22. Februar 2017, 10:00 Uhr

Kirchendieb

Eineinhalb Jahre Haft für Einbrüche in Kirchen

Ein Familienvater war mehrfach in Kirchen eingebrochen und hatte die Kollekte mitgenommen. Sein Tatmotiv: Spielsucht. Für die Richterin hat alles "einen besonders unangenehmen Beigeschmack".
22. Februar 2017, 10:00 Uhr
Der Angeklagte – mit Verteidiger Alexander Velten – räumt die Taten ein. (Foto: sha)

Wie ein »Häufchen Elend« sitze der 40-Jährige aus Lollar in der Anklagebank, befand Richterin Sonja Robe am Dienstag bei einer Urteilsverkündung vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts. Zwar räumte der nicht vorbestrafte Angeklagte die Vorwürfe ein und beteuerte: »Alles tut mir sehr leid.« Trotzdem besitze das, was der Familienvater gemacht habe, einen »besonders unangenehmen Beigeschmack«, unterstrich Robe, die eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verhängte. Grund: Der Mann hatte im Februar und März eine Serie von Einbrüchen verübt. Besonders oft war er in Kirchen und Pfarrämter – unter anderem in Staufenberg und Heuchelheim – eingedrungen. »Das ist etwas anderes als der Einbruch in einen schnöden Supermarkt«, sagte die Richterin. Zumal der Täter keine hohe Beute habe erwarten können und oft nur »die Kollekte mitgenommen« habe.

Tatsächlich übertraf laut Staatsanwalt Christian Bause die Höhe der entstandenen Sachschäden die Höhe des Diebesguts bei weitem: Während der Mann nur einige Hundert Euro ergaunerte, lagen die Schäden an aufgehebelten Fenstern und Türen bei mehreren Tausend Euro. Die Ermittler waren dem Angeklagten auf die Schliche gekommen, weil er an den Tatorten Blutspuren, Fingerabdrücke und Zigarettenstummel zurückließ. Außerdem hatten Zeugen sich das Kennzeichen seines Pkw gemerkt.

Der in der Türkei geborene Christ, der auch versucht hatte, in eine Moschee in Gießen einzudringen, machte seine Spielsucht für die Taten verantwortlich. Sogar mit nur ein bis zwei Euro in der Tasche sei er in Spielhallen gegangen. Außerdem sei er wegen Problemen mit seiner Frau auch »psychisch fertig« gewesen. Dennoch habe die Familie für seinen Mandanten später »zusammengelegt« und dessen Schulden beglichen, sagte Verteidiger Alexander Velten, der wie die Staatsanwaltschaft auf eineinhalb Jahre Bewährungshaft plädiert hatte.

Auf die Frage, warum er gerade in Kirchen eingebrochen sei, erklärte der Angeklagte, sich dort nachts besonders sicher vor Entdeckung gefühlt zu haben. Als Bewährungsauflage muss er eine bereits begonnene Therapie wegen seiner Spielsucht fortsetzen und 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verrichten.

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