22. Februar 2018, 21:11 Uhr

»Frankophil« seit der Jugend

22. Februar 2018, 21:11 Uhr
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Aus der Redaktion

Der Grundstein für sein Interesse an den deutsch-französischen Beziehungen wurde bei Christian Mühling schon früh gelegt. Nahm er doch bereits als Jugendlicher an Austauschprogrammen der Stadt Hungen mit der Partnergemeinde St. Bonnet de Mûre teil. Dem deutsch-französischen »Thema« ist Mühling treu geblieben, mit seiner Dissertation weit gekommen. Bis ins »Hôtel de Beauharnais«, dem Sitz des deutschen Botschafters in Paris. Dort nahm er den mit 4500 Euro dotierten deutsch-französischen Dissertationspreis entgegen.

Studium in Paris und Marburg

»Die europäische Debatte über den Religionskrieg (1679-1714). Konfessionelle Memoria und internationale Politik im Zeitalter Ludwigs XIV« lautet der Titel seiner Doktorarbeit. Die hat der »frankophile« Absolvent der Gesamtschule Hungen unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Kampmann von der Universität Marburg und Prof. Dr. Olivier Chaline von der Universität Paris-Sorbonne verfasst. Mühling thematisiert darin Religionskriege im frühneuzeitlichen Europa sowie die deutsch-französischen Beziehungen in diesem Kontext. Was verstanden die Menschen unter einem Religionskrieg, wie verwendeten sie den Begriff? War er negativ oder positiv belegt? Fragen, auf die er Antworten suchte.

An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert entstand laut Mühling ein Geschichtsbild vom »Religionskrieg«, das bis heute nachwirkt. Dazu gehöre etwa die Einschätzung, die Religion sei an den meisten Kriegen schuld gewesen, von den Kreuzzügen bis hin zum Krieg der USA gegen den Irak.

Mühling hat in Marburg und Paris Geschichte, Romanische Philologie und evangelische Theologie studiert. 2012 bis 2016 hat er im Rahmen eines binationalen Promotionsstudiums seine Doktorarbeit geschrieben; unterstützt durch Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der deutsch-französischen Hochschule Saarbrücken und des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte in Mainz. Die Dissertation hat er mit der Bestnote summa cum laude abgeschlossen. Nach der Promotion übernahm er eine Habilitationsstelle am Institut für Neuere Geschichte der Uni Würzburg.

»Ich habe stets am Schüleraustausch mit Saint-Bonnet de Mûre partizipiert und bereits während meiner Schulzeit dort zwei Praktika in der Stadtverwaltung und am Collège Louis Lachenal absolviert«, antwortet Mühling auf die Frage, wie sein Interesse am »deutsch-französischen Thema« geweckt worden sei. In der Oberstufe besuchte er die Leistungskurse Französisch und Geschichte bei Inka Keneder und Armin Trus.

»Herr Trus hat als mein Tutor mit seinen didaktischen Provokationen maßgeblich zur Entwicklung von Widerspruchsgeist und kritischem Denken beigetragen. Zwei Komponenten, die unabdingbar für eine gute wissenschaftliche Praxis sind«, erinnert sich schmunzelnd der heutige Preisträger, der zum Abitur auch seinen ersten akademischen Preis erhalten hat: »Für außerordentliche Leistungen im Fach Französisch«.

Nach Erscheinen der deutschen Ausgabe seiner Doktorarbeit zu Ostern arbeitet Mühling gerade an einer französischen Übersetzung, für die er noch Geldgeber sucht.

»Das wäre eine tolle Sache und würde dem europäischen Charakter der Diskussion um den Religionskrieg Rechnung tragen«, erklärt Mühling. Der renommierte Pariser Verlag Honoré Champion hat ihm ein Angebot unterbreitet, sollte er die nötigen Druckkosten in Deutschland und Frankreich einwerben.

Christian Mühling: »Die europäische Debatte über den Religionskrieg (1679-1714). Konfessionelle Memoria und internationale Politik im Zeitalter Ludwigs XIV.« Erscheint im April 2018 im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht als Band 250 der Veröffentlichungen des Leibniz Instituts für Europäische Geschichte, Mainz. Ca. 620 Seiten, ca. 85,00 Euro. ISBN 978-3-525-31054-0



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