03. Mai 2018, 21:43 Uhr

Entscheidung mit langem Atem

03. Mai 2018, 21:43 Uhr
Die Markwald-Hütte wird für das Fest vorbereitet. (Foto: rge)

Seit 200 Jahren besteht der Garbenteicher Markwald, östlich der Autobahn A 5 unweit der Mengelshäuser Teiche. Es ist eine einzigartige Gemeinschaft von Bürgern, die sich dabei als Waldeigentümer zusammenfanden. Markgenossen nennen sie sich. 1818 wurden dort die ersten Setzlinge gepflanzt, die sich über die beiden Jahrhunderte zu stolzen Bäumen entwickelten. Diese Gründung feiern sie am Samstag, dem 5. Mai, ab 14 Uhr mit einem Grillfest in und rund um ihre Markwald-Hütte. Dieser Tage hatten die Mitglieder mit Markmeister Hans-Martin Sames an der Spitze dort bei Arbeitseinsätzen noch einmal alles für das Fest fein gemacht.

Der Markwald umfasst rund 26,6 Hektar. Das Stück Pohlheimer Gemeinschaftswald des Markwaldes ist eine Besonderheit. Vor noch 200 Jahren lagen hier schlechte Äcker, später Weideflächen, die sich in Privatbesitz befanden. An Wald aber mangelte es in diesen Zeiten der langsam auch in unserer Region aufkommenden Industrialisierung. Arbeitskräfte für die Landwirtschaft waren zudem nur noch schwer zu bekommen. Von 1818 bis 1828 wurde der Wald angepflanzt.

Aus Äckern wurde Wald

Wie der ehemalige Markrechner Otto Stumpf (1904-1997) in seinem 1978 veröffentlichten Buch »Der Garbenteicher Markwald – seine Geschichte, seine Eigentumsverhältnisse und seine wirtschaftliche Lage in den einzelnen Zeitabschnitten« recherchiert hatte, lag die Fläche jahrzehntelang brach und wurde von der Gemeinde als »Zehntfrei« (Steuerfrei) geführt. Ein Hinweis auf die mindere Bodenqualität konnte man dem Flurbuch für das Gelände »Hinter dem Johannishölzchen« entnehmen, in dem die Bodenklasse mit 10 Prozent zu den schlechtesten und 85 Prozent zu den zweitschlechtesten Böden qualifiziert wurde.

»Kluge und vorausschauende Einsicht« besaßen die damaligen Besitzer, attestierte der damalige Heeresforstassessor Herbert Moos aus Gießen den Gründern. Waldarbeit war auf einer solch umfangreichen Fläche so gut wie nicht alleine zu stemmen. Da machte es Sinn, ihn gemeinsam zu bewirtschaften – mit den Gefahren des gemeinsamen Verlusts, aber auch der Hoffnung auf Gewinn. Die Gründer verzichteten auf ihr Individualeigentum und wurden Mitglieder der »Märkerschaft« und damit allesamt Nutznießer am großen Ganzen. Genossenschaftlich. Dies zahlte sich für die Markgenossen zunächst in Form von Brennholz, später an Anteilseinheiten im finanziellen Gewinn aus.

Die Kulturkosten werden bis heute durch Eigenleistungen der Mitglieder in Grenzen gehalten, sagt Sames. Die 1962 gebaute Markwaldhütte als Treffpunkt und Ausgangsort für die Arbeiten muss regelmäßig in Schuss gehalten werden, letztmals wurde 2015 das Dach erneuert. Der Wald drum herum wird ständig gehegt und gepflegt. Die Orkane Vivian und Wiebke trafen auch die Garbenteicher 1990 im Mark ihres Waldbestandes. Es gab große Schäden, es musste neu aufgeforstet werden, erinnert sich Sames. Das führte dazu, das in den letzten Jahren und auch den kommenden keine Nutzungsanteile ausgezahlt werden können. Waldbewirtschaftung ist ein Geschäft, für das man einen langen Atem benötigt und über den eigenen Horizont hinausblicken muss.

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