Kreis Gießen

Fastnachter im Fegefeuer

Sie haben es so gewollt: Etliche Krofdorf-Gleiberger Fastnachter müssen durchs Fegefeuer. Auf sie wartet die »Hölle von Rödermark«. Hinter diesem martialischen Titel verbirgt sich das »Fastnachtsduell«, ein neues närrisches TV-Sendeformat des Hessischen Rundfunks.
05. Januar 2017, 19:00 Uhr
Norbert Schmidt
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Ist die Kampagne der Krofdorf-Gleiberger Fastnachtsfreunde an sich schon ein heißer Ritt, der sich über viereinhalb Wochen und sieben Veranstaltungen hinzieht, so gibt’s in diesem Jahr noch eine verschärfende Maßnahme: Zwei Aushängeschilder des Traditionsvereins starten am 15. Februar beim live übern Äther gehenden »Fastnachtsduell« des Hessen-Fernsehens. Die »Gruppe ohne Weibsleut« (GoW) und das »Männertanzprojekt« (MTP) sind jedoch nicht allein beim Auftritt in der »Hölle von Rödermark«, wie der HR das Spektakel betitelt: Dem Vernehmen nach wollen mindestens zwei Busladungen voll Närrinnen und Narrhallesen aus dem Gleiberger Land mit nach Ober-Roden in Südhessen fahren. Mitten in der Woche zwischen Fremden- und Prunksitzung …
Bei den GoW-Mannen traf die frohe Kunde aus Frankfurt mitten im Advent ein – und ebenfalls vor Weihnachten hatten Hans-Georg Gerlach, Gero Hofmann, Enno Thoms, Peter Halm, Rüdiger Schwarz und Birger Schnepp erstmals Besuch von ihrem Coach, dem Comedian und Singer-Songwriter Andy Ost aus Stockstadt. Damals bereits mit dabei die filmenden Redakteure Moritz Baeck und Yassim Soussi sowie Hans-Georg Wendy, der technische Leiter der von Redakteur Axel Mugler verantworteten Sendung.

Fernsehpublikum entscheidet

Da ging’s ordentlich zur Sache in Schnepps Keller. Die Musik- und Gesangsformation intonierte zunächst jene Lieder, von denen sie annahm, gegen einen Konkurrenten bestehen zu können. Wer das sein würde, wussten die Krofdorf-Gleiberger seinerzeit noch nicht. Jetzt, wo sie meinen, es zu wissen, tut das aber auch nichts zur Sache: Sie sollen sich auf sich konzentrieren, sagte Ost, auf ihre Stärken. Dazu zählen idealerweise ein lupenreiner, bis zu sechsstimmig arrangierter Gesang, ein »fettes Gebläse«, intelligente Texte auf bekannte Melodien, vor allem aus der Abteilung Alpen-Rock, und eine erfrischend selbstbewusste Ausstrahlung.
Beim Besuch des konstruktiv-kritisch beratenden Trainers blitzten diese Talente allerdings nur punktuell auf: Gerlach und Co. waren heftig nervös. Da half auf einmal alle Routine nichts, mit der sie ansonsten selbst große Auditorien auf den Kopf stellen. Gefährlich sei es vor allem, das Format aus dem Auge zu verlieren, unterstrich Ost: »Das eine ist eine Sitzung, da geht’s nur um die Leut im Saal. Hier aber reden wir über eine Fernsehsendung: Da muss die Stimmung im Saal stimmen – und in den Wohnzimmern der Zuschauer.« Letztere seien es ja auch, die per Anruf abstimmten, wer der Bessere sei.
Grundsätzlich lobte Ost die »Riesenpräsenz« der GoW-Leute, die ihrerseits den Gang ins »Trainingslager« ankündigten. Am Dienstag kehrt der Coach nach Krofdorf zurück, dann geht’s ans Feintuning des auf sieben Minuten limitierten Beitrags. Mehr sei für den Moment nicht verraten. Könnte sein, dass die Konkurrenz Zeitung liest.
Das »Fastnachtsduell« ist eine neue Show für Kappen, die – so hieß es in der bereits im Sommer verbreiteten Ausschreibung – »noch nie im Fernsehen aufgetreten sind«. Aufgerufen sind folgende Kategorien: Büttenrede männlich, weiblich und Nachwuchs, Männerballett sowie Musik. 30 Bewerber aus Hessen hatten es in die Schlussauswahl geschafft, zehn davon wurden genommen. Einer der Sieger bekommt eine »Wildcard« für »Hessen lacht zur Fassenacht« 2018.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Fastnachter-im-Fegefeuer;art457,148297

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