04. November 2019, 21:28 Uhr

»Erben ist menschlich«

04. November 2019, 21:28 Uhr
Szene mit Elisa Gerlach, Markus Waldschmidt, Jan Krauskopf, Ilona Böhm, Torsten Lang und Heiner Marx (v. l.). (Foto: m)

»Geld verdirbt den Charakter« oder »Wie bringe ich die liebe Verwandtschaft dazu, ihr wahres Gesicht zu zeigen?« - Untertitel gäbe es viele zum Theaterstück, das am Samstag und Sonntag bei den ersten beiden von insgesamt sechs Aufführungen rund 400 Besucher im Saal des Gasthauses »Zur Post« den Alltag für einige Stunden vergessen ließ: »Erben ist menschlich«, so die Botschaft, an deren Wahrheitsgehalt sich über die zwei Jahrzehnte nichts geändert hat. Genau genommen war es keine Premiere am Samstag, denn erstmals, seit es die Theatergruppe im TSV gibt, wiederholt sich ein Stück; »Erben ist menschlich« war 1999 ihr Debüt.

Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf. Wechselnde Besetzungen gab es immer mal wieder über die Jahre, ohne dass die Spiellaune und die Qualität gelitten hätten. Dafür stehen die Zuschauerzahlen und die Begeisterung der großen Fangemeinde. Von Anfang an mit dabei die Urgesteine Ilona Böhm, Markus Waldschmidt und Silke Burghard. Oliver Reeh und Christel Schmidt prägten über die Jahre ebenfalls als unnachahmliche Charaktere das stets kunterbunte Geschehen auf der Bühne. Beide sind diesmal nicht mit dabei. Vor 20 Jahren gehörten auch Manfred Hauke und Hans Ulm noch zum Team.

Inzwischen hat sich Nachwuchs eingestellt und hervorragend integriert. Die beiden Youngsters, Elisa Gerlach und Jan Krauskopf haben in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass sie es auch können - sattelfest und mit ihren Aufgaben gewachsen, überzeugten sie auch nun wieder.

Wer erben will, muss sich bewähren, hatte Georg »Schorsch« Bach (Markus Waldschmidt), jener imaginäre Schriftsteller, verfügt, um dessen vorgegaukelten Tod sich alles dreht. Die infrage kommenden Erben hatte der vermeintlich Verblichene auf seinen Landsitz einladen lassen, wo ihnen der Nachlassverwalter, Rechtsanwalt Ludwig Werner (Heiner Marx) - ein guter und in die Komödie eingeweihter Freund von Schorsch - das Testament eröffnete.

Schimpftiraden und Handgemenge

Von wegen Urlaub. Da hatte sich die Bagage gründlich geirrt. Im und rund ums Haus mussten verschiedenen Aufgaben erfüllt werden und nur, wer diesen Pflichten am sorgfältigsten und ohne Murren nachkam, sollte Anspruch auf das Erbe haben.

Da taten sie sich sehr schwer: Das ungleiche Ehepaar Karl und Resi Garhammer (Torsten Lang und Ilona Böhm), zerstritten sich bis aufs Blut. Er ein Trunkenbold, Choleriker und proletenhafter Macho, worunter sie leidet, und die Ehe sich reduziert auf ein reines Zweckbündnis, in der Hoffnung auf das Erbe. Harmonischer läuft es scheinbar bei Heinrich und Loni Haselbeck (Jan Krauskopf und Silke Burghard). Aber auch in dieser Beziehung wird schnell klar, wer die Hosen an hat. Jan Krauskopf bravourös in seiner Rolle als gescheiterter Ehemann, dessen Wagemut sich darauf reduziert, sich hinter dem Rock seiner Frau zu verkriechen, wenn es ernst wird: »Jawohl Mausi, da hast du recht, Hasi.« Die Rolle der Fünften im Bunde, die an der Nase herumgeführt wird, ist Anna Müller (Elisa Gerlach). Sanftmütig, fast zerbrechlich, passt sie so gar nicht in die Grobschlächtigkeiten von Schimpftiraden und Handgemengen, die sich Garhammers und Haselbecks so leisten. Ihre zauberhafte Erscheinung betört den listigen Tatterkreis Schorsch, der sie einweiht in seine Inszenierung der Charakterstudien, die er eigens und ausschließlich für seinen neuen Roman verwenden möchte.

Eine herrliche Provinzposse vor toller Bühnenkulisse, bei der die Laienschauspieler allesamt wieder eine überzeugende Leistung in einem turbulenten Dreiakter »off Platt« bieten. Diesmal nicht auf der Bühne, sondern davor: Souffleuse Heike Kienholz. TSV-Vorsitzender Volker Reeh hatte die Gäste begrüßt, unter ihnen auch Ortsvorsteher Dieter Synowzik und Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Auch in diesem Jahr bittet die Theatergruppe wieder um Spenden am Schluss der Veranstaltungen zugunsten des Familienzentrums für krebskranke Kinder.

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