27. März 2019, 13:00 Uhr

Verkehr

Experten sagen: Lich hat kein Verkehrsproblem

Zu hohe Verkehrsbelastung in Lich? Fehlanzeige! Zumindest nicht nach einer Bestandsanalyse von Experten aus Darmstadt. Dennoch besteht Handlungsbedarf.
27. März 2019, 13:00 Uhr
Zu Stoßzeiten staut sich der Verkehr in der Braugasse bei roter Ampel mitunter weit zurück. Verkehrsexperten bewerten die Situation aber als nicht problematisch. (Archivfoto: ti)

Zu wenig Parkplätze, kein Durchkommen in den Stoßzeiten. Das Unterwegssein in der Licher Innenstadt empfinden viele Autofahrer als anstrengend.

Darüber hatte vor gut zwei Jahren der Ausschuss für Stadtentwicklung schon intensiv diskutiert und dem Thema Verkehr im Herbst 2017 höchste Priorität eingeräumt. In einer gemeinsamen Sitzung mit Bau- und Sozialausschuss kam es am Montagabend erneut aufs Tablett.

 

Lich: Situation nicht schlecht

Dort stellten Mitarbeiter des Darmstädter Planungsbüros R+T eine Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan vor, die sie im Auftrag der Kommune erarbeitet hatten. Fazit: Eigentlich ist die Situation gar nicht so schlecht.

Im vergangenen Jahr hatten die Verkehrsexperten aus Südhessen Kfz-, Fuß- und Radverkehr, die Parkplatzsituation, den ÖPNV und Mobilitätsverbund in Lich genau unter die Lupe genommen, Erhebungen und Zählungen gemacht, vorhandene Unterlagen ausgewertet. Vom Ergebnis zeigte sich so mancher Mandatsträger überrascht.

 

Lich: Wenig Schwerverkehr

Die Verkehrsbelastungen auf Gießener und Kolnhäuser Straße seien zwar am höchsten, aber im »verträglichen Rahmen«, führte Verkehrsplanerin Sabrina Weisz aus.

Ebenso der Anteil des Schwerverkehrs, der auf den Hauptachsen zwischen 2,5 und 4,5 Prozent ausmacht. Alle Knotenpunkte seien leistungsfähig, die Rückstaus in den Rotphasen der Ampeln lösten sich zügig wieder auf.

 

Lich: Viele Tempo-30-Zonen

Positiv wurden die umfassenden Tempo-30-Zonen und -Strecken sowie verkehrsberuhigte Bereiche gewertet.

Was den ruhenden Verkehr angeht, so wurden insgesamt 478 öffentlichen Parkplätze in Altstadt, Kirchhofsgasse und Ringstraße untersucht.

Resultat: Die vorhandenen Flächen in der Altstadt sind vor allem morgens und nachmittags durch Besucher und Beschäftigte hoch ausgelastet. Insgesamt stehen aber ganztags Reserven zur Verfügung, denn die Auslastung in Ringstraße und Kirchhofsgasse beträgt laut Weisz maximal 30 Prozent.

 

Lich: Gute Infrastruktur für Fußgänger

Fußgänger finden in Lich eine gute Infrastruktur und viele verkehrsberuhigte und barrierefreie Bereiche. Gehwege seien nur an wenigen Stellen zu schmal.

Bemängelt wurden seitens der Planer fehlende Querungshilfen an stark befahrenen Straßen wie Oberstadt oder Hopfengarten, Barrieren im Einkaufsbereich durch Aufsteller und Blumenkübel sowie das Fehlen einer optimalen Verknüpfung zwischen Altstadt und dem »neuen Zentrum« am Rewe-Markt.

 

Lich: Zu wenig Radständer

Für Radfahrer fehlen vor allem im zentralen Bereich entsprechende Wege, außerdem Querungen an besonders stark belasteten Einfallstraßen sowie Abstellmöglichkeiten in der Altstadt. Vorhandene Angebote wie das Bike-and- Ride am Bahnhof seien meist überlastet.

In Sachen ÖPNV wurde die schwerere Erreichbarkeit des Bahnhofs aus den westlichen Wohngebieten bemängelt, ebenso die oft nicht vorhandene Barrierefreiheit an Bushaltestellen.

Auch was die Verknüpfung der Verkehrssysteme angeht, sehen die Planer Handlungsbedarf. Diese sei zwar teilweise vorhanden, aber es fehlten ausreichend Abstellmöglichkeiten für Räder am Bahnhof sowie gänzlich an Bushaltestellen.

Die Anzahl der Park-and-Ride-Plätze sei zu prüfen, die Verknüpfung von Bus und Bahn zu optimieren, so Weisz.

 

Lich: Was zu tun ist

Ihre Empfehlung: Den Aufenthaltswert in der Altstadt durch weitere Verkehrsberuhigungen steigern, den Parkverkehr in die Randbereiche verlagern, um die Altstadt zu entlasten.

Darüber hinaus regt die Verkehrsexpertin Lückenschlüsse im Radverkehrsnetz, ein Mehr an Abstellmöglichkeiten für Drahtesel, eine Verbesserung der fußläufigen Erreichbarkeit wichtiger Ziele, die Schaffung übersichtlicher und barrierefreier Querungen sowie eine bessere Verknüpfung von Bus und Bahnbetrieb an.

 

Lich: Bürgerworkshop geplant

Wie es jetzt weiter geht? Die Ergebnisse der Analyse sollen zunächst auch bei einem Bürgerworkshop nach World-Café-Vorbild vorgestellt werden.

In diesem Rahmen haben die Licher die Möglichkeit, ihre Anregungen einfließen zu lassen. Nachdem das Darmstädter Planungsbüro dies aufbereitet hat, wird der Ausschuss für Stadtentwicklung voraussichtlich im Sommer darüber beraten.

Kein einfacher Prozess, der in Lich ansteht. Denn bei 14 500 Einwohnern wird vermutlich so manche Meinung geäußert, die am Ende keine Berücksichtigung finden wird.

»Sie werden um unangenehme Entscheidungen nicht herum kommen«, versicherte Bürgermeister Bernd Klein den Mandatsträgern und riet ihnen: »Hartnäckig bleiben, langfristig denken.«

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