18. Juli 2018, 22:17 Uhr

Gedenken und Begegnung

18. Juli 2018, 22:17 Uhr
Ilke Selin Karanfil aus der Türkei legt eine Blume als Zeichen der Ehrerbietung an einem der Gräber in Kloster Arnsburg nieder. (Foto: Geck)

Berührende Songs wie »Halleluja« und »What a wonderful world« erklingen in der Halle des Klosters Arnsburg, gesungen von 23 Jugendlichen aus ganz Europa. Sie haben in den vergangenen zwei Wochen die Spuren der Verwitterung in der Kriegsgräberstätte in Kloster Arnsburg beseitigt. Zum Abschluss des Workcamps, das vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge organisiert worden war, gedenken sie der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft auf berührende Weise.

Karl Starzacher, Staatsminister a.D. und Vorsitzender des Landesverbands Hessen des Volksbunds, zeigt sich sehr beeindruckt von den Darbietungen und Bekundungen der jungen Leute und dankte ihnen für ihr Engagement. Er habe noch nie eine so eindrucksvolle Gedenkfeier erlebt. Wichtiger als die geleistete Arbeit seien die Begegnungen. Er hofft, dass sich freundschaftliche Beziehungen entwickelt haben.

Das war ganz offensichtlich so. Nina Poppitz aus Helmstedt etwa war zum ersten Mal dabei. Die 16-Jährige hatte Interesse, Jugendliche aus anderen Ländern kennenzulernen. Die Arbeit für den Frieden unter dem Motto »Europa – das sind wir« ist ihr wichtig. »Es fühlt sich gut an, wenn man etwas Gutes tut«, sagt sie im Gespräch. Die Wertschätzung für die Opfer ist ihr dabei sehr wichtig.

Zeichen der Hoffnung

So steht es denn auch auf dem Gedenkstein in der Halle: Mortui viventes obligant. zu Deutsch: Die Toten verpflichten die Lebenden. Das ist auch dem Leiter des Camps, Martin Neumeister aus Magdeburg, ein wichtiges Anliegen. Ihm ist es – wie den Teilnehmern – ein Anliegen, sich für den Frieden unter den Nationen einzusetzen. Der ehemalige Teilnehmer betreute die jungen Menschen aus Weißrussland, Russland, der Ukraine, der Türkei, Italien, Rumänien und Deutschland mit drei weiteren Kollegen. Seine Großeltern hätten den Weltkrieg überlebt. Doch viele hätten dieses Glück nicht gehabt, sagt er.

Manche Teilnehmer sind bereits zum zweiten oder dritten Mal dabei, doch für viele ist es der erste Besuch auf einer Kriegsgräberstätte. Die Jugendlichen rückten den Flechten mit der Wurzelbürste zu Leibe, schnitten das Erika-Kraut zurück und säuberten die Namenstafeln, damit die Namen der Toten wieder gut erkennbar sind. Neben der körperlichen Arbeit ging es auch um die Bildungsarbeit mit Fokus auf Europa. Die gestrige Abschlussveranstaltung wurde so zu einem Zeichen der Hoffnung.

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