28. November 2018, 13:05 Uhr

Polizeidienst

Freiwilliger Polizeidienst soll in in Laubach und Pohlheim für ein sicheres Gefühl sorgen

Die Zahlen der Kriminalitätsstatistiken gehen zurück – und dennoch fühlen sich die Menschen gefährdeter denn je. Um ihnen ein sicheres Gefühl zu geben, gibt es den freiwilligen Polizeidienst.
28. November 2018, 13:05 Uhr
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Von Patrick Dehnhardt
Claus Spandau (3. v. l.) übergibt den Förderbescheid des Landes Hessen über 50 000 Euro an den Pohlheimer Bürgermeister Udo Schöffmann (3. v. r.) sowie an Isolde Hanak, Laubachs Erste Stadträtin. (Foto: pad)

Das interkommunale Bündnis von Laubach und Pohlheim in Sachen »Freiwilliger Polizeidienst« trägt Früchte: Claus Spandau überbrachte am Dienstag einen Förderbescheid des Landes Hessen über 50 000 Euro. Laubachs erste Stadträtin Isolde Hanak sowie Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann freuten sich über diese finanzielle Unterstützung des Projekts.

»Wir wollen das Sicherheitsgefühl der Bürger steigen«, erklärte Schöffmann, warum man auf den freiwilligen Polizeidienst setze. Marc Göbel, Leiter der Polizeidirektion Mittelhessen, bestätigte die Notwendigkeit hierfür: »Die Sicherheitslage entwickelt sich positiv – in den Köpfen aber wird es schlimmer.« Die Präsenz des Polizeidienstes trage dazu bei, ein Gefühl der Sicherheit zu schaffen.

 

Unterstützung für Polizei, nicht Alternative

Der Polizeidienst könne echte Polizisten nicht ersetzen, aber ihre Arbeit ergänzen und unterstützen, sagte Polizeivizepräsident Peter Kreuter. Stichwort Einbrecher: So könnte der Polizeidienst etwa in der dunklen Jahreszeit durch die Wohngebiete gehen und schauen, ob etwas seltsames vor sich geht oder ungewöhnliche Fahrzeuge hier parken. Dies könnte der Polizeidienst dann melden. »Soviel Personal, um das überall abzudecken, wird die hessische Polizei nie bekommen. Das ist nicht finanzierbar«, sagte Kreuter.

Göbel widersprach Vorstellungen, der Polizeidienst sei eine Art Bürgerwehr. »Wir brauchen da keine Rambos.« Die Freiwilligen würden stattdessen darauf ausgebildet, deeskalierend tätig zu werden. Daher sollen sie auch positiv in der Bevölkerung wahrgenommen werden, weshalb man sie nicht als Knöllchenschreiber für das Ordnungsamt missbrauchen werde, sagte Schöffmann.

 

Erste Erfolge in Laubach

Laubachs Stadträtin Hanak berichtete von ersten positiven Folgen des Polizeidienstes. Im Gebiet um den Marktplatz sowie im Schlosspark habe er bereits geholfen. Schöffmann verwies auf Großveranstaltungen, bei denen sich die Polizeidienste aus beiden Städten gegenseitig unterstützt hätten.

Während der freiwillige Polizeidienst selbst mittlerweile von vielen Seiten gelobt wird, gibt es um den Begriff »freiwillig« weiterhin eine Diskussion. Denn im Gegensatz zu freiwilligen Feuerwehrleuten erhält der Polizeidienst eine Aufwandsentschädigung. »Vielleicht wäre ein anderer Begriff im Nachhinein betrachtet glücklicher gewesen«, sagte Schöffmann. »Man sollte es auch nicht mit den Feuerwehren vergleichen.« Kreuter verwies auf den Vereinssport: Hier würden ehrenamtliche Übungsleiter auch eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Übrigens: Laubach und Pohlheim suchen noch Bürger, die sich im freiwilligen Polizeidienst engagieren wollen.

 

Keine No-Go-Areas in Pohlheim

Am Rande der Bescheidübergabe berichtete Bürgermeister Udo Schöffmann von einer ungewöhnlichen Interviewfrage, die ihm dieser Tage von Reportern des WDR gestellt wurde: In Pohlheim solle es Stadtviertel geben, in die sich kein Deutscher mehr trauen würde. »Wir haben hier keine schlimmen Stadtviertel, man kann hier überall abends um zehn Uhr normal herumlaufen«, sagte Schöffmann. Als ihm als Beispiel eine Gegend aufgeführt wurde, die nur »böses Viertel« genannt werde, fiel er aus allen Wolken: »Das ist ein alter Flurname.« Marc Göbel, Leiter der Polizeidirektion Gießen, bestätigte diese Aussage. In Pohlheim seien keine Kriminalitätsschwerpunkte bekannt.



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