31. Mai 2019, 22:21 Uhr

Fleischer suchen Lehrlinge

31. Mai 2019, 22:21 Uhr
Die Fleischerinnung Gießen will großflächig für ihr Handwerk werben, damit es auch künftig noch viele Metzgereien gibt. (Symbolfoto: dpa)

Die Fleischerinnung Gießen will mit einer individuellen Plakataktion auf ihre handwerklichen Fachbetriebe aufmerksam machen, dabei die Qualität ihrer Handarbeit und der dabei entstehenden Produkte aus Tieren regionaler Herkunft herausstellen. Dabei geht es um kontrollier- und nachvollziehbare Aufzucht sowie kurze Wege.

Mit dieser Werbung will die Innung für ihr Lebensmittelhandwerk auch beruflichen Nachwuchs für eine Ausbildung als Fleischer oder Fachverkäuferin gewinnen. Obermeister Carlos Zach-Zach aus Gießen erläuterte in der Innungsversammlung diese Idee und fand Zuspruch bei seinen Kollegen.

Als Erfolg für das Fleischerhandwerk wertet der Obermeister die auf Druck des Deutschen Fleischerverbandes eingeführten Leitsätze für vegane und vegetarische Produkte. Ziel war und ist, irreführende Angaben und Bezeichnungen von vegetarischen, fleischfremden Produkten zu verwehren, sich beispielsweise Schinkenwurst oder Bierschinken zu nennen, wenn zu deren Herstellung Fleischersatzprodukte verwendet wurden.

Lehrlinge zu motivieren fällt dem Lebensmittelhandwerk - neben den Fleischern auch den Bäckern und dem Gastronomiegewerbe - zunehmend schwerer. Dass dies in vielen anderen Gewerken noch kein so großes - oder teilweise überhaupt kein Problem - ist, hilft Fleischern und Bäckern aber nicht wirklich weiter. Deshalb lässt es sich die Innung etwas kosten, mit teils großflächigen, auf die einzelnen Betriebe bezogenen Plakaten an die Öffentlichkeit zu gehen. Die in Launsbach tagende Innungsversammlung beschloss nun, diesen Weg zu beschreiten.

Berufschulstandorte auf Prüfstand

Insgesamt, so Obermeister Zach-Zach, habe das Fleischerhandwerk seine Marktposition behaupten können. Dazu beigetragen habe auch, »dass der Markt frei von Lebensmittelskandalen und trendbedingten Konsumstörungen war«. Die Nachfrage nach Fleisch sei zwar zurückgegangen, die Umsätze der lokalen Fleischerfachgeschäfte jedoch »in einem schrumpfenden Absatzmarkt durch den spürbaren Nachfragetrend nach Qualitätsprodukten und Fleisch aus der Region« günstig beeinflusst worden. Hieran wolle auch die Werbeaktion anknüpfen.

Allerdings hat sich die Zahl der handwerklichen Fleischereibetriebe und ihrer Filialen weiter verringert, sagte Zach-Zach. Deutschlandweit stelle das Fleischerhandwerk aktuell noch 20 552 Verkaufsstellen. Davon sind 12 360 Stammbetriebe und knapp 8200 Filialen. Hinzukommen noch etwa 5000 Verkaufswagen auf Märkten. Im Fleischerhandwerk waren im Jahr 2017 etwa 141 300 Personen beschäftigt, inklusive Inhaber und Familienangehörigen.

Der zunehmende Mangel an Auszubildenden schlage sich auch auf die Berufsschulen nieder. Da keine Klassenstärken mehr zusammenkommen, fordere das hessische Kultusministerium die Nutzung von Synergieeffekten seitens der Bildungseinrichtungen, in der Region beispielsweise der Gießener Aliceschule und der Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar. Schulen und Innungen sind nun in gemeinsamer Anstrengung kurzfristig gefordert, Lösungen zu suchen und dem Kultusministerium anzubieten, wie sich der Berufsschulstandort Mittelhessen künftig positionieren könnte.

Bezogen auf das Jahr 2017 standen im ganzen Land 663 Betriebsgründungen 1100 Stilllegungen im Fleischerhandwerk gegenüber. Der Rückgang der Anzahl selbstständiger Betriebe um 437 im Laufe eines Jahres ist laut Gießener Obermeister Zach-Zach wesentlich auf das Fehlen geeigneter Nachfolger aus Familie oder Betrieb zurückzuführen.

Auch habe ein zunehmend unternehmerfeindliches Klima einschließlich hoher bürokratischer Anforderungen, zunehmender Regulierungen sowie steigender Gebühren und Abgaben die Bereitschaft zur Übernahme eines unternehmerischen Risikos vermindert, sagte Zach-Zach.

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