30. März 2018, 19:12 Uhr

»Für das Erinnern kämpfen!«

30. März 2018, 19:12 Uhr
Edith Erbrich

Als knapp Siebenjährige wurde Edith Erbrich zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Sie überlebte den von Nazideutschland zu verantwortenden Horror. »Für das Erinnern kämpfen!« lautet bis heute ihr Credo. Dieser Tage war sie an der Friedrich-Magnus-Gesamtschule Laubach zu Gast, berichtet einer jahrgangsgemischten Schülergruppe aus ihrer Kindheit.

Erbrich wurde 1937 in Frankfurt geboren, bekam mit zwei Jahren einen Pass mit einem eingestempelten »J«, das sie als Angehörige des jüdischen Glaubens kennzeichnete. Fortan wurde sie diskriminiert.Was das wirklich bedeutete, führte die Zeitzeugin den Schülern in ihrem Vortrag auf anschauliche Weise vor Augen: Sie durfte nicht in die Schule gehen, durfte Läden »der Deutschen« nicht mehr besuchen, nicht in öffentlichen Bunkern Schutz suchen.

Edith Erbrich berichtete auch von den Bombenangriffen, die sie in normalen Kellern überstehen musste. Schließlich wurde die Familie verschüttet und ausgebombt. Im Februar 1945 erfolgte die Aufforderung, sich zur Deportation nach Theresienstadt einzufinden. Der katholischen Mutter wurde verwehrt, mit Mann und Töchtern in einen Viehwaggon zu steigen und weggebracht zu werden. Den aufmerksam zuhörenden Schülern gingen gerade diese Episoden sehr nahe. Ein Bild von einem Deportationszug in einem Geschichtsbuch zu sehen ist das eine, aber einem Menschen gegenüberzusitzen, der in einem solchen Waggon tagelang unter erbarmungslosen Bedingungen eingepfercht war, etwas ganz anderes, ein emotionales Ereignis.

Bei der Ankunft in Theresienstadt am 18. Februar 1945 wurde die Trennung vom Vater sowie die schändliche Behandlung durch die brutalen KZ-Wärter von der Siebenjährigen als traumatisch empfunden. In den nächsten Monaten bestimmten übermächtiger Hunger, Enge, Schmutz und Drangsalierung den Lebensalltag des Kindes. Der »schönste Tag« ihres Lebens begann für Edith Erbrich in der Nacht auf den 8. Mai 1945, als die russische Armee das Lager befreite und die Familie nach Frankfurt zurückkehren konnte.

Als Rentnerin entschied Erbrich sich, als Zeitzeugin jungen Menschen von ihren Erfahrungen zu berichten. Sie nimmt an Projekten von Jugendgruppen, an Gedenkveranstaltungen in Theresienstadt und anderen ehemaligen Lagern sowie an der Aktion »Stolpersteine« teil. Ihr Engagement, für das sie 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, will sie weiterführen, »solange es geht«. Den Kindern und Jugendlichen trug sie eines vor allem auf: »Haltet die Augen und Ohren offen, dass es nie wieder passiert!« Die zeigten sich beeindruckt davon, dass Erbrich ihre schmerzhaften Erinnerungen mit ihnen teilte, und stellten viele Fragen. Der Titel von Edith Erbrichs Biorafie »Ich hab« das Lachen nicht verlernt« ist Programm, hat sie doch eine sehr warmherzige, offene Ausstrahlung. (Foto: pm)

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