01. Mai 2018, 20:01 Uhr

Eisenbahnbrücke bei Dorlar soll bleiben

01. Mai 2018, 20:01 Uhr

Nach rund 140 Jahren ist die 1877/78 erbaute und im Volksmund als »eiserne Brücke« bekannte Eisenbahnbrücke bei Dorlar vom Abriss bedroht. Das schreibt die Bürgerinitiative (BI) »Schützt die Lahn-aue« in einer Pressemitteilung. Die Brücke ist Teil der ehemaligen Bahnstrecke Wetzlar – Lollar, auch historisch als »Kanonenbahn« bezeichnet.

Die Bahntrasse sowie die Brücke seien mittlerweile Eigentum der Gemeinde Lahn-au, und genau diese beschäftige sich nun in einem Eilverfahren mit dem möglichen Abriss. Grund dafür sei eine Lücke im Bahndamm, aktuell geschaffen, um eine Zufahrtsmöglichkeit für schwere Baustellenfahrzeuge zur derzeitigen Brückenbaustelle an der den Bahndamm querenden Autobahnbrücke (A 45) zu ermöglichen.

Beschlossen worden sei vor Öffnung des Bahndamms, dass nach Beendigung der Bauarbeiten genau diese Lücke von Hessen Mobil wieder geschlossen und dafür das entnommene Material eingelagert und wiederverwendet wird.

Mittlerweile wollten aber in der Lahnauer Gemeindevertretung SPD und CDU anstatt der Wiederherstellung der Bahntrasse die vorhandene Öffnung belassen, um unter anderem einen »schnellen Radweg« anzulegen und für die Landwirte eine leichtere Erreichbarkeit ihrer Äcker zu schaffen.

Es sei eine unverständliche Forderung der Naturschutzverbände, die – falls die mehrheitliche Entscheidung für die Offenhaltung der Bahntrasse falle – ihre Zustimmung zu dieser Entscheidung nur geben würden, wenn gleichzeitig die alte Stahlbrücke über die Lahn abgerissen werde.

Brücke historisches Kulturgut

Für diesen unbegreiflichen Zusammenhang gebe es keine plausible Erklärung. Die Bahntrasse sei im Gesamten als »Geschützter Landschaftsbereich« (GLB) ausgewiesen und GLB gemäß § 29 Bundesnaturschutzgesetz »rechtsverbindlich festgesetzte Teile von Natur und Landschaft, deren besonderer Schutz erforderlich ist«.

Die Brücke als Bindeglied zu dem auf Garbenheimer Seite befindlichen Naturschutzgebiet Würzberg und dem geschützten Landschaftsbestandteil Bahntrasse auf Lahnauer Seite diene unter anderem dem biologischen Austausch sowie der Querung für Tiere und sei damit als ein unverzichtbares Glied in der Biotopvernetzung zu betrachten. Abgesehen von dieser Tatsache sei die Brücke ein orts- und landschaftsprägendes historisches Kulturgut, das – wie die beiden auf dieser ehemaligen Bahnstrecke befindlichen Viadukte – dank des Widerstandes aus der Bevölkerung bereits gerettet, als Industriedenkmal im Sinne eines Ensembleschutzes erhalten werden müsse.

Die kursierende Aussage, von Garbenheimer Seite gäbe es Verfechter für den Abriss, sei schlichtweg falsch. Waldemar Droß (Ortsvorsteher von Garbenheim) habe dem Vorsitzenden der BI »Schützt die Lahnaue«, Wolfgang Hill, bestätigt, dass er sich sich gut damit anfreunden könne, wenn Brücke und Bahndamm erhalten blieben. Zur Schonung des Naturschutzgebietes auf Garbenheimer Seite sollte der Abgang allerdings auf Naunheimer Seite vorgesehen werden.

Einen weiteren Radweg zu schaffen sei für nur wenige 100 Meter nichts anderes als ein Bypass. Außerdem würden in Dorlar neuralgische Gefahrenpunkte entstehen, etwa durch zwangsläufig erforderliches Abbiegen und Queren der Zufahrtsstraße zum Bootsanleger. Die Schaffung einer Zufahrt für Landwirte sei ebenso kein belastbares Argument, das die Zerstörung einer durchgehenden Vernetzung und die weitgehende ökologische Entwertung des Bereichs rechtfertigen würde. Mehr als 100 Jahre hätten die Bauern ihre Felder erreicht, ohne je die Forderung einer Veränderung der Zufahrtsmöglichkeiten gestellt zu haben.

Außerdem seien im Verlauf der Trasse noch alle anderen Stahlbrücken – bei Krofdorf bzw. Lollar – und Viadukte erhalten.

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