21. November 2017, 21:48 Uhr

Feiner Schnitt mit Ultraschall

Chronische entzündliche Darmerkrankungen waren Thema des Koloproktologie-Kongresses in Frankfurt. Dazu wurde eine Operation live aus der Asklepios-Klinik in das Tagungszentrum übertragen.
21. November 2017, 21:48 Uhr
Chefarzt Thilo Schwandner erklärt vor der Kamera, was im Operationssaal vor sich geht. Die Bilder werden aus der Licher Klinik live nach Frankfurt übertragen, wo Fachmediziner die Erläuterungen und die Operation verfolgen. (Foto: isb)

Zum achten Mal haben Privatdozent Dr. Thilo Schwandner, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der Asklepios-Klinik, und Prof. Dr. Matthias Schwarzbach, Chefarzt der Klinik für Allgemeinchirurgie des Klinikums Frankfurt Höchst, gemeinsam mit dem End- und Dickdarmzentrum Hessen Mitte eine Live-Übertragung aus drei Operationssälen für den fachlichen Austausch ausgerichtet.

So sitzen also rund 250 Fachmediziner sowie weiteres medizinisches Fachpersonal aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Frankfurt-Höchst, während die Pressevertreter mit einem mulmigen Gefühl ihre Alltagskleidung gegen Krankenhaus-Grün eintauschen und mit Expertise von Assistenzärztin Maria Nagy in den Operationssaal schreiten.

Doch die Bedenken weichen schnell einer Faszination für eine ganz eigene Welt, die man sonst nie zu Gesicht bekommen würde. Der OP-Bereich entpuppt sich als eine Art zweiter Betrieb im Betrieb. Entgegen der Vorstellung eines kleinen abgeschlossenen anonymen Bereichs, findet sich dort reges Treiben mit offenen Räumen, in denen das Personal in ständigem Austausch miteinander agiert.

Maria Nagy erklärt: »Nur das freundschaftliche Miteinander, dass man sich auf die Kollegen verlassen kann und dass der Chef zu hundert Prozent hinter uns steht, ermöglicht einen reibungslosen Ablauf.« Sieht man als Patient aus der Horizontalen nur Decke und grelles Licht, so offenbart sich hinter den Kulissen nun ein ganz anderer Eindruck. Die Erkenntnis des Tages ist: Der Perspektivenwechsel hat Vertrauen geschaffen.

Wenn man unerklärliche Schmerzen hat, etwas Auffälliges an seinem Körper entdeckt oder sich mal wieder durchchecken lassen müsste, ist das mit Ängsten verbunden – die Ungewissheit über das Ergebnis zum Beispiel lässt einen die Symptome verdrängen und den Gang zum Arzt gar nicht erst antreten.

Liegt darüber hinaus die zu untersuchende Stelle unterhalb der Gürtellinie, kommt zu allen Ängsten auch noch Scham hinzu. Dabei gilt es, gerade dem Darm als überaus wichtiges Organ, welches sogar als zweites Gehirn bezeichnet wird, besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Bis zu 80 Prozent aller Immunzellen befinden sich im Darm, so sorgt dieser maßgeblich für unsere Gesundheit. Wie wichtig die Verdauungsorgane und insbesondere deren einwandfreies Funktionieren sind, wird einem leider oft erst dann bewusst, wenn man bereits krank ist.

Gutartige Wucherungen

Dabei lassen sich schlimme Krankheiten wie etwa Darmkrebs sehr gut behandeln, wenn sie früh erkannt werden. Über Vorsorgeuntersuchungen lassen sich Erkrankungen sogar ganz vermeiden. So können bei einer Darmspiegelung etwa völlig problemlos Polypen entfernt werden, die schmerzlos sind und ohne Untersuchung nicht entdeckt würden. Diese zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut entwickeln sich zu 90 Prozent irgendwann zu Krebs.

Schwandner erklärt als Moderator Krankengeschichte und Eingriff am Patienten für das Auditorium in Frankfurt. Für Laien besonders interessant ist die verwendete Technik: bei sogenannten minimal-invasiven Eingriffen, also Operationen, sind nur noch kleinere Wundöffnungen nötig. Bei der Entfernung eines Dickdarmkrebses wird zum Beispiel ein winzig kleines Skalpell benutzt, das sogenannte Ace-Skalpell, das mit Ultraschall gleichzeitig schneidet und hiernach das durchtrennte Gewebe wieder versiegelt. Die über schmale Eingänge eingeführten Kameras zeigen das Innere des Patienten in 3-D und HD-Qualität. »Dadurch wird ein größerer Raum sichtbar«, erklärt Schwandner, »der unter anderem für das Erkennen der in diesem Bereich so wichtigen Nerven notwendig ist«.

Immer noch erkranken allein in Deutschland jährlich über 70 000 Menschen neu an einer Darmerkrankung, mehr als 20 000 von ihnen versterben an den Folgen.

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