07. November 2017, 21:07 Uhr

Eine runde Sache »off Platt«

07. November 2017, 21:07 Uhr

»Mitschwätze« war das Gebot der Stunde beim jüngsten »Runden Tisch Mundart Ober-/Mittelhessen« im kleinen Saal des Rodheimer Bürgerhauses. Gastgeber war der Heimatverein Rodheim-Bieber. Dessen Vorsitzender Helmut Failing eröffnete die 17. Auflage vor rund 70 Mundartfreunden mit launigen Worten und gab der designierten Biebertaler Bürgermeisterin Patricia Ortmann gleich die Lernziele vor: In einem Jahr müsse sie »Platt verstieh« (verstehen), im zweiten Jahr müsse sie es »schwätze« können, da alle bisherige Bürgermeister der Großgemeinde der Mundart mächtig gewesen seien. Für Bürgermeister Thomas Bender übermittelte Beigeordneter Dieter Bender Grüße und wünschte allen »en schiene Nochmittoag«.

Der Organisator des »Runden Tisches«, Karl-Heinz Theiß (Gemünden/Felda) lud alle zum Mitmachen und Mitreden ein. Zur losen Gruppe des »Runden Tisches« gehören zudem Rita Mattern (Buseck-Beuern) und Kurt Klingelhöfer (Fernwald-Steinbach). »Die Mundart reicht zurück bis zur ältesten Form unserer Sprache. Sie ist sozusagen ein tief verwurzelter, natürlich gewachsener Baum, in dessen Schatten es sich gut und geborgen leben lässt. Und um dieser Geborgenheit willen, die uns allen heute so nottut, ist es gut, den alten Stamm gesund und kräftig am Leben zu erhalten«, zitierte Theiß einen unbekannten Mundartliebhaber und fügte hinzu: »Die Mundart stirbt nicht aus, sie verändert sich«. Theiß hat ein Heft »Mundartliche Redensarten« mit hochdeutscher Übersetzung geschrieben.

Den Auftakt zur Mundartrunde besorgte Dieter Prinz aus Vetzberg (Jg. 1937), gebürtiger Wißmarer und damit echter »Wißemer Hanjer«. Er wies darauf hin, dass im Wißmarer Dialekt statt eines gerollten »R« nach einem Vokal ein »L« oder Doppel-L gesprochen wird. Prinz ist Autor einer Broschüre über das »Wißemer Platt«. Er trug die Gedichte »De Äppelklauer« und »Eus Kouh Frieda« (Unsere Kuh Frieda) vor. Dort heißt es im Schlusspart: »De Stall stitt lier, kaa Koih, kaa Glucke, eus Scheuer ess en Autoschuppe. Mier läwe etz en Saus en Prunk – doch Oisse gebt es immer noch genunk.« (»Der Stall steht leer, keine Kühe, keine Glucken, unsere Scheune ist ein Autoschuppen. Wir leben jetzt in Saus und Prunk – doch Ochsen gibt es immer noch genug.«) Jochen Rudolph (Gießen) hatte Texte von Karl Brodhäcker, einem Verfechter des Dialekts, vertont und brachte mit seiner Gitarre die Lieder »Zwiwwelstee« (gegen Erkältung) und »Die täglich Rund« sowie »Alte Liebe« und »Verwandtentreffen« zu Gehör.

»Vieles in Mundart kommt aus dem Französischen wie z. B. Gommel (Gurke)«, erläuterte Theiß. Er übersetzte Worte wie »dswadsealich« (aufgeregt) oder »pimsdearn« (erste Anzeichen einer Erkrankung). Zwischendurch trugen Besucher Mundarteinlagen und -wörter vor, wie zum Beispiel »Schammbitter« (Angst). Helmut Failing gab die Geschichte »Voam Vuchelsberger Bürgermester«, der es allen recht machte, zum Besten. Bei frischen Waffeln und Kaffee wurde weiter Platt geschwätzt. Dieter Prinz erzählte die Geschichte von »Zwa linke Koih« (Zwei linke Kühe) und übersetzte »Moltroff« (Maulwurf). Kurt Hillgärtner erläuterte noch »profosch« (nachträglich) und stoppeln (zusammensuchen/-fügen). Mit der »Metzelsopp« (Schlachtessen) und »En Doag noch heilig Owed«, vorgetragen von Karl-Heinz Theiß und dem Lied »De Hannes kann…“ klang der stimmungsvolle Mundartnachmittag aus. Failing dankte den Akteuren und Besuchern und lud zur »Langen Nacht« des Heimatvereins mit den »Bousseldanden« am 21. Dezember um 19 Uhr ein. Für die »Mundartrunde« resümierte Theiß: »Solang Mensche komme, dei Spass dro hu, mache mir weirer« (solange Menschen kommen, die Spaß dran haben, machen wir weiter).«

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