06. März 2017, 18:32 Uhr

Axt-Attacke

Fahrradfahrer mit Beil angegriffen und verletzt

Ein Student, der sich in Lollar auch an einem 13-jährigen Mädchen vergriffen hat, muss sich jetzt vor Gericht verantworten.
06. März 2017, 18:32 Uhr
Im Gerichtssaal präsentiert sich der Beschuldigte – mit Rechtsanwältin Gabriele Steck-Bromme – ruhig und sachlich, äußert sich aber nicht zu Details der Vorwürfe. (Foto: sha)

Der höflich und verbindlich wirkende 25-Jährige hatte schon einige Tätigkeiten hinter sich, bevor er an die Universität nach Marburg gegangen war, um Philosophie zu studieren: Campingplätze reinigen, ein Theaterpraktikum und einen Nebenjob in einer Behindertenwerkstatt. Hätte er noch berichtet, in der Flüchtlingshilfe aktiv gewesen zu sein – man hätte es dem Brillenträger mit Zopf und geringeltem Pullover sofort geglaubt. Viel schwieriger vorstellbar, dass er am 20. April vergangenen Jahres nahe Lollar mit einer Axt bewaffnet plötzlich auf eine Landstraße sprang, auf einen Fahrradfahrer einschlug und kurz darauf in Odenhausen ein 13-jähriges Mädchen in einen Hinterhof zerrte, weil er es vergewaltigen wollte. Aber es stimmt. Zwar wollte der in Baden-Württemberg geborene Mann sich nicht zu Details äußern, räumte am Montag vor der Ersten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichts jedoch ein, dass es diese Vorfälle gab.

 

Kaufmännische Lehre oder Klinik?

 

Was trieb den so sachlich auftretenden Badener zu diesen Gewaltexzessen? Eine psychische Erkrankung. Laut Anklage leidet der Student an Schizophrenie und war zur Tatzeit schuldunfähig. Deshalb handelt es sich bei diesem Prozess um ein Sicherungsverfahren (siehe Infokasten), an dessen Ende die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik stehen könnte. Angehörige der Opfer befanden sich nicht im Raum. Dafür die Eltern des 25-Jährigen. Mit im Schoß gefalteten Händen verfolgten sie den Prozessauftakt. Da der Vater gleich zu Beginn über Verteidigerin Gabriele Steck-Bromme mitteilen ließ, er werde von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen, konnte auch er im Saal bleiben. Und hören, dass es dem Fahrradfahrer, der an jenem Frühlingsabend von seinem Sohn angegriffen wurde, immer noch »schlecht« geht. Durch die Vorladung zur Verhandlung sei »alles wieder hochgekommen«, schilderte der 40-Jährige. »Ich hatte Todesangst!« Der Beschuldigte sei plötzlich mit einer Axt bewaffnet auf die Fahrbahn getreten und habe ihm – zum Glück mit der stumpfen Seite – gegen den Unterarm geschlagen, der kurz danach dick angeschwollen sei. Obwohl er einen »hohen Gang« eingeschaltet hatte, gelang dem Opfer die Flucht, bevor der Beschuldigte zum zweiten Mal zuschlagen konnte.

Gesagt habe der Angreifer nichts, schilderte der 40-Jährige. Das war kurz darauf in Odenhausen anders: Dort soll der Mann die 13-Jährige nicht nur gewürgt, sondern auch verbal eingeschüchtert haben, las Oberstaatsanwältin Yvonne Vockert aus der Anklage vor. Richter Prof. Patrick Gödicke, der die Sitzung leitete, deutete an, dass dem Mädchen am Donnerstag möglicherweise die Aussage vor Gericht erspart werden könne. Abhängig sei dies von den Einlassungen anderer Zeugen, die den Vorfall beobachtet hatten.

Bei dem Fahrradfahrer entschuldigte sich der Student ausdrücklich. Allerdings wandte er sich entschieden gegen seine mögliche Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. »Ein Mensch braucht Freiraum, um sich zu entfalten!« Und er wolle sich zum Medienkaufmann ausbilden lassen. Bezogen auf seine Erkrankung gab er sich einsichtig. Er habe bei zwei früheren Aufenthalten in Kliniken gedacht, die »spottenden Stimmen«, die er höre, seien durch seinen Cannabiskonsum hervorgerufen worden. Deshalb habe er die Medikamente später wieder abgesetzt. Solche »Experimente« werde er aber nicht mehr machen, sondern seine Medikamente auch außerhalb der Klinik weiter nehmen, versicherte er.

Für wie zuverlässig oder riskant die Richter diese Aussage halten, wird sich bis zum 6. April entscheiden.

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