45 direkt in der Nähe. »Hier ist traffic, hier kommen die Bürger hin«, sagte Cornelius.

Als Wehmutstropfen bleibt jedoch, dass die Bank aus dem Zentrum des Dorfs auf die grüne Wiese umzieht. Bürgermeister Christof Heller sieht dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge: »Dass die Bank dort weggeht, ist der Lauf der Dinge. Dass sie uns vor Ort erhalten bleibt, ist nicht selbstverständlich.« Sie ziehe näher zur Laufkundschaft um. »Die Kunden stimmen über so einen Standort mit den Füßen ab.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Gegen-den-Trend;art457,515136

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