»Der Vorstand bekommt einen Auftrag, dann hat er ihn zu erledigen. Hier hat er seine Aufgaben nicht gemacht«, ärgert sich Johann-Gottfried Hecker (CDU). Und Georg Schlierbach, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses, deutete gar die Frage an, ob man denn extern Hilfe bemühen solle; etwa die Kommunalaufsicht? Was den Freien Wählern und den Christdemokraten so erzürnt, ist die Tatsache, dass noch immer kein Entwurf für ein Leitbild zur Zukunft der kommunalen Partnerschaften auf dem Tisch liegt. »Nichts, was man zerfleddern, gutheißen oder ausbauen« könne, wie es Hecker salopp formuliert.

Zugrunde liegt dem die Frage: Wohin steuert Wettenberg mit seinen mittlerweile vier Partnerschaften? Über Jahrzehnte gewachsen mit Sorgues in Frankreich sowie Zsámbék und Tök in Ungarn. Seit wenigen Jahren zudem mit Grigny unweit von Lyon, ebenfalls im Süden Frankreichs.

Angestoßen wurde die Debatte um ein Leitbild von den Fördervereinen der Partnerschaften, der Deutsch-Französischen Gesellschaft und dem Heimatverein Zsámbék. Die Freien Wähler haben dies auf die politische Ebene gehoben. Die Idee: Ein starkes, sichtbares Bekenntnis der Gemeinde, namentlich der Politik und des Rathauses, zu den Partnerschaften und der Arbeit an einem gemeinsamen Europa, quasi als Selbstverpflichtung der Wettenberger.

Zu diskutieren wäre überdies die Frage, ob und in welcher Weise die Partnerschaftsarbeit finanziell gefördert wird. Reichen die Mittel aus? Ist da nachzusteuern? Werden für bestimmte Veranstaltungen bestimmte Sätze festgelegt?

Bereits in der ersten Jahreshälfte hatte es Unstimmigkeiten gegeben hinsichtlich der Frage, wer beim Leitbild vorangeht und zu liefern habe. Die SPD und namentlich Bürgermeister Thomas Brunner hatten in der Gemeindevertretung dafür geworben, der Partnerschaftsausschuss möge sich da im Dialog mit den Partnerschaftsvereinen und den Bürgern auf den Weg machen. Beschluss der Mehrheit der Gemeindevertretung, an jenem Abend gestellt von Freien Wählern und CDU, war jedoch: Der Gemeindevorstand um Bürgermeister Brunner habe die Vorarbeit zu leisten.

Der Bürgermeister verwies in der Aussprache am Dienstag im Partnerschaftsausschuss auf die Partnerschaftsurkunden, in denen immer wieder Grundlagen bekräftigt würden: Der Gedanke des europäischen Hauses, die Förderung der Begegnungen auf den Feldern Jugend, Sport und Kultur. Dies will Brunner als Kernaussagen nochmals nachliefern.

Wie geht es nun weiter? Partnerschaftsausschuss-Vorsitzender Schlierbach erwartet Ideen und Anregungen aus allen Fraktionen hinsichtlich eines Leitbildes. Danach sollen alle Beteiligten sich im Rahmen eines Workshops gemeinsam ans Erarbeiten machen.

Blick nach vorn: Im Sommer 2020, voraussichtlich in den beiden letzten Ferienwochen, will Wettenberg Gastgeber einer trinationalen Jugendbegegnung sein: Eingeladen werden Jugendliche aus allen vier französischen und ungarischen Partnergemeinden, um eine gemeinsame Zeit am Wißmarer See zu verbringen. Bereits in wenigen Wochen wird eine Wettenberger Delegation zum Weinfest nach Grigny reisen, um in diesem Rahmen die Pläne fürs kommende Jahr zu vertiefen. Auch mit Sorgues soll der Dialog dazu aufgenommen werden.

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