Kreis Gießen

Erinnerung an den Bergbau

Eine Hinweis- und Informationstafel zur Erzentladestation wurde am Freitag am Radweg von Hungen nach Villingen vorgestellt. Die Entladestation wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Die Tafel befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Orten und erinnert an die Zeit, als im Heckenwald zwischen Hungen, Langd und Villingen beginnend im Mittelalter Eisensteine gewonnen wurden. An dieser Stelle befand sich zudem seit 1913 eine Eisenbahn-Verladestation.
12. April 2019, 19:33 Uhr
Karl-Josef Graf
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Die Info-Tafel zur Erzentladestation steht direkt am Radweg von Hungen nach Villingen. Sie informiert auch über die ehemalige Bahn von Hungen über Villingen nach Laubach. (kjg)

Eine Hinweis- und Informationstafel zur Erzentladestation wurde am Freitag am Radweg von Hungen nach Villingen vorgestellt. Die Entladestation wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Die Tafel befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Orten und erinnert an die Zeit, als im Heckenwald zwischen Hungen, Langd und Villingen beginnend im Mittelalter Eisensteine gewonnen wurden. An dieser Stelle befand sich zudem seit 1913 eine Eisenbahn-Verladestation.

Bürgermeister Rainer Wengorsch dankte dem heimatkundlichen Arbeitskreis der evangelischen Kirchengemeinde Hungen-Villingen (HAK) für die Info-Tafel. Es sei wichtig, dass die Menschen erfahren, was dort früher passiert ist und wie die Menschen damals gelebt und gearbeitet haben. Der Bergbau habe die Bevölkerung in der Region jahrzehntelang geprägt.

Mit der Bahn zu den Hochöfen

Im Mittelalter, vor dem 30-jährigen Krieg und ab 1714 wurde das Roherz vor Ort mit Holzkohle verhüttet. Dies war die Zeit, in der die Wälder durch die Verkohlung massiv geschädigt wurden, erläuterte der Historiker Dr. Ulrich Kammer. Ab 1890 (Eröffnung der Nebenbahn Hungen – Villingen – Laubach) wurde das gewaschene Roherz von der Entladestation zu den Hochöfen von Buderus in Lollar und Wetzlar per Bahn verfrachtet und mit Steinkohlenkoks aus dem Ruhrgebiet verarbeitet. Die Strecke von der Erzwäsche und Aufbereitung bis zur Entladestation wurde zunächst mit Loren und Pferdefuhrwerken bewältigt, ab 1913 mit einer drei Kilometer langen Drahtseilbahn.

Im Jahr 1957 wurde die Förderung von Eisensteinen eingestellt und die Entladestation abgerissen. Der Personenverkehr auf der Strecke endete 1959, der Güterverkehr 1998. Im Jahre 2010 ließ die Stadt Hungen auf der ehemaligen Bahntrasse einen Radweg entstehen. Dieser gehört seit 2016 zum Dreieckskurs »Solmser Land« und seit 2017 auch zum Radweg »RRR« (Römer, Residenzen, Reformatoren). Am morgigen Sonntag werden die »Anradler«, die um elf Uhr in Lich, Hungen, Grünberg oder Laubach starten, sich an diesem historischen Ort informieren können.

Aufgrund der Bebilderung und der Texte sei die Informationstafel auch für den Geschichtsunterricht in Schulen geeignet, hieß es aus dem Kreis der Heimatkundler. Die Tafel wurde finanziert mit Spenden der Sparkasse Laubach-Hungen und der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG). Dem Förderverein des Besucherbergwerks Grube Fortuna in Solms-Oberbiel verdanke man einige Fotos, und das Stadtarchiv Hungen hat die Unterlagen des Gemeindearchivs Villingen ergänzt.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Erinnerung-an-den-Bergbau;art457,577358

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