08. Januar 2019, 18:40 Uhr

Evangelische Kirche zu Vorwürfen gegen Dorfschmiede: »Nicht nachzuvollziehen«

08. Januar 2019, 18:40 Uhr

Laubach (tb). Das Sanierungsgutachten zur »DorfSchmiede« Freienseen gGmbH liegt seit dem Spätherbst vor – auch den Fraktionen des Stadtparlaments. Im Auftrag der Gesellschafter von einem Wirtschaftsprüfer erstellt, listet es insbesondere die Fehler der Vergangenheit auf; über fehlendes betriebswirtschaftliches Denken und die drohende Insolvenz wurde bereits mehrfach berichtet. Für die Zukunft aber werden dem Mehrgenerationenhaus mit betreuten Wohnungen, Tagespflege und Dorfladen gute Aussichten bescheinigt. Von einem sicheren Fundament ist da die Rede.

Soweit, so gut. Für Irritationen aber hat jetzt eine Empfehlung zur Ertragsverbesserung des Dorfladens gesorgt: Unter Hinweis auf einen angestammten kleinen Laden in der Wintergasse, der Backwaren eines Mitbewerbers anbietet, heißt es im Gutachten: »Vermutlich eine Frage der Zeit, wie lange sich die Verkaufsstelle halten wird.« Und weiter: »Alles daran setzen, dass die Verkaufsstelle unrentabel arbeitet.«

Dass kein Verantwortlicher der Dorfschmiede ein Interesse habe, den kleinen Laden »kaputt zu machen« oder Kunden abzuwerben, es keinerlei Belege für derlei Gerüchte gebe, betont dagegen Michael Köppen. Er gehört für die Stadt – diese hält fünf Prozent der Anteile der gemeinnützigen GmbH, der Rest die evangelische Kirche – dem kaufmännischen Gremium an, das im Herbst 2017 eingesetzt wurde. Seither dürfen sämtliche Entscheidungen finanzieller Tragweite nur nach Rücksprache mit dem Beirat getroffen werden. Köppen verwies auch noch darauf, dass Geschäftsführer und Beiräte eine »zusammenfassende Bewertung« unterzeichnet hätten, diese sich aber nicht auf die Liste der Empfehlungen mitsamt der inkriminierten Passage beziehe.

 

Gutachten-Empfehlung »überholt«

 

Angebliche Abwerbeversuche von Kunden mit Backwarenbedarf weist ebenso Freienseens Pfarrerin zurück. Susanne Metzger-Liedtke: »Es ist nicht einfach, auf Gerüchte angemessen zu reagieren.« Doch könne man die Vorwürfe nicht so stehen lassen. Wieso die Konkurrenzsituation gerade jetzt zum Thema werde, könne sie nicht nachvollziehen, wo doch beide Verkaufsstellen seit Monaten nebeneinander ihr Auskommen hätten. Von einer Beeinflussung der Menschen, in das eine oder andere Geschäft zu gehen, wisse sie nichts und lehne dies auch ab.

In besagter Passage aus dem »vertraulichen« Gutachten werde zwar die Möglichkeit angesprochen, die Verkaufsstelle unrentabel zu machen, was sie ebenso ablehne. Die Textpassage aber gebe den Stand vom Mai 2018 wieder. Damals seien viele Optionen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Dorfladens diskutiert worden. Nach Eigentümerwechsel und zeitweiliger Schließung sei die Rede davon gewesen, dass die andere Verkaufsstelle nicht weitergeführt würde. Deshalb sei nicht absehbar gewesen, wie die Backwaren des Dorfladens künftig angenommen werden. Ob der positiven Gesamtentwicklung des Umsatzes des Dorfladens sei es aus heutiger Sicht der Verantwortlichen nicht notwendig, besondere Maßnahmen zu ergreifen. Abschließend: »Für die Freienseener ist es doch ein Vorteil, zwischen zwei Angeboten wählen zu können.«

Das Gutachten liegt derzeit bei der WI-Bank, die über das Landeswohnungsbaudarlehen von 200 000 Euro zu entscheiden hat. Ende Januar soll es in der Gesellschafterversammlung der Dorfschmiede, dann im Hauptausschuss des Stadtparlamentes beraten werden – und zwar die »komplette« Ausfertigung, wie Erste Stadträtin Isolde Hanack jüngst den Fraktionen zusicherte (es fehlte der Anhang, in dem etwa Umsatzdaten genannt werden, die Red).

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