03. Juni 2018, 18:00 Uhr

Hessentag

Erinnerungen an den Hessentag 1993 in Lich: "Einfach eine tolle Atmosphäre"

Den Hessentag in Lich hat Christine Jachimsky nicht vergessen. Das liegt nicht nur an der Tracht, die das Hessentagsmädchen von 1993 immer noch im Schrank hängen hat.
03. Juni 2018, 18:00 Uhr
Erinnerungen an den Hessentag 1993 in Lich: Christine Jachimsky war damals der weibliche Part des Hessentagspaares. (Fotos: us/Archiv)

Frau Jachimsky, vor 25 Jahren war Hessentag in Lich und Sie waren der weibliche Part des Hessentagspaares. Haben Sie Ihre Tracht noch?

Jachimsky: Ja, natürlich.

Und passt sie noch?

Jachimsky: Ja. Das ist total genial. Die Schneiderin, Frau Hofmann, hat sie so genäht, wie die alten Trachten auch genäht wurden. Die sind ganz flexibel und passen sich dem Alter an.

Super!

Jachimsky: Da gibt es ganz viele Häkchen...

... die man verstellen kann?

Jachimsky: Genau.

 

Eigentlich trugen Sie ja wohl gar keine authentische Tracht?

Jachimsky: Na ja. Hier in Lich gab es ja keine Tracht, weil sich die Bürger in der Kleidung am Fürstenhaus orientierten. Aber Frau Hofmann ist ja echt eine Trachtenexpertin. Sie hat dann sozusagen eine neue Tracht erfunden, aber aus Elementen verschiedener Trachten aus dem Licher Umland. Vom Stoff her war sie edler als eine Alltagstracht.

Wie sind Sie damals Hessentagsmädchen geworden? Mussten Sie sich bewerben?

Jachimsky: Es gab eine Ausschreibung im Licher Wochenblatt. Und ich kannte Wolfgang Kubat, den damaligen Hessentagsbeauftragten. Wir haben uns darüber unterhalten und dann hat er gesagt: Bewirb dich doch einfach.

Sie haben sich einzeln beworben, Sie und Michael Noll?

Jachimsky: Genau. Wir wussten nichts von der Bewerbung des jeweils anderen.

Sie sind quasi zusammengewürfelt worden?

Jachimsky: Ja.

Und was waren Ihre Beweggründe? Warum bewirbt man sich um so eine Aufgabe?

Jachimsky: Ich war neugierig und fand das spannend. Ich hatte bis dahin wenig Erfahrung in Sachen Hessentag und völlig andere Vorstellungen. Ich dachte, das wäre etwas Altmodisches. Dann war ich überrascht, wie modern er war.

Ich glaube auch, dass Lich damals der erste Event-Hessentag war mit ganz vielen Konzerten.

Jachimsky: Das kann ich gar nicht richtig beurteilen. Ich war zuvor nur einmal auf einem Hessentag gewesen, 1992 in Wolfhagen. Und nur an zwei Wochenenden. Da hatte die Stadt Lich einen Stand. Michael Noll und ich waren als künftiges Hessentagspaar dabei. Ich übrigens im Dirndl. Die Tracht war noch nicht fertig.

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1993: ein aufregendes Jahr für Christine Jachimsky und Michael Noll.

Welche Aufgabe hat ein Hessentagspaar?

Jachimsky: Ganz einfach: repräsentieren. Ich fand das total angenehm. Überall haben sich die Leute gefreut. Das Hessentagspaar gehört einfach zu jedem Hessentag.

Und dann geht man auf die Bühne und stellt sich vor?

Jachimsky: Ja. Meistens war dann auch jemand da, der ein paar Fragen gestellt hat. Man begegnet ganz unterschiedlichen Menschen und Berufsgruppen, denen man wahrscheinlich im normalen Leben nicht begegnen würde.

Sie waren immer mit dem damaligen Bürgermeister Ludwig Seiboldt unterwegs. Dessen Vorzimmerdame, Frau Maruschka, war auch dabei. Wie viele Veranstaltungen haben Sie besucht? Haben Sie sie gezählt?

Jachimsky: Ich kann mich an die Zahl nicht mehr genau erinnern Es müssen so um die 150 gewesen sein. Auf alle Fälle über zehn pro Tag.

Wie waren Sie damals unterwegs?

Jachimsky: Das Autohaus Schmidt hatte uns einen Wagen zur Verfügung gestellt. Aber häufig war gar kein Durchkommen. Wir sind dann zu Fuß gegangen. Hier in Lich ist ja alles überschaubar. Das war damals auch der Untertitel: »Hessentag der kurzen Wege.«

An was erinnern Sie sich besonders gerne?

Jachimsky: An das Riesenrad im Schlosspark. So ein großes hatte es zuvor in Lich noch nicht gegeben. Und den Auftritt der Münchner Freiheit. Und an TEN SHARP, die am Hessentagsbrunnen gespielt haben. Meine Oma wohnte im Haus gegenüber und die Musiker haben sich bei ihr umgezogen. Sie hat dann für mich ein Autogramm der holländischen Band organisiert.

Haben Sie Prominente getroffen?

Jachimsyk: Den Hessischen Ministerpräsidenten.

Das war damals Hans Eichel, der spätere Bundesfinanzminister.

Jachimsky: So einfach als Christine Jachimsky wäre ich dem ja nicht unbedingt begegnet.

Gab es auch Pannen? Oder einen Moment, wo Sie sich gedacht haben: Wie komme ich hier nur raus?

Jachimsky: Nein. Überhaupt nicht. Frau Maruschka hat uns toll unterstützt. Meine Eltern haben geholfen. Und meine Oma hat sich darum gekümmert, dass die Tracht am nächsten Tag wieder in Ordnung war. Ich konnte abends, nach ungefähr 16 Stunden auf den Beinen, einfach ins Bett fallen und mich ausschlafen.

Haben Sie manchmal weiter gefeiert, wenn Ihr offizielles Programm beendet war?

Jachimsky: Wir waren manchmal auf einen Absacker im Weindorf auf dem Kirchplatz. Aber ich bin jemand, der seinen geregelten Schlaf braucht. Beim Michael Noll war das wohl anders. Der hat danach noch weitergemacht. Es war, glaube ich, ganz gut, dass wir so unterschiedliche Typen sind. Wir konnten ganz verschiedene Personenkreise ansprechen.

Haben Sie gar keine negativen Erinnerungen?

Jachimsky: Nein, gar nicht. Nur einmal musste ich auf ein Konzert verzichten, weil wir auf einer anderen Veranstaltung erwartet wurden. Aber das will ich nicht überbewerten. Den Auftritt der Münchner Freiheit am letzten Wochenende habe ich jedenfalls nicht verpasst.

Haben Sie seither andere Hessentage besucht?

Jachimsky: Ja, viele. Und gerne. Jeder Hessentag bietet so eine Vielfalt von Veranstaltungen, da findet jeder etwas Passendes. Was ich immer wieder ganz toll finde, ist die Ausstellung »Der Natur auf der Spur«.

Welches Resümee ziehen Sie nach 25 Jahren für Ihren Licher Hessentag?

Jachimsky: In Vorbereitung auf den Hessentag wurde die Altstadt verschönert und Lich wurde ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Außerdem wurde hier 1993 der Rekord von 860 000 Besuchern geknackt. Und in den Folgejahren ging das weiter. Bei jedem Hessentag sollten es immer mehr sein. Aber darum geht es doch gar nicht. Hier in Lich war einfach eine tolle Atmosphäre. Und für mich war es ein einmaliges Erlebnis.

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