24. Oktober 2017, 20:07 Uhr

Einfach schön

24. Oktober 2017, 20:07 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion

Von ansprechender Musikalität und einem gut gelaunten Grundton war die geistliche Abendmusik zum Reformationsjubiläum am Sonntag in Heuchelheim geprägt. Der Posaunenchor (Leitung Florian Walther und Marina Jung) und der Kirchenchor (Leitung Gabriele Haim) sowie Organist Jörg Reiner Becker spielten in der gut gefüllten neuen Martinskirche ein attraktives Konzert. Hinzu kamen als Solisten auf der Flöte Heike Becker und Steffen Steinmetz-Bonzelius. Das Ambiente war wohltuend hell und freundlich, zu Beginn spürte man noch gar nichts Herbstliches.

Mit Schmackes eröffneten die Bläser mit Johann Michael Haydns »Exultate Deo«; sinnenfroh sollte es also werden. Das bewies hernach auch der Chor mit Heinrich Schützens »Also hat Gott die Welt geliebt«: Stabil, gefühlvoll, vital und warm im Klang musizierte man. Jörg Reiner Becker komplettierte dann die musikalische Grundkonstruktion an der Orgel mit dem Choralvorspiel für Orgel, BWV Anh. II 49 »Eine feste Burg ist unser Gott«. Er spielte schwungvoll, flüssig und differenziert und zog die kräftig singende Gemeinde nachdrücklich ins Tempo.

Begleitend moderierten Pfarrerin Cornelia Werner und Florian Walther die Titel jeweils an und stellten sie kurzweilig, aber kompetent in den inhaltlichen und historischen Zusammenhang. Eine ganz moderne Methode, um die Musik für die Zuhörer aus der Abstraktion zu lösen. Zudem hielt Weber einige kurze und lebendig gestaltete Lesungen.

»Wind of Change« im Bläser-Sound

Eindrucksvoll geriet dem Bläserchor Antonín Dvoráks Largo »Aus der neuen Welt«. Schön voll, getragen und inhaltlich stimmig kam das, bei authentisch umgesetztem Werkcharakter – ein Glanzlicht. Interessant auch Franz Schuberts vier vom Chor musizierte Stücke aus der »Deutschen Messe«. Die attraktive Komposition kam sehr geschlossen und in den Abschnitten deutlich differenziert, besonders der dritte Satz klang ausgezeichnet. Ein Glanzlicht war ohne Einschränkung die Bläserversion des Scorpions-Hits »Wind of Change«: eindeutig charakteristisch anmutend mit orgelähnlicher Charakteristik klang das sehr feierlich und einfach schön. Ein weiteres Glanzlicht war die geschickte Abwechslung zwischen klassischen und modernen sowie Pop-Titeln, entspannt und seriös moderiert, was dem Ganzen eine entschlackte, mühelos zugängliche Form verlieh. Hans-Werner Scharnowskis (*1954) »Unser Vater« überraschte mit frohen Harmonien und frischem Stil. Das war modern und geistlich zugleich, mit stabilen Flächen musiziert und vom Chor mit guter Stimmung und dem richtigen Gefühl umgesetzt. Nach Gebet und Segen setzten die Bläser mit einem Welthit aus der Popmusik einen rundum frohgemuten und neuzeitlichen Schlussakzent: Pharell Williams’ (*1973) »Happy« stimmte alle eindeutig positiv ein. Der Applaus fiel lange anhaltend und sehr herzlich aus. (kdw/Foto: kdw)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos