Kreis Gießen

Eine Stimme für »kleine Landwirte«

Den Bauern einen Stimme geben: Das ist das Anliegen der Initiative »Freie Bauern«, die sich im vergangenen Sommer gegründet hat. »Wir haben uns gesagt, man müsste endlich mal etwas ändern«, erklärte Alfons Wolff, konventioneller Ackerbauer aus Hohenthurm in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Reinhard Jung, ökologischer Mutterkuhhalter aus Lennewitz (ebenfalls Sachsen-Anhalt) initiierte er deshalb die »Freien Bauern«.
25. Februar 2019, 21:53 Uhr
Constantin Hoppe
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Die Bearbeitung mit kleinen Traktoren – hier auf einer Wiese bei Nieder-Bessingen – hat mittlerweile Seltenheitswert. (Archivfoto: pad)

Den Bauern einen Stimme geben: Das ist das Anliegen der Initiative »Freie Bauern«, die sich im vergangenen Sommer gegründet hat. »Wir haben uns gesagt, man müsste endlich mal etwas ändern«, erklärte Alfons Wolff, konventioneller Ackerbauer aus Hohenthurm in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Reinhard Jung, ökologischer Mutterkuhhalter aus Lennewitz (ebenfalls Sachsen-Anhalt) initiierte er deshalb die »Freien Bauern«.

Momentan sind die beiden Gründer auf Vorstellungstour in ganz Deutschland. Am Sonntag waren sie in Garbenteich zu Gast und fanden offene Ohren bei den heimischen Landwirten. »Wir wollen eine Vertretung für unseren Berufsstand sein«, erklärte Wolff. »Ob ökologisch oder konventionell – das ist egal.« Mehr als 20 heimische Landwirte waren der Einladung in die Pizzeria »Da Giovanni« gefolgt. Und als abschließend die Liste für Neumitglieder die Runde machte, unterschrieben nahezu alle.

Deutschlandweit sind es mittlerweile 400 Betriebe. Alles familiär geführte Höfe – für große Gesellschaften wollen die Gründer nicht eintreten. »Wir können nicht jede Schieflage retten. Aber wir wollen für unseren Berufsstand eintreten«, sagt Wolff. »Wir wollen als Ehrenamtliche eine starke Stimme für unseren Berufsstand organisieren.«

Ihre Forderungen an die Politik sind umfassend, aber noch recht allgemein. Ein Verbot von Gentechnik, Mindeststandards in der Milchwirtschaft und eine Unterstützung ortsansässiger Betriebe haben sie auf der Agenda. Daneben wollen sie sich auch gegen die Massentierhaltung – zugleich aber auch gegen Tierwohlauflagen und für wolfsfreie Zonen einsetzen. »Die Landwirtschaft soll alles anders machen. Wir haben aber alles richtig gemacht, wirtschaften ökologisch nachhaltig und sind ökonomisch stabil«, erklärten die beiden Gründer. »Das lassen wir uns nicht länger schlechtreden.«

Insbesondere das aus ihrer Sicht miese Bild der Landwirte in den Medien ist ihnen ein Dorn im Auge, wie Jung sagt: »Wenn man sich in der Medienlandschaft umschaut, dann könnte man meinen, wir Landwirte sind die furchtbarsten Menschen auf der ganzen Welt.« Und weiter: »Wir sind scheinbar schuld am Feinstaub, dem Insektensterben, der hohen Nitratbelastung im Grundwasser und vielem mehr.« Aber es ließe sich längst nicht die Schuld an allem den Landwirten zuschieben: »Man braucht objektive Grundlagen: Wenn ein Viehbetrieb an schlechten Werten schuld ist, dann muss man etwas unternehmen – aber wenn es an anderen Dingen liegt, dann bringt es nichts, dem Betrieb hohe Auflagen zu machen.«

Dabei wollen die »Freien Bauern« aber nicht in Konkurrenz zum Bauernverband treten, von dem sie sich nicht mehr richtig vertreten fühlen: »Wir sind einfach ein anderes Angebot«, erklärt Wolff. Eines, das sich eben um die Existenz der Kleinen kümmert.

Und zumindest etwas muss man den beiden Landwirten lassen: Ihr Enthusiasmus ist deutlich zu spüren, auch wenn sie wissen, dass es ein langer Weg wird: »Wir glauben nicht, dass unsere Initiative morgen schon der Renner ist. Aber wir wollen es versuchen«, sagen sie.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Eine-Stimme-fuer-kleine-Landwirte;art457,557044

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