20. Februar 2019, 21:58 Uhr

Geduld gefragt

20. Februar 2019, 21:58 Uhr
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Von Thomas Brückner

Seit vielen Jahren schon warten die Harbacher auf ihr (neues) Bürgerhaus, üben sich in Geduld. Das Warten hat bald ein Ende, doch brauchen die Bewohner des Grünberger Stadtteils noch etwas mehr Geduld: Die Einweihung kann nicht, wie bisher avisiert, Mitte nächstes Jahr gefeiert werden, erst Anfang 2021 dürfte es soweit sein.

Ursache sind von Wiesbaden gesetzte Finanzierungsmodalitäten: Grünberg nutzt für den mit gut 1,8 Millionen Euro veranschlagten Neubau die »Hessenkasse«. Aus dem Entschuldungs- und Investitionsförderprogramm erhält die Stadt 3,7 Millionen Euro, darin bereits enthalten ist der obligatorische Eigenanteil von zehn Prozent.

Wohin nun mit all dem Geld? Eine Million wird zum Abbau des Schuldenbergs genutzt, der in den letzten Jahren auf über 20 Millionen Euro gewachsen ist. 1,2 Millionen Euro sind für diverse Maßnahmen in den Stadtteilen vorgesehen, worüber in den nächsten Monaten zu entscheiden sein wird. Mit 1,5 Millionen Euro schließlich wird der Löwenanteil fürs Bürgerhaus Harbach verwandt; erforderliche Restmittel sollen über den Haushalt finanziert werden.

Wobei, wie Bürgermeister Frank Ide auf Nachfrage weiter anmerkte, deren Höhe noch nicht genau zu beziffern sei. Exakte Kosten seien erst anzugeben, wenn die Fachplaner ihre Arbeit erledigt hätten. Dafür aber braucht es noch Zeit. Wie der Rathauschef die Verzögerung erklärte, seien die Antragsformulare für die Hessenkasse später als erhofft eingegangen. Das Land habe der Entschuldungshilfe, das heißt Anträgen von Kommunen auf Ablösung ihrer Kassenkredite, Priorität gewährt. Ide: »Wir dürfen nun mal erst bei grünem Licht aus Wiesbaden Aufträge vergeben.« Somit wurde es nichts mit dem Plan, im Winter bereits erste Ausschreibungen auf den Weg zu bringen, um frühestmöglich Submissionen und erste Auftragsvergaben abhaken zu können.

 

Sperrvermerk wird aufgehoben

 

Im Januar aber trudelten endlich die Antragsformulare ein, jüngst erhielt man dann das »Go« aus der Landeshauptstadt. Die Bauverwaltung kann jetzt loslegen.

Die letzte Hürde dafür wird das Stadtparlament heute (Do.) Abend wegräumen: Denn, wie noch rechtzeitig bemerkt, waren die fürs Bürgerhaus bereits etatisierten Mittel mit einem Sperrvermerk blockiert worden. Der muss zunächst aufgehoben werden. Freilich eine Formsache, hat doch der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag dem Plenum den Beschluss empfohlen – einstimmig.

Mit dem Neubau erhält Grünbergs westlichster »Außenposten« endlich ein Gemeinschaftshaus, das den Ansprüchen der Einwohner entspricht. Heißt: Künftig gibt es bei größeren Veranstaltungen keine Platzprobleme mehr. Anders als bisher, da der »große« Saal im Obergeschoss nur über eine Treppe zu erreichen ist, wird Barrierefreiheit kein Thema mehr sein. Schließlich dürfte es auch keine Probleme mit den Anliegern mehr geben; die Lage des alten DGH mitten im Ortskern und nah an der Nachbarbebauung hatte zeitweise für ein frühes Veranstaltungs- ende um 22 Uhr gesorgt.

Nicht zu vergessen: Der Neubau am Sportplatz – das als Jugendzentrum genutzte »Hasenheim« (im Foto rechts) wird abgerissen – wird nicht in einer »Schuhkartonoptik« hochgezogen, sondern als architektonisch ansprechendes Gebäude.

Im Ergebnis eines Architektenwettbewerbs kommt die Planung des Büros Schmees-Wagner (Gießen) zum Tragen. Zwar nur Zweitplatzierter unter 13 Entwürfen in der »Endrunde« des Wettbewerbs, hatten sich doch nicht nur Harbachs Ortsvorsteher Oliver Schäfer, sondern am Ende auch das Stadtparlament für die Gießener ausgesprochen. Nicht nur, weil es gefiel: Die Gesamtkosten (Stand Herbst 2017) lagen hier bei 1,82 Millionen und damit rund 200 000 Euro unter der Summe des Erstplatzierten. Aspekte der Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Funktionalität kamen hinzu. (tb/Foto: tb)



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