19. April 2018, 21:59 Uhr

Freilaufflächen auf dem Land?

Tierschützer sehen es gern, lässt man Hunden ihren freien Lauf. In Städten, mit wenig Grün und viel Asphalt, gibt es dafür bereits eigens ausgewiesene Flächen. Doch braucht es das auf dem flachen Land?
19. April 2018, 21:59 Uhr
Unstrittig: Hunde brauchen Auslauf, in Innenstadtnähe aber fehlt dafür zuweilen der Platz. (Foto: dpa)

Eine Gruppe Laubacher Hundebesitzer hatte sich vor einigen Wochen ans Rathaus gewandt. Das Anliegen der Tierfreunde: In der Kernstadt eine Fläche schaffen, auf denen ihre »Bellos« nicht an der langen oder kurzen Leine gehalten werden müssten. Denn diese Anordnung gilt etwa im Schlosspark, dem Favoriten bei Gassigehern. Ihr Vorschlag, eine Teilfläche vom Verbot auszunehmen, stieß jedoch auf Ablehnung in der Politik. Befürchtet wurde, dass es trotz Einzäunung zu Konflikten kommen würde, gerade mit älteren Besuchern dieses Kleinods mitten im Luftkurort.

Ob der wachsenden Zahl der Hundebesitzer und der mithin wachsenden Nachfrage nach einer innenstadtnahen Auslauffläche machte sich der Ortsbeirat auf die Suche nach einer Alternative. Auch um den »Run« der Hundefreunde auf den Schlosspark wie auch den Ramsberg zu mindern.

Den Vorschlag, die 1400 Quadratmeter große städtische Wiese direkt am Park und unterhalb des »Musikerviertels« zu nutzen, unterstützt nun auch Bürgermeister Peter Klug. Auf Kosten der Stadt würde das Areal eingefriedet, etwa mit einem einfachen Zaun aus Knotengeflecht.

Somit gäbe es dann – nach Gießen – die zweite Kreisgemeinde mit einer Hundefreilauffläche. Dies nachdem gleichgerichtete Initiativen andernorts, dort aber von Jagdgenossenschaften, die die häufige Störung des Wildes beklagten, gescheitert waren. Heißt: Die Initiativen erreichten erst gar nicht die parlamentarische Ebene.

Anders in Laubach: »Einen Versuch wäre es zumindest wert«, ist sich Rathauschef Klug sicher, entsprechende Beschlussvorlage ist aktuell Gegenstand der kommunalpolitschen Diskussion.

Neben den Interessen von Hunden und Haltern führt Klug vor allem ein ordnungspolitisches Argument ins Feld. »Hipos« und Polizeihelfer hätten eher eine Handhabe, gegen jene Zeitgenossen vorzugehen, die gegen das Anleingebot im Außenbereich Laubachs während der dreieinhalbmonatigen Brut- und Setzzeit verstoßen.

Gibt’s also bald »Knöllchen« für Besitzer freilaufender »Bellos«? Dafür seien zunächst die rechtlichen Prüfungen und Voraussetzungen zu schaffen, warnt Laubachs Ordnungsamt vor voreiligen Schlüssen.

 

 Ohnedies steht zu bezweifeln, dass die Beschlussvorlage die Hürde des Stadtparlaments nimmt. In Reihen der CDU hat sie vielmehr für »Kopfschütteln« gesorgt. Eher rhetorisch die Frage des Vorsitzenden Siegbert Maikranz: »Wir haben doch kaum noch Bauflächen, wollen wir dann diese Parzelle in attraktiver Lage opfern?« Der Mehrheitspartner, die Freien Wähler, haben sich bislang eines Votums enthalten. Anders wiederum Dirk Hofmann von der oppositionellen FBLL, der den Hundebesitzern aus der Kernstadt diesen Vorschlag macht: »Die Gruppe könnte doch selbst eine Wiese außerhalb pachten, das kostet 25 Euro – fürs ganze Jahr.«

 

Gute Erfahrungen in Gießen

 

Wie sehen die Erfahrungen in der Stadt Gießen aus, die Ende 2015 neben dem Schwanenteich eine solche Fläche eingerichtet hat? Pressesprecherin Claudia Boje berichtet von einer bis dato »hauptsächlich positiven Resonanz«. Von den Nutzern werde die Wiese regelmäßig gemäht, der Kottütenbehälter werde sehr stark genutzt, die Hinterlassenschaften der Hunde von den Besitzern größtenteils entfernt und im Abfallbehälter entsorgt. Auch sei der Zaun bis jetzt von Vandalismus verschont geblieben.

Die umzäunte Freilauffläche sei vielleicht gerade für noch etwas unsichere Halter eine gute Gelegenheit, im Umgang mit ihren Vierbeinern etwas sicherer zu werden, ohne dabei Gefahr zu laufen, die Kontrolle über das Tier zu verlieren. Gerade weil in der Wieseckaue Leinenzwang gelte, sei es für Hundehalter in diesem Freizeitgebiet eine wichtige Ergänzung.

Zur Frage der GAZ nach angeblichen Beißvorfällen stellte Boje klar: »Erkenntnisse darüber auf dieser Freilauffläche liegen uns nicht vor.« Und: Trotz all der Einschränkungen (Leinenpflicht) gebe es in Gießen noch genügend Möglichkeiten, Hundebesitzern den für ihre Tiere erforderlichen Freilauf zu ermöglichen.



Stichwort: Anleinpflicht

 Zur Anleinpflicht für Hunde sei auf § 9.2 der Hessischem Gefahrenabwehrverordnung, kurz: HundeVO, verwiesen. Danach sind die Tiere bei öffentlichen Versammlungen, Festen, Märkten und sonstigen Veranstaltungen mit Menschenansammlungen, in Gaststätten und öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich an der Leine zu führen. Handelt es sich um Grundstücke, die der Allgemeinheit zugänglich sind, etwa Parks oder Fußgängerzonen, »können« Kommunen einen Leinenzwang bestimmen. Auch Gießen hat dies getan, Schilder weisen darauf hin.
In der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt, so weiter Pressesprecherin Claudia Boje, wird diese Pflicht näher definiert: Hunde sind danach auch in allgemein zugänglichen Park-, Garten- oder Grünanlagen an der Leine zu führen, wenn diese »umfriedet oder anderweitig begrenzt sind.« Diese Vorgabe gelte besonders für Schwanenteich, Wieseckaue, die Parkanlagen entlang des städtischen Anlagenrings sowie die Fußgängerzone.
Grundsätzlich und stets zu beachten ist schließlich, dass gemäß § 1 HundeVO die Vierbeiner »grundsätzlich so zu halten und zu führen sind, dass von ihnen keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht. Sie dürfen außerhalb des eingefriedeten Besitztums der Halterin oder des Halters nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden."

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