23. Dezember 2016, 18:52 Uhr

Erstmals Prozessbeobachter

Was für ein Jahresausklang für den Busecker Kreis- und Kommunalpolitiker Dr. Sven Simon: Seit 1. Dezember ist er an der Philipps-Universiät in Marburg neuer Professor für Völkerrecht, Europarecht und öffentliches Recht. Und am morgigen Sonntag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, reist er als solcher nach Marokko, wo er tags darauf in Rabat erstmals als internationaler Prozessbeobacher zu agieren hat; dazu eingeladen vom Menschenrechtsrat des Königreichs auf dem Maghreb.
23. Dezember 2016, 18:52 Uhr
Der Busecker Prof. Dr. Sven Simon (r.) mit den Menschenrechtlern Bachir Eddahy (M.) und Hamdi Cherifi aus Marokko. (Foto: no)
Aus einfachem Grund: Trotz Altersdifferenz – Funck ist 72, Simon gerade 38 – und unterschiedlicher politischer Heimat pflegen beide im kreispolitischen Raum einen persönlichen, um nicht zu sagen auffallend freundschaftlichen Umgang.

Simons Gäste in beiden Unis

Damals war ausführlich über diese Ortstermine berichtet worden. Es ist ein Themenfeld, das ihn nach wie vor sehr beschäftigt. Just am Abend der Kreistagssitzung waren zwei Vertreter der Sahrawi Human Rights Researchers Association aus Marokko im Anflug – zu Gastvorlesungen in Simons Marburger Institut und bei bei Prof. Dr. Thilo Marauhn an der Juristischen Fakultät der Liebig-Universität Gießen. Der Besuch sei für die Studenten in beiden Hochschulen »von großem Gewinn« gewesen, weil sie einen seit Jahren schwelenden völkerrechtlichen Konflikt von zwei Zeitzeugen unmittelbar vor Augen geführt gekamen und Fragen dazu stellen konnten.

»So bekommen wir Informationen aus erster Hand; gewiss zunächst ungefiltert und natürlich subjektiv, aber sehr einprägsam und beeindruckend.« So etwas motiviere die Studenten, sich für internationale Sachverhalte zu interessieren. Sie sähen die Vereinten Nationen und insbesondere die UN-Peacekeeping-Missionen danach mit anderen Augen. Simon selbst plant weitere Besuche in den Konfliktgebieten und will weiterhin Menschen von dort einladen.
Vermutlich haben die Gäste dem Menschenrechtsrat einen Hinweis gegeben. Dieser war 2011 von König Mohammed VI. ins Leben gerufen worden. Vorsitzender ist Driss el-Yazami, ein Exil-Marokkaner und Menschenrechtsaktivist. Im Prozess vor dem Berufungsgericht in Rabat geht es um Geschehnisse im Gdeim-Izik-Protestlager bei Laâyoune. Mehrere Tausend Sahrawis machten dort auf soziale und wirtschaftliche Forderungen der Urbevölkerung in den umstrittenen Gebieten der von Marokko seit den späten 1970ern annektierten Westsahara aufmerksam. Das Lager war 2010 von marokkanischen Sicherheitskräften mit Gewalt aufgelöst worden. 2013 hatten sich 25 Demonstranten vor einem Militärgericht wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Gewalt gegen Sicherheitskräfte zu verantworten. 21 wurden verurteilt.
Und die beginnt nun ausgerechnet Weihnachten. Zu erörtern sind auch Vorwürfe, wonach Geständnisse unter Folter abgegeben wurden.

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