12. Oktober 2018, 18:00 Uhr

Bürgermeisterwahl

»Es geht bergauf«: Dietmar Kromm will Bürgermeister von Reiskirchen bleiben

Bei seinem Amtsantritt als Bürgermeister hatte er die Aufgaben unterschätzt. Aber er findet, dass er seit 2013 einiges geschafft hat. »Nun geht es in Reiskirchen bergauf«, sagt Dietmar Kromm. Sein Ziel: »Gemeinsam wachsen«.
12. Oktober 2018, 18:00 Uhr
Dietmar Kromm möchte gerne Bürgermeister von Reiskirchen bleiben. (Foto: Henß/us)

Wie läuft der Wahlkampf? Dietmar Kromm schaut bei dieser Frage ein bisschen irritiert. »Wahlkampf? Den mache ich seit fünfeinhalb Jahren.« Soll heißen: Wenn die Reiskirchener am 28. Oktober ihren Bürgermeister wählen, will sich der Amtsinhaber an seiner Arbeit messen lassen. »Das ist für mich das A und O: Dass man seine Aufgabe ernst nimmt und sie so gut erfüllt, wie es geht«, sagt der 54-Jährige, der seit März 2013 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt.

Kromm hat viel Arbeit und wenig Zeit. Aber Klappern gehört zum Handwerk, vor allem, wenn noch zwei andere Kandidaten im Rennen sind. Und deshalb macht der parteilose ehemalige Kriminalhauptkommissar doch Wahlkampf mit Plakaten und Broschüren. Und mit Bürgermeister-Cafés, zu denen er an mehreren Sonntagen in allen Ortsteilen eingeladen hat.

Ich verschanze mich nicht in meinem Büro

Dietmar Kromm

Die Veranstaltung im Grünen Saal, einem Nebenraum des Reiskirchener Bürgerhauses, ist das vorletzte Treffen dieser Art. Kromm hat Blechkuchen, Kaffee und kalte Getränke geordert, auf den Tischen liegen seine Flyer, dazu hölzerne Kugelschreiber und Tütchen, die Ringelblumen-Samen enthalten. »Gemeinsam wachsen« – so formuliert Kromm sein Ziel für eine zweite Amtszeit. Er erzählt, dass er Plakate und Flyer selbst entworfen hat und die Broschüren auch selbst verteilt.

Anders als bei seiner ersten Kandidatur vor sechs Jahren kann der parteilose Kromm diesmal nicht auf die Unterstützung der CDU zählen. Aber er habe Helfer, sagt er, nicht zuletzt aus der Familie, zu der zwei erwachsene Kinder gehören. Und seine Lebensgefährtin Claudia Zanke, die auch zum Bürgermeister-Café mitgekommen ist.

In seiner Broschüre wirbt Kromm für sich mit »100 % parteilos«. Und er listet 16 Punkte auf, die während seiner Amtszeit in Reiskirchen vorangebracht worden sind. Die Beilegung des Wasserstreits führt er auf, den neuen Reiskirchener Sportplatz oder die Sanierung von Straßen, Kindergärten, Hallen und Gemeinschaftshäusern. Aber er räumt auch ein, dass er die vor ihm liegenden Aufgaben vor seinem Amtsantritt unterschätzt hatte. Vor allem der angehäufte Schuldenberg von fast zehn Millionen Euro habe die Umsetzung neuer Maßnahmen gelähmt.

Man steht schon ein bisschen im Wettbewerb zu anderen Kommunen

Dietmar Kromm

Inzwischen seien die Altschulden abgebaut. »Ich bin guter Hoffnung, dass es nun in Reiskirchen bergauf geht.« Über solche Themen und auch über seine Pläne für die Zukunft wollte Kromm mit den Leuten bei den Bürgermeister-Cafés reden. Doch die Resonanz sei »übersichtlich « gewesen, berichtet er unumwunden. Die Kerngemeinde bildet da keine Ausnahme. Gerade einmal sieben Besucher trudeln peu à peu im Grünen Saal ein. Das sei nicht nur bei ihm so, sondern auch bei vielen anderen Wahlveranstaltungen, sagt Kromm. Seine wenigen Gäste stimmen ihm zu.

Karl Kräter, der als Erster gekommen ist, empfindet diesen Wahlkampf als »sehr ruhig«. Nach bald vier Jahrzehnten in der Kommunalpolitik dürfte er das beurteilen können. Kromm trägt das geringe Publikumsinteresse mit Fassung. »Die, die da waren, hatten viele Fragen und Hinweise, was gemacht werden sollte. Das fand ich gut«, erzählt er. Zudem komme er ja auch im Alltag mit den Leuten ins Gespräch. »Ich verschanze mich nicht in meinem Büro.« Die monatliche Bürgermeister-Sprechstunde werde rege genutzt. Noch nie sei jemand abgewiesen worden, der einen Termin vereinbaren wollte. »Und ich beantworte auch Mails, soweit das möglich ist.«

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Die ersten fünf Besucher, die sich bei Kaffee und Kuchen im Grünen Saal niederlassen, sind alle im Rentenalter. Ihr Interesse gilt der baulichen Entwicklung der Gemeinde. Wo ist noch Platz für Gewerbe? Wo soll Wohnraum entstehen? Kromm kann detailliert Auskunft geben. Er zückt sein Tablet und zeigt die Pläne für weitere Gewerbeflächen nahe der Autobahn. Die Erschließung von Gewerbegebieten in Reiskirchen und Lindenstruth sowie bedarfsorientiert auch in anderen Ortsteilen steht auf seiner Agenda für die erhoffte zweite Amtszeit.

Derweil sind zwei weitere, deutlich jüngere Gäste zur Runde gestoßen, ein Geflüchteter, der in Reiskirchen ein neues Zuhause gefunden hat, und eine ehrenamtliche Helferin. Beide haben schon Veranstaltungen der anderen Kandidaten besucht. »Man sollte sich im Dorf doch kennen und informieren«, sagt die Frau. Für die neu Zugezogenen sei das besonders wichtig.

Ihr selbst brennt ein Thema unter den Nägeln: die Zersiedlung der Landschaft, der Flächenverbrauch. Es wäre doch besser, die Häuser in den alten Ortskernen zu sanieren. Wenn nur die Förderrichtlinien nicht so unpraktikabel wären. Kromm pflichtet ihr in diesem Punkt bei, hält aber auch Neubaugebiete für wichtig. Er will Wachstum, denn momentan sei der Bedarf da. »Man steht schon ein bisschen im Wettbewerb zu anderen Kommunen.«

 

Thema Straßenbeiträge

Schließlich kommt die Sprache auch auf ein Thema, das momentan bei kaum einer Wahlkampf-Veranstaltung fehlt: Straßenbeiträge. »Wir brauchen eine größere Solidargemeinschaft «, findet der Bürgermeister, der wiederkehrende Beiträge in der aktuellen Lage, da vom Land keine Unterstützung zu erwarten ist, für die beste Lösung hielte. »Absolut gerecht kriegen wir es nie hin«, sagt er. Und: »Ich finde, die Bürger sollten es selbst entscheiden.«

Gut eine Stunde ist vergangen, zehn Stück Kuchen sind verdrückt, die Gäste verabschieden sich einer nach dem anderen aus dem Grünen Saal. Auf Kromms Terminplan steht noch ein weiteres Bürgermeister- Café, am kommenden Sonntag in Bersrod. Zwei Wochen später wird er wissen, ob er die Reiskirchener mit seinen Argumenten und seiner Arbeit der letzten fünfeinhalb Jahre überzeugen konnte. Einen Tipp für den Ausgang der Direktwahl hat er nicht. Aber einen Wunsch: »Mehr als 50 Prozent.«

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