18. Oktober 2018, 21:42 Uhr

»Gebürstet« nach alter Sitte

Seitenhiebe auf die große und kleine Politik sowie eine Stadt südlich von Grünberg prägten den Gallusmarkt-Frühschoppen auch diesmal. Wesentlich aber: »Gebürstet« nach alter Sitte und also in den Kreis der »originären Grimmicher« aufgenommen wurden die Neubürger Antje Wenzel, Andreas Heinecke, Joachim Breckow und Simone Maiß.
18. Oktober 2018, 21:42 Uhr
Geschenk von Bürstmeister Gerd Lippert für Ministerpräsident Bouffier: ein Gedicht zur Bayernwahl.

Mit der Ernennung zum Wurzelbürger würdigt die Gallusmarktkommission Zugezogene, die sich ehrenamtlich ums Gemeinwesen verdient gemacht haben. Seit 67 Jahren schon warten die Frühschöppler stets gespannt darauf, dass das bestgehütete Geheimnis der Stadt gelüftet wird. Diesmal mussten sie besonders lange warten.

Gut, es hätte auch verwundert, hätten Grünbergs Bürger- wie auch Bürstmeister die diesmal erhöhte Dichte politischer Prominenz nicht genutzt: »Beim Frühschoppen wird dem Volk aufs Maul geschaut«, meinte so Oberwurzelbürger Frank Ide in Richtung von Ministerpräsident Volker Bouffier. Den Erkenntnisgewinn am Biertisch möge er »Berlin« und insbesondere der Kanzlerin weitergeben. »Dann erleben wir vielleicht politisch ruhigere Zeiten. Zoff braucht kein Mensch, Politiker sollen fürs Volk, nicht für sich selbst arbeiten.«

Und was besagte Stadt im Süden Grünbergs angeht: Dass Laubach, kaum als »Partnerstadt« geadelt, fremdgehe und mit Lichs Verwaltung kooperiere, das sollten sich die Nachbarn gut überlegen: »Die Licher haben keinen Gallusmarkt!« Doch auch in Ides Heimatstadt läuft nicht alles rund: »Da gab es doch in dieser Woche an einer Schule Hausaufgaben, wurde den Kindern das Karussellfahren vermiest.« Skandalös.

Dann aber hatten die Prominenz aus Wiesbaden wie auch die Delegation vom Laubacher »Ausschuss« erst mal eine Verschnaufpause. Thomas Siek, Vorsitzender der Gallusmarktkommission, rief Marktfrau Andrea Strauch ans Mikro. Die gestand ihre Aufregung vor dem ersten großen Auftritt, hatte gar eine Flucht erwogen. Pech nur: »Alle Flüge nach Panama waren ausgebucht.« Die Ausübung ihrer repräsentativen Pflichten beim Gallmärt habe ihr bis dato aber viel Freude bereitet, fügte sie an. Und erzählte nun von einer seltsamen Begegnung beim morgendlichen Abmarsch auf dem Marktplatz: »›Ach, da kommt ja unsere Märtfraa‹«, sei ihr da aus einer Runde von Männern mit »Gestrüpp off ’m Kopp« zugerufen worden. «›Unsere?‹ Nein, nicht eure«, korrigierte sie die Ausschussmänner. Und weiter: »Merkt Ihr was? Mir ham 2018, und bei euch dürfe net e ma die Mädels mitmache!«. Applaus. Buhrufe für die Männer mit »Gestrüpp« am Hut.

Stimmungsmäßig war damit der Auftritt von Bürstmeister Gerd Lippert bereits gut vorbereitet. Der nahm ebenso die große Politik aufs Korn. Jüngste kulinarische Wahlkampfevents – »Auf eine Bratwurst mit Schäfer-Gümbel« und »Auf einen Apfelwein mit Bouffier« – fand er gar nicht gut. Besser wäre eine gemeinsame Veranstaltung, auf dass ein komplettes Menü serviert werde. »Die AfD kann jo de Nochdesch mache. Eis – vielleicht de ›Braune Bär‹.« Fragwürdiges Lob gab’s fürs CDU-Plakat zum Apfelweinfest: »Bei so em ahle Appel im Vordergrund sieht der Bouffier aus, als wär er groad in die Junge Union eangeträre.«

Mal abgesehen von Problemen mit der Schließanlage im neu gestalteten Rathausfoyer, wofür er Ide einen Nothammer überreichte, hatte Lippert für Grünbergs Verwaltung diesmal nur gute Noten zu verteilen. Und auch wenn »e Dogge voam Dreimeterbrett gesäächt hoat«, sei etwa das erste Hundeschwimmen zum Saisonabschluss im Freibad ein toller Erfolg gewesen. »40 woarn do, vier hu ach noch es Seehundabzeiche gemoacht.« Als weiterer Beweis der Freundschaft mit Laubach (»gelebte Integration«) könne man das nächste Schwimmen ja dort veranstalten: »Im Mai, zur Saisoneröffnung...« Endlich ein letzter Vorschlag, bevor er zum »Bürsten« überging: Da Laubachs Bürgermeister Peter Klug 2021 aufhöre, könne der ja 2022 in Grünberg von Ide das Ruder übernehmen. »Dann brauchste an Gallmärt keen Urlaub nemme und dene Laabacher endlich mo so richtig die Meening saa.«

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