02. September 2008, 22:12 Uhr

Frau fast zu Tode gewürgt: 43-Jähriger verurteilt

Gießen/Allendorf/Lumda (ti). Arbeitslosigkeit, Geldmangel, regelmäßiger Alkoholgenuss und darüber ständig Streit mit der Partnerin - am 31. Mai 2006 eskalierte das Ganze: Guido B. würgte seine Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit und ließ erst von ihr ab, als sein Stiefsohn ihm ein Küchenmesser in den Rücken rammte.
02. September 2008, 22:12 Uhr

Gießen/Allendorf/Lumda (ti). Arbeitslosigkeit, Geldmangel, regelmäßiger Alkoholgenuss und darüber ständig Streit mit der Partnerin - am 31. Mai 2006 eskalierte das Ganze: Guido B. würgte seine Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit und ließ erst von ihr ab, als sein Stiefsohn ihm ein Küchenmesser in den Rücken rammte. Wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlicher Trunkenheit am Steuer wurde der 43-Jährige gestern von der Fünften Strafkammer am Gießener Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem muss er 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen und den Führerschein für neun Monate abgeben.

Weiterhin ordnete das Gericht unter Vorsitz von Reinhard Grün an, den Angeklagten in einer Therapieeinrichtung unterzubringen. Denn obwohl der psychiatrische Gutachter Dr. Rainer Gliemann eine Alkoholkrankheit nicht ausdrücklich bestätigte, weil dafür der einjährige Begutachtungszeitrahmen fehlte, sah die Kammer genau dies als erwiesen an: »Sie sind soweit, dass sie alkoholsüchtig sind«, bescheinigte der Vorsitzende Richter dem Angeklagten bei der Urteilsbegründung.

Auch am Tattag war jede Menge Alkohol im Spiel. Mindestens zehn Halbliterflaschen Bier hatte der gelernte Betonbauer intus - bei günstiger Berechung. Abends wollte die Familie eigentlich grillen. Das Ehepaar, das 2002 geheiratet hatte, kaufte morgens noch dafür ein. Am Nachmittag kam es zum Streit, weil der Vater des Angeklagten abgesagt hatte. Doch statt sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, tat Guido B. das, was er immer in solchen Situationen tat - er lief weg. Genauer gesagt: Er fuhr mit dem Auto, wohlwissend, dass er dafür bereits viel zu viel getrunken hatte.

Seine Frau rief ihn mehrmals telefonisch an, aber er ignorierte die Aufforderung, nach Hause zu kommen. Erst als sie ihm damit drohte, die Polizei zu rufen, gab er nach.

Daheim angekommen, kam es erneut zum Streit, diesmal um den Wagen. Sie forderte die Herausgabe des Fahrzeugscheins, er beharrte darauf, dass es sein Auto sei. Die Auseinandersetzung eskalierte. Er begann seine Frau, die gestern als Nebenklägerin auftrat, mit beiden Händen zu würgen, drückte ihr den Hals zu und rief mehrmals »Ich bring dich um!«.

Das Opfer sprach im Zeugenstand von Todesangst. »Ich bekam keine Luft mehr und dachte, mein Brustkorb explodiert«, erklärte die 51-Jährige, die sich seit dem Vorfall in psychiatrischer Behandlung befindet.

Ihr damals 15-jähriger Sohn rettete ihr das Leben. »Sie können von Glück sagen, dass er die Notbremse gezogen hat, ein paar Minuten später wäre der Ofen aus gewesen«, war sich der Richter sicher. Denn »wie von Sinnen« würgte der Angeklagte - er selbst sagte aus, sich an die Einzelheiten der Tat nicht erinnern zu können - seine Frau, hörte daneben gar nicht auf die Aufforderungen des Jungen, endlich damit aufzuhören.

Der 15-Jährige rief, schubste, dann klopfte er seinem Stiefvater mit dem Griff eines Küchenmessers auf den Rücken - nichts passierte. Als seine Mutter im Überlebenskampf das Bewusstsein verlor, stach er ihm mit aller Kraft ins linke Schulterblatt. Erst in diesem Moment kam der Angeklagte zu sich, ließ von seinem Opfer ab. Erinnerungen hat er angeblich erst wieder an die Zeit, als die zu Hilfe gerufenen Nachbarn und die Polizei vor Ort waren.

Das Gericht ging von einer Affekthandlung aus, nichts spräche dagegen, so Reinhard Grün in der Urteilsbegründung. Das sah auch Staatsanwalt Nicolaus-Alexander Hahn so. Er hielt dem Angeklagten sein blütenweißes Vorstrafenregister und die ehrliche Einlassung vor Gericht zugute.

Den Grund für die Tat, sah der Anklagevertreter im Alkohol, weshalb er dringend zu einer Therapie riet. Seine Strafmaßforderung: drei Jahre und drei Monate.



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