01. Oktober 2018, 21:47 Uhr

Einparken und Anfahren am Berg

01. Oktober 2018, 21:47 Uhr
Autofahrer um 1970 herum beim Üben auf dem Gelände. (Repro: jow)

Jedem, der die Strecke von Hüttenberg nach Wetzlar auf der Landstraße zurücklegt, ist er schon einmal aufgefallen: Am Waldrand liegt der Verkehrsübungsplatz. Dort üben Fahrschüler und drehen ihre ersten Runden auf dem Weg zu ihrem Führerschein. Der Platz hat seit seiner Gründung 1968 eine bewegte Geschichte hinter sich. In diesem Jahr feiert er seinen 50. Geburtstag.

Der »Gründer« Willi Söhngen erinnert sich an die Anfänge: »1968 wurden die Übungen, bei denen man rückwärts fahren musste, bei der Führerscheinprüfung Klasse 3 (Pkw) auf dem Prüfhof vom TÜV Hessen in Wetzlar gemacht. Der Fahrschüler saß alleine im Auto und musste seitlich links oder rechts einparken, in der Sackgasse in drei Zügen wenden, dann in eine Garage vorwärts und rückwärts einparken und den Parcours verlassen.« Um diese Übungen zu ermöglichen, brauchte der Fahrschul-Besitzer Willi Söhngen einen geeigneten Übungsplatz.

Übungen geben Sicherheit

Zunächst konnte er mit Genehmigung des Bürgermeisters die nicht mehr benötigte Fläche auf dem Schulhof in Klein-Rechtenbach nutzen. Da zudem die »große Zeit« des Feldhandballs vorbei war, bemühte sich Söhngen um die Fläche an der »Schirneck«. Für den Sport war ein Stadion in der Nähe der neuen Mittelpunkt-Schule in Groß-Rechtenbach errichtet worden: »Für mich bedeutete das, dass ich den Sportplatz kaufen konnte.«

Söhngen baute dort den Parcours für die Fahrschüler zweimal auf, sodass die Schüler gleichzeitig und in aller Ruhe die Übungen einstudieren konnten. Auch das Anfahren am Berg war leicht zu üben: »Besonders für die Motorrad-Fahrschüler war der Übungsplatz eine große Erleichterung, weil jeder die grundsätzlichen Aufgaben ohne Störung einüben konnte.« Darüber hinaus konnten die Schüler an keiner anderen Stelle das Abbiegen und das Fahren mit einem Anhänger ungestört üben und sich diese Technik aneignen. Zu Übungszwecken hatte der Fahrlehrer damals einen VW-Käfer ohne Karosserie bereitgestellt: »Für die Schüler bedeutete das, sie konnten sehen, wie die Vorderräder beim Rückwärtsfahren stehen.«

Der heutige Besitzer der Fahrschule Steffen Ebert macht mit seinen Fahrschülern immer noch die ersten »Gehversuche« dort. »Das gibt Sicherheit. Jeder merkt früh, welche Unterschiede es bei den einzelnen Autos gibt«, erklärt Ebert. »Nur wer ausreichend geübt hat und mit Auto oder Motorrad vertraut ist, braucht bei der Fahrprüfung keine Angst zu haben.«

Die Schüler danken es ihrem Lehrer noch heute: »Viele Ehemalige erzählen Jahre später, dass sie damals bei der Ausbildung besonders auf dem Übungsplatz viel Spaß hatten.« Damals wie heute können die Fahrschüler im eigenen Pkw auf dem Platz üben, Gelerntes festigen und Sicherheit gewinnen. »Es macht ihnen Spaß, auch während der Ausbildung schon mal ihr ›eigener Herr‹ zu sein.«

Zwei Jahre nach dem Erwerb 1968 hat Söhngen das Übungsgelände erweitert und auch für Fahrsicherheitstrainings ausgebaut. In den letzten 50 Jahren haben Söhngen und seine Nachfolger zahlreiche Fahrsicherheitstrainings für Teilnehmer aus ganz Hessen durchgeführt. Seit dem Jahr 2000 ist der Übungsplatz an den Richtlinien des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) orientiert. ADAC-Trainer führen Kurse an den Wochenenden durch.

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