18. Januar 2018, 05:00 Uhr

Feuerwehr-Konflikt

Fernwalds Brandschutz in Gefahr?

Erst in drei Wochen soll die endgültige Entscheidung über den Feuerwehr-Standort Albach fallen. Geschieht dies nicht, sehen einige die Sicherstellung des Brandschutzes gefährdet.
18. Januar 2018, 05:00 Uhr
Volles Haus in der Fernwaldhalle: An die 200 Zuhörer verfolgen Parlamentssitzung. (Foto: ti)

»Es ist kein besonders glanzvolles Bild, das wir hier heute abgeben«, resümierte Fernwalds Parlamentschef Dr. Robert Horn am Ende der Sondersitzung der Gemeindevertreter am Dienstagabend. Nach mehr als zwei Stunden sei »praktisch nichts herausgekommen«, und dafür entschuldigte er sich bei den fast 200 Zuhörern. Immerhin: Ein Antrag liegt nun auf dem Tisch, eingebracht von Bürgermeister Stefan Bechthold.

Beratungsbedarf bei CDU, FDP und Grünen

Eine Entscheidung darüber allerdings wurde vertagt, weil    CDU, Grüne und FDP noch Beratungsbedarf sehen. Zugegeben: Die Beschlussfassung wiegt schwer, immerhin geht es um die Zukunft des Feuerwehr-Standortes Albach, dessen Auflösung der Behördenchef in seinem Antrag unter anderem fordert (siehe Kasten). Doch für Bechthold und andere geht es mittlerweile um mehr. Sie sehen den Brandschutz in der Gemeinde in Gefahr, wenn nicht endlich ein Schlussstrich unter die Angelegenheit gezogen wird.

Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass der Brandschutz nicht gesichert ist

Gerd Espanion

Schon vor Monaten hatten die Einsatzabteilungen Annerod und Steinbach öffentlich erklärt, dass mit den Albacher Kameraden keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich sei. Mittlerweile sehen sie offenbar auch den Rückhalt in der Gemeindevertretung schwinden, wie der Bürgermeister auf Nachfrage sagte. Er forderte die politisch Verantwortlichen auf: »Heute müssen Fakten geschaffen werden. Für die Zukunftsfähigkeit der Feuerwehr und die Sicherung des Brandschutzes.« Das sahen auch andere so, nicht nur in der SPD-Fraktion, von der Gerd Espanion erklärte: »Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass der Brandschutz nicht gesichert ist.«

Schwere Vorwürfe

Stefan Becker (FW) beispielsweise, selbst Feuerwehrmann, erhob schwere Vorwürfe gegenüber den »Verantwortlichen der Kampagne«. Sie hätten »immer wieder Brandbeschleuniger nachgeschüttet«, dadurch andere Feuerwehren verärgert und Vertrauen zerstört. »Heute stehen sie neben der Ruine und andere sollen Schuld sein«, so Becker. Unter solchen Rahmenbedingungen ist seiner Ansicht nach »keine eigene Einsatzabteilung in Albach möglich«, eine Entscheidung dazu unausweichlich. Becker: »Das erwarten die Bürger von uns.« Unter lautem Beifall verließ er das Rednerpult.

Die Kuh muss endlich vom Eis

Mark Reitmeier

Mark Reitmeier (CDU), ebenfalls Feuerwehrmann, erklärte, dass auch seine Fraktion ein Ende des Konfliktes wolle. »Die Kuh muss endlich vom Eis. Aber richtig, nicht so, dass sie irgendwann wieder aufersteht und uns um die Ohren fliegt.« Deshalb forderte er Beratungszeit. Die Gründe dafür hatte Fraktionskollege Mathias Klose zuvor ausführlich darlegt.

Offene Fragen

Zahlreiche Fragen seien unbeantwortet, insbesondere die der möglicher finanzieller Konsequenzen. Welche Investitionen etwa kämen im Fall eines Standort-Erhaltes auf die Gemeinde zu, um das Gebäude weiter zu erhalten? Was würde bei einer anderen Nutzung an Kosten anfallen, und was würde eine Eingliederung in Steinbach an Ausgaben nach sich ziehen? Fehlende Informationen, die seiner Ansicht nach aber Grundlage für eine Entscheidung sein müssten. Klose: »Der Antrag ist es wert, ordentlich beraten und abgestimmt zu werden. Aber heute sind wir dazu nicht imstande«, äußerte er für CDU, Grüne und FDP.

Vorwurf der Verzögerung

Der Parlamentschef sah es anders, wollte Zuschauer und Brandschützer »nicht länger hinhalten«. Letztlich einigte man sich darauf, die Abstimmung zu vertagen. Eine Entscheidung soll in der nächsten Parlamentssitzung fallen, die für Dienstag, 6. Februar, terminiert ist. Über Horns Wortwahl äußerte sich Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Voigt kritisch, der sich gegen den mitschwingenden Vorwurf der Verzögerung wehrte. In seinen Augen hätte der Antrag des Bürgermeisters vorher verschickt werden und alle sich darauf vorbereiten können. Der Bürgermeister sah lediglich »vorgeschobene Gründe«. Bechthold: »Die Fakten liegen auf dem Tisch und jeder kennt sie.« Er sei gespannt auf den 6. Februar. Für diesen wird ein Beschluss erwartet. Nicht nur von Gerd Espanion, der sagte: »In drei Wochen sind Fakten gefragt, dann muss man den A. in der Hose haben, um letztlich eine Entscheidung zu treffen.«

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